Aktuelles aus Altglienicke und vom Bürgerverein


Herbstspaziergang durch Altglienicke

Joachim Schmidt, Altglienicker Bürgervereinsvorsitzender, erläutert die Geschichte des Spionagetunnels
Joachim Schmidt, Altglienicker Bürgervereinsvorsitzender, erläutert die Geschichte des Spionagetunnels

Die Koordinierungs- und Fachstelle der Partnerschaft für Demokratie Altglienicke führte am 13. November einen Herbstspaziergang durch Altglienicke durch. Treffpunkt war für alle Interessierten vor dem Quartiersmanagement-Büro Kosmosviertel. Dabei ging es darum, miteinander ins Gespräch zu kommen und einen kleinen Einblick in die Geschichte Altglienickes zu bekommen. Dazu wurden für kurze Vorträge Klaus Leutner und Joachim Schmidt vom Bürgerverein Altglienicke e.V. in die Pflicht genommen.

Es startete mit einem von letzterem vorgetragenen Einblick in die mehr als 30-jährige Geschichte des Kosmosviertels, danach ging es in den Landschaftspark Rudow-Altglienicke und entlang des alten Mauerweges zu den Erinnerungstafeln für den Spionagetunnel der CIA von Rudow nach Altglienicke 1955/56, bekannt geworden als „Operation Gold”. Anschließend wurde der Städtische Friedhof an der Schönefelder Chaussee aufgesucht, wo Klaus Leutner die neue Erinnerungsstätte für dort begrabene NS-Opfer vorstellte. Es folgte der Weg in die Gagfah-Siedlung, deren Geschichte auch Thema war. Als nächster Ort stand das Bürgerhaus Altglienicke auf dem Programm, wo es einen kurzen Besuch im Altglienicke Museum gab. Den Abschluss des Spaziergangs bot eine Einkehr im Kiezladen WaMa, wo bei Kaffee und Kuchen Raum für weitere Gespräche war. Es hatte dann auch allen soweit gefallen.

(Text und Foto von Joachim Schmidt vom Bürgerverein)


Engagement gegen Rassismus und Gewalt geehrt-Ehrenamtliche Arbeit mit dem „Band für Mut und Verständigung“ gewürdigt

Klaus Leutner Mitglied im Bürgerverein Altglienicke
Klaus Leutner Mitglied im Bürgerverein Altglienicke

Das Bündnis für Mut und Verständigung ehrt beispielhafte Aktionen in Berlin und Brandenburg mit dem Preis „Band für Mut und Verständigung“. Bürger, die in ehrenamtlicher Arbeit Zivilcourage zeigen, sich in langfristigen Projekten engagieren, wurden aus mehr als 30 Vorgeschlagenen Akteuren ausgewählt und ausgezeichnet.

Peter Hermanns, ehemaliger Leiter des Flüchtlingsheimes in Köpenick, welcher sich darüber hinaus als Organisator für Fußballturniere zwischen jungen Flüchtlingen und Berliner Jugendlichen beschäftigte, ebenfalls im Verein Türöffner e.V. mitarbeitet, ist einer der zwei ausgezeichneten Berliner. Der zweite Ausgewählte, Klaus Leutner, Mitglied im Bürgerverein Altglienicke, wurde als Initiator des neuen Erinnerungsortes auf dem Städtischen Friedhof Altglienicke geehrt.  

Jens Mätschke-Gabel – Koordinator im Bündnis für Mut und Verständigung als Moderator und Steffen Sambill, Geschäftsführer Sportjugend Berlin als einer der Juroren, luden zur Auszeichnung in die VIP-Lounge des 1.FC Union in die Alte Försterei an der Wuhlheide.

Nach einem Einblick in die vielfältigen Aktivitäten der Geehrten, kam es zur Überreichung der Preise im Beisein der von den Preisträgern mitgebrachten Gäste. Bei Kaffee, Saft und Sekt wurde sich noch ausgiebig unterhalten. Die Erfahrungen, welche man während aktiver Arbeit für Verständigung in unserer Gesellschaft macht, gute wie schlechte, sind facettenreich wie die Gesellschaft selbst.

Mit dem wunderschönen Blick über das Stadion aus VIP-Perspektive trennten sich gut gelaunt alle Gäste in der Gewissheit, dass die große Gleichgültigkeit doch starke Gegner hat! (Ronald Seiffert Bürgerverein Altglienicke e.V.)


Bürgerverein Altglienicke feierte 30. Geburtstag

Joachim Schmidt, Vorsitzender des Bürgervereins Altglienicke, gab einen Überblick über Geschichte und Wirken des Vereins
Joachim Schmidt, Vorsitzender des Bürgervereins Altglienicke, gab einen Überblick über Geschichte und Wirken des Vereins

Am 8. Oktober 2021 war es dann soweit. Der Bürgerverein Altglienicke konnte seinen 30. Geburtstag nachfeiern. Das Gründungsdatum ist eigentlich am 30. Januar 1991, doch zu diesem Zeitpunkt war angesichts des Corona-Lockdowns an Feierlichkeiten nicht zu denken. Daher entschied man sich, die ganze Sache im Oktober nachzuholen. Nach der einmal jährlich durchzuführenden Jahreshauptversammlung ging es ab 19 Uhr im großen Saal des Bürgerhauses los. Rund 40 Besucher fanden sich ein, darunter Bezirksbürgermeister Oliver Igel (SPD) sowie die örtlichen Mitglieder des Abgeordnetenhauses, Ellen Haußdörfer (SPD), Stefan Evers (CDU) und Stefan Förster (FDP), daneben etliche Vertreter Altglienicker Institutionen. Joachim Schmidt gab als Vorsitzender einen kleinen Rückblick über die Geschichte des Vereins, dessen Gründung aus dem Runden Tisch der Wendezeit heraus er damals als noch jüngstes Mitglied erleben durfte, mittlerweile ist er fast eines der letzten noch lebenden Gründungsmitglieder. In den 1990er Jahren war man mit in Spitzenzeiten noch 150 Mitgliedern ein zahlenmäßig großer Verein, in dem mit Kampfkandidaturen um die sieben maximal möglichen Vorstandsämter gerungen wurde. Heute sei das alles bescheidener mit um die 30 Mitglieder, wo nicht mehr als fünf für den Vorstand zu finden waren. In den 30 Jahren kam man mit drei Vorsitzenden aus. 

Vor Joachim Schmidt waren das, mittlerweile beide verstorben, Helmut Hauthal (1991–95) und Dr. Hellmut Rademacher (1995– 2010). Zurückgeblickt wurde auf diverse Veranstaltungen, wo ein Höhepunkt sicherlich die Durchführung der 625-Jahr-Feier-Altglienickes im Jahr 2000 war. Als feste Institution betreibe man seit 15 Jahren das Altglienicke Museum, was zunächst 2006 bis 2009 im Wasserturm an der Schirnerstraße und 2009 bis 2015 im FBZ Besenbinderstraße ansässig war, seit 2016 im Bürgerhaus an der Ortolfstraße. Um das Museum herum präsentierte man alljährlich wechselnde Ausstellungen, die unterschiedlichste Themen historisch und mit viel Bildmaterial versehen beleuchteten, seien es bestimmte Gebiete wie Ortskern, Gagfah-Siedlung, Kosmosviertel oder Kölner Viertel, die Geschichte zum Beispiel von Schulen, Sportvereinen oder Straßenbahn, Ereignisse wie der 1956 aufgeflogene CIA-Spionagetunnel oder die Friedliche Revolution 1989/90 im damaligen Ortsleben bzw. einfach Ansichten der Berliner Mauer zwischen Altglienicke und Rudow. 1998 und 2010 brachte der Bürgerverein zwei Bücher zur Geschichte Altglienickes heraus. 

Bezirksbürgermeister Oliver Igel (links) gratuliert Joachim Schmidt (rechts)
Bezirksbürgermeister Oliver Igel (links) gratuliert Joachim Schmidt (rechts)
Pfarrer Wolfram Geiger (links) gratuliert Joachim Schmidt (rechts)
Pfarrer Wolfram Geiger (links) gratuliert Joachim Schmidt (rechts)

Auch kulturell gab es vielfältigste Veranstaltungen. Seit 2010 führe man alljährlich den Altglienicker Adventsmarkt rund um die Pfarrkirche durch. Seit letztem Jahr kamen in enger Kooperation mit dem Kiezladen WaMa OpenAir-Kultur-veranstaltungen im Kosmosviertel hinzu. Als neuestes Werk entstand in Kooperation mit BENN ein Radtourenplan für Altglienicke mit einer jeweils kurzen Beschreibung interessanter Stationen. Vor wenigen Wochen wurde eine Partnerschaft mit einem polnischen Bürgerverein in Zgierz bei Lodz abgeschlossen. Der Vorsitzende Joachim Schmidt drückte abschließend seine Hoffnung aus, dass der Bürgerverein in den kommenden Jahren weitere Mitstreiter für seine ehrenamtliche Arbeit für den Ortsteil finde. In kaum mehr als drei Jahren stehe schließlich auch das Jubiläum 650 Jahre Altglienicke an. Im Anschluss an die Festrede gab es noch zwei Grußworte, einmal von Bezirksbürgermeister Oliver Igel und zum anderen vom örtlichen evangelischen Pfarrer Wolfram Geiger. Danach wurde das Buffet eröffnet und es gab ordentlich Raum für persönliche Gespräche. Musikalisch präsentierte dabei Jonathan Scherbarth auf der Gitarre einige seiner selbstgeschriebenen Lieder. Am Ende bekamen alle Anwesenden noch einen kleinen Präsentbeutel, unter anderem mit einer Altglienicke-Tasse.

(Text und Bilder vom Bürgerverein Altglienicke e.V.)


Erinnerungsort für NS-Opfer auf Altglienicker Friedhof eingeweiht – Bürgervereine vereinbaren deutsch-polnische Partnerschaft

1.370 NS-Opfer erhielten einen würdigen Gedenkort – eine gläserne Wand mit den Namen der ermordeten Menschen erstellt aus persönlichen Handschriften von Bürgerinnen und Bürgern
1.370 NS-Opfer erhielten einen würdigen Gedenkort – eine gläserne Wand mit den Namen der ermordeten Menschen erstellt aus persönlichen Handschriften von Bürgerinnen und Bürgern

In den Jahren 1940 bis 1943 wurden auf dem Städtischen Friedhof Altglienicke an der Schönefelder Chaussee 1.360 Opfer nationalsozialistischer Gewalt ohne Nennung ihrer Namen beigesetzt. Bei diesen Toten handelt es sich überwiegend um Opfer aus verschiedenen Konzentrationslagern und Tötungsanstalten, etwa Patientenmorde im Rahmen des sogenannten „Euthanasie”-Programms. Sie wurden ohne Information ihrer Angehörigen in Krematorien eingeäschert. Die Verstorbenen gehören unterschiedlichen Nationalitäten an, wobei allein über 400 Verstorbene aus Polen stammen, darunter 18 im KZ Sachsenhausen ermordete katholische Priester. Es ist jahrelangen Recherchen von Klaus Leutner, Mitglied des Bürgerverein Altglienicke, zu verdanken, dass vieles rund um das lange unscheinbare Urnenfeld im Eingangsbereich des Friedhofs aufgeklärt werden konnte. Es gelang, fast alle Namen zu ermitteln und das eine und andere zu den Opfern zu erfahren. Unnachlässig trat er dafür ein, dass diese von den Nationalsozialisten ermordeten Menschen einen würdigeren Gedenkort bekommen, der ihre Anonymität aufhebt. Daher lobte schließlich die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz gemeinsam mit der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen Ende 2018 einen Wettbewerb zur Neugestaltung der Grabfläche aus.

Auf Empfehlung des Preisgerichts wurde dieser Auftrag der Arbeitsgemeinschaft „Erinnerungsort Altglienicke” – gebildet aus struber gruber mit outside < landschaftsarchitektur – übertragen. Namentlich sind das die Künstlerin Katharina Struber und der Architekt Klaus Gruber, die den künstlerischen Teil des Gesamtentwurfs konzipiert haben, und der für den landschaftsarchitektonischen Teil verantwortliche Thomas Leidinger. Das Besondere: Anfang des vergangenen Jahres haben sich über 1.300 Menschen an der Neugestaltung der Begräbnisstätte und des Erinnerungsortes auf dem Friedhof Altglienicke beteiligt, in dem sie mit ihrer persönlichen Handschrift den Namen und die Lebensdaten eines verstorbenen Menschen festgehalten haben. Sie trugen damit zum aktiven Erinnern und Gedenken an die mehr als 1.370 Opfer nationalsozialistischer Gewaltherrschaft bei. Das Urnensammelgrab U1/U2 erhielt eine Einfassung mit Worten in Deutsch, Englisch und Polnisch, dahinter nennt eine gläserne Wand jetzt, wer dort alles ruht. Der neu gestaltete Erinnerungsort auf dem Friedhof in Altglienicke wurde im Rahmen eines Festakts am 27. September 2021 in Gegenwart von 200 Menschen unter anderem durch Bezirksbürgermeister Oliver Igel und Staatssekretär Stefan Tidow feierlich eingeweiht.

Höchste Berliner Würdenträger sprachen Segensworte
Höchste Berliner Würdenträger sprachen Segensworte

Auch ein interreligiöser Ritus war damit verbunden, in denen als höchste Berliner Würdenträger der jüdische Rabbiner Andreas Nachama, der katholische Erzbischof Heiner Koch und der evangelische Landesbischof Christian Stäblein Segensworte sprachen. Viele Gäste aus Polen, insbesondere aus Zgierz,weilten unter den Besuchern. Beteiligt waren auch Schüler des Archenhold-Gymnasiums, die sich im Rahmen von Projekten ebenso für die Würdigung der Toten einsetzten, etwa einzelne Biographien recherchierten. Nach dem Festakt gegen Mittag gab es abends noch zusammen mit den vielen Gästen aus Polen einen Ökumenischen Gottesdienst in der Christus-König-Kirche Adlershof, der gehalten wurde von den Pfarrern Mathias Laminski (Pfarrei St. Josef, Köpenick), Leszek Bartuzi (ChristusKönig Adlershof), Wolfram Geiger (Evang. Kirchengemeinde Altglienicke) und Przemek Kawecki SDB (Polnisch Katholische Mission Berlin). In diesem wurde das sehr beeindruckende „Requiem für B.” des Leipziger Komponisten Warnfried Altmann aufgeführt. Finanziert wurde dieses durch jeweils zu einem Drittel aus Geldern der örtlichen evangelischen und katholischen Kirchengemeinden sowie über BVV-Sondermittel des Bürgerverein Altglienicke e.V. Im Rahmen des Requiems ertönten von allen Seiten verlesen die einzelnen Namen der 1.370 NS-Opfer. Danach gab es noch auf dem Außengelände der Kirche einen kleinen Empfang. Es sollte aber bei dem einen Tag nicht bleiben. Auch Nachhaltiges vermochte aus dieser Begegnung von Deutschen und Polen an den gemeinsamen Gräbern von NS-Opfern hervorgehen.

Unterzeichnung eines deutsch-polnischen Partnerschaftsvertrages zwischen dem Bürgerverein Altglienicke e.V. und Towarzystwo Przyjaciół Zgierza (TPZ) durch die Vorsitzenden Joachim Schmidt (l.) und Adam Zamojski (r.)
Unterzeichnung eines deutsch-polnischen Partnerschaftsvertrages zwischen dem Bürgerverein Altglienicke e.V. und Towarzystwo Przyjaciół Zgierza (TPZ) durch die Vorsitzenden Joachim Schmidt (l.) und Adam Zamojski (r.)

Am nachfolgenden Dienstag trafen sich in den Räumen des Altglienicke Museums Abordnungen der Bürgervereine aus Zgierz (bei Lodz) und Altglienicke. Dabei kam es, befördert durch die Initiative von Klaus Leutner, zur Unterzeichnung eines deutsch-polnischen Partnerschaftsvertrages zwischen dem Bürgerverein Altglienicke e.V. und Towarzystwo Przyjaciół Zgierza (TPZ) durch die Vorsitzenden Joachim Schmidt und Adam Zamojski, die künftig engere Beziehungen pflegen wollen. Anschließend gab es ein gemeinsames Essen in der Gaststätte Ebel, wo man weiter untereinander austauschte. Die sprachlichen Barrieren wurden gut überwunden durch Klaus Leutners aus Polen stammende Ehefrau sowie den gut deutsch sprechenden evangelischen Zgierzer Pfarrer. Im kommenden Jahr ist vorgesehen, dass der Bürgerverein zum Gegenbesuch nach Zgierz kommt.

(Text und Bilder vom Bürgerverein Altglienicke e.V.)

Hier noch einige Bilder von der Einweihung der Gedenkanlage 

(Text und Bilder vom Bürgerverein Altglienicke e.V.)


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