„Operation Gold – Der Spionagetunnel in Berlin”

Ein neues Buch über ein historisches Ereignis zwischen Rudow und Altglienicke + Vortrag am 07.07.2026

Die Geschichte der „Operation Gold” ist in Film und Literatur bekannt (z. B. durch den Kinofilm „…und der Himmel steht still” von 1993), aber nur beinahe und diese Lücke schließt nun das im März 2026 erschienene Buch. Tatsächlich fehlt bislang ein bedeutendes Puzzleteil, das in den Archiven der Berliner Unterwelten e.V. schlummerte. Es handelt sich um die umfassende Dokumentation, die allein für den DDR-Minister des Innern, Karl Maron, angefertigt worden war. Sie galt allgemein als verschollen. Tatsächlich enthält sie bislang unbekannte Fotos und Details zum Auffinden dieses Tunnels und dessen Arbeitsweise. Ein Fundstück.

Eingeführt und erläutert wird es im Buch von Dietmar Arnold, geboren 1964 in Berlin, der wie kein Anderer die Unterwelt von Berlin kennt, und Prof. Dr. Helmut Müller-Enbergs, geboren 1960 in Haltern am See, der sich mit Berlins Spionen befasst, mal für die Spionageabwehr, mal als Wissenschaftler der FU Berlin. Die Publikation zeigt zudem auf, wie nach der Entdeckung und dem Fall der Mauer mit den Überresten des Abhörstollens umgegangen wurde. So sind 1995 auf Rudower Gebiet über 100 Meter des Tunnels achtlos entsorgt worden, als das nach Abriss der US-Radarstation 1986 freigewordene Pachtgelände der Bauernfamilie Massante nach deren Weiter-veräußerung mit Einfamilienhäusern bebaut wurde. Allerdings fanden sich 1997 bei Grabungen und 2005 nochmals in Vorbereitung des Autobahnbaus der A113 zwei letzte verbliebene Teilstücke im ehemaligen Grenzstreifen. Sieben Meter davon sind im Alliierten Museum in Berlin-Dahlem zu besichtigen.

 

Zudem gibt es ein kleines Fragment der Tunnelröhre mitsamt Kabeln im Altglienicke Museum. (im Bürgerhaus Altglienicke, Ortolfstraße 182)

 

Das Buch „Operation Gold” erzählt die wahre Geschichte von technischem Genie, politischer Hybris und dem bitteren Geschmack des Verrats. Ein packendes Stück Zeitgeschichte über einen Tunnel, der zum Symbol für die Absurdität und die Gefahr des atomaren Zeitalters wurde. Das Werk von Dietmar Arnold und Helmut Müller-Enbergs ist zum Preis von 24 Euro erschienen in der Edition Berliner Unterwelten im BeBra Verlag (ISBN 978-3-8148-0348-7) und umfasst 224 Seiten mit 181 Abbildungen. Es ist in deutscher und englischer Sprache verfasst.

 

Einen Vortrag mit den beiden Autoren findet am Dienstag, den 7.7.2026, ab 18:30 Uhr in der Stadtteilbibliothek Altglienicke im Bürgerhaus in der Ortolfstr. 182 statt.

Im Anschluss kann im Altglienicke Museum darüber eine kleine Ausstellung zum Spionagetunnel mit einem Originalstück angeschaut werden.

Sie sind herzlich zu der Gemeinschaftsveranstaltung von Stadtteilbibliothek und Bürgerverein Altglienicke e.V. eingeladen!

Rückblende

Sowjetische Offiziere und Vertreter der westlichen Presse am US-Spionagetunnel 1956 (Foto: Bundesarchiv)
Sowjetische Offiziere und Vertreter der westlichen Presse am US-Spionagetunnel 1956 (Foto: Bundesarchiv)
Historische Fotos Quelle: Bundesarchiv
Historische Fotos Quelle: Bundesarchiv

Vor 70 Jahren sorgte an der Grenze zwischen Rudow und Altglienicke eine der spektakulärsten Spionageaktionen des Kalten Krieges für weltweite Presseschlagzeilen. Die amerikanische CIA und der britische Secret Intelligence Service (MI 6) hatten im August 1954 mit der Ausführung einer Geheimdienstoperation unter dem Namen „Operation Gold” begonnen. Auf einem im US-amerikanischen Sektor Berlins gelegenen Grundstück am Rande des Ortsteils Rudow, unweit des Dankmarsteigs, wurden eine Radarstation und ein Depotgebäude der US Air Force errichtet, die letztlich Tarnung für etwas anderes waren. Darunter begann man binnen eines halben Jahres einen überwiegend 2,80 Meter unter der Erdoberfläche gelegenen Tunnel von 1,90 Meter Höhe zu graben, der nach 120 Metern die Grenze zum Berliner Sowjetsektor unterquerte und nach weiteren 330 Metern unterhalb der Schönefelder Chaussee im Ortsteil Altglienicke an kam. Das Ziel des britisch-amerikanischen Vorhabens waren die dort unter der Straße befindlichen Telefonleitungen des sowjetischen Oberkommandos, die vom Zentrum Berlins zum Hauptquartier der Sowjetstreitkräfte in Wünsdorf führten. Die westlichen Nachrichtendienste hörten in der Folge ab Mai 1955 wichtige Telefongespräche der sowjetischen Militärs ab. In der Summe über 400.000 Telefonate. Diese wurden auf 50.000 Tonbändern festgehalten. Mit der Auswertung der Telefongespräche waren zeitweise bis zu 317 Mitarbeiter beschäftigt. Insgesamt 6,7 Millionen US-Dollar ließ man sich die „Operation Gold” kosten.

April 1956: Aufdeckung des US-Spionagetunnels an der Schönefelder Chaussee in Altglienicke (Historische Fotos Quelle: Bundesarchiv)
April 1956: Aufdeckung des US-Spionagetunnels an der Schönefelder Chaussee in Altglienicke (Historische Fotos Quelle: Bundesarchiv)

In der Nacht vom 21. auf den 22. April 1956, elf Monate nach Inbetriebnahme des Tunnels, beendete der sowjetische KGB jäh das Spionageunternehmen. In den Tagen zuvor war es durch starke Regenfälle zu Störungen an verschiedenen Telefonleitungen in Berlin gekommen. Dieser Zeitpunkt wurde von der sowjetischen Seite bewusst gewählt, denn sie wusste von Beginn an über den Spionagetunnel Bescheid. Bei den Planungen für die „Operation Gold” saß für den britischen MI 6 der Mitarbeiter George Blake mit am Tisch, der als Doppelagent auch für den KGB arbeitete und diesen umfassend informierte. Um ihn nicht auffliegen zu lassen, ließen die Sowjets den Tunnelbau gewähren und tarnten dessen Entdeckung so, dass angebliche Mitarbeiter der Deutschen Post der DDR aufgrund einer Telefonstörung in die Schönefelder Chaussee kamen und dort kaum einen Meter unter der Straße zufällig den Tunnel entdeckten. Der Spionagetunnel wurde unmittelbar nach seiner Entdeckung von den DDR-Behörden als „Bruch der Normen internationalen Rechts” und „verbrecherischer Akt” der Presse präsentiert. Die Fotos aus dem Tunnel unter der innerdeutschen Grenze gingen anschließend durch die Weltpresse.

Im Anschluss wurde das Tunnelende zu Besichtigungszwecken hergerichtet. Bis zum 10. Juni 1956 nutzten 40.000 Interessierte, darunter ganze Schulklassen, das Angebot in Altglienicke und gaben damit, wie die DDR Medien berichteten, „ihrer Empörung über das verbrecherische Treiben der Amerikaner Ausdruck”. Anschließend begann man auf Ost-Berliner Seite den Tunnel weit gehend auszugraben.

(Text von Joachim Schmidt, Bürgerverein Altglienicke e.V. , Bild von Dietmar Arnold, andere Fotos Quelle Bundesarchiv)


Zwei neue Stolpersteine in Altglienicke

Begleitet von Musik wurden am Schachtelhalmweg 83 Stolpersteine für Bertha und Rudolf Ehrlich verlegt.
Begleitet von Musik wurden am Schachtelhalmweg 83 Stolpersteine für Bertha und Rudolf Ehrlich verlegt.

„Stolpersteine“ sind ein seit 1992 existierendes Projekt des Berliner Künstlers Gunter Demnig. Durch im Boden verlegten kleinen Messing-Gedenktafeln soll an deren letzten Wohnort an das Schicksal vom Menschen erinnert werden, die in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden. Um die 116.000 solcher Stolpersteine gibt es bereits in Deutschland und anderen europäischen Ländern. In Altglienicke gab es bisher sieben davon: In der Köpenicker Straße 59 (Hermine Eichner und Auguste Hengst), Rudower Straße 68 (Hugo und Minna Heilbronn), Schirnerstraße 28A (Max und Lina Zenz) und Schirnerstraße 50 (Felix Lazarus). Ende vergangenen Jahres kamen nun zwei weitere Stolpersteine im Schachtelhalmweg 83 hinzu. Erinnert wird nunmehr an das Ehepaar Ehrlich, das inmitten der Altglienicker Spreetal-Siedlung aktiv gegen den Nationalsozialismus kämpfte.
Rudolf Ehrlich, der 1902 als Sohn einer Arbeiterfamilie in Brandenburg/Havel geboren wurde und den in seiner Ausbildung als Kellner die sozialen Probleme der Menschen beschäftigten. Nach der Hochzeit mit der Köchin Berta Thiele aus Neu Zittau zog er 1925 nach Berlin, wo dann beide in Gaststätten arbeiteten. 1927 trat Rudolf Ehrlich in die KPD ein. In ihrem Häuschen mit einem kleinen Lebensmittelladen am heutigen Schachtelhalmweg (damals Straße 76 - Spreetal) traf sich regelmäßig eine Widerstandsgruppe, um unter anderem Flugblätter zu entwerfen und zu drucken.

Dem KPD-Mitglied Willi Gall ermöglichten Berta und Rudolf Ehrlich in ihrer Wohnung geheime Treffen und boten Unterschlupf. 

Am 14. Dezember 1939 wurden alle drei verhaftet. Die damals zehnjährige Tochter Johanna kam gerade aus der Schule, als die Gestapo ihre Mutter abholte. In einem Schauprozess vor dem Volksgerichtshof wurde Berta zu 14 Jahren Haft in den Zuchthäusern Cottbus und Waldheim verurteilt, Rudolf zu 12 Jahren in Brandenburg und Hameln. Mutter und Vater Ehrlich sahen die Tochter erst nach der Befreiung im Mai 1945 wieder. Willi Gall selber wurde am 25. Juli 1941 in Plötzensee hingerichtet.

Kurz vor Weihnachten wurde zu einer feierlichen Einweihung der Stolpersteine an den Schachtelhalmweg 83 eingeladen. Etlichen alteingesessenen Altglienickern ist das dortige Haus der Familie Ehrlich, später Mauer, ein Begriff, denn nicht nur in den 1930er Jahren, sondern bis zu den 90er Jahren war dort in der Spreetalsiedlung ein kleiner Lebensmittelladen. Etwas kann man an der Fassade noch den einstigen Schriftzug „KONSUM“ erahnen. Über 60 Personen, darunter auch der Bundestagsabgeordnete Dr. Gregor Gysi und Bezirksbürgermeister Oliver Igel, fanden sich zunächst hinter dem Haus im Garten ein.


Im Zentrum der Feier stand die mittlerweile 96-jährige Tochter des Ehepaars Ehrlich, Dr. Johanna Mauer, auch Witwe des langjährigen früheren Altglienicker Ortschronisten Heinz Mauer. Umrahmt von Musik und Gedichten wurde mit verschiedenen Redebeiträgen dem Ehepaar Ehrlich gedacht. Mit darunter war eine Gruppe der Grundschule am Berg, welche von 1973 bis 1990 den Namen 14. POS „Rudolf Ehrlich“ trug. Im Anschluss gingen alle Anwesenden vor das Grundstück, wo begleitet von Musik auf dem Gehweg die zwei neuen Stolpersteine verlegt wurden. Innerhalb Altglienicke gibt es damit nun neun, die an Verfolgte und Opfer des Nationalsozialismus erinnern.

 (Text und Bilder von Joachim Schmidt vom Dörferblick)