Aktuelles aus Altglienicke und vom Bürgerverein


11. Altglienicker Adventsmarkt am 04.12.

Der Altglienicker Adventsmarkt findet nach zweimaligem Corona-Ausfall wieder am 04. Dezember statt. Gemeinsam organisiert von Bürgerverein Altglienicke e.V. und der ev. Kirchengemeinde.

Da die Kirchengemeinde aufgrund der aktuellen Energie-Situation im Winter 2022/23 auf eine Beheizung der großen Pfarrkirche verzichten möchte, wird der 11. Altglienicker Adventsmarkt ausnahmsweise an einen anderem Ort stattfinden: Gemeindezentrum Rosestraße 42 mit der Zwiebelkirche. 

Zum Angebot zählen sollen wieder Marktstände mit Essen, Trinken, Kleinkunst, Basteleien- und Geschenkartikel u. v. m. sowie ein Kulturprogramm. Wer Interesse hat, sich mit einem Marktstand oder anderen Angeboten am Adventsmarkt zu beteiligen, bitte melden unter E-Mail buergerverein@altglienicke24.de


„Lasst uns mutig sein!“ - Die Kunst und das Gedenken         Die Kunst des Gedenkens auf dem Städtischen Friedhof Altglienicke


Mit den Worten „Lasst uns mutig sein!“,  wurde am Donnerstag, den 22. September, ein denkwürdiges Kunst- und Erinnerungserlebnis, auf dem Städtischen Friedhof Altglienicke beendet. Ausgehend vom Grabfeld U2, welches im September letzten Jahres als würdiger Erinnerungsort für 1360 Ermordete des Naziregimes eingeweiht wurde, erlebten die Besucher ein Kulturereignis der besonderen Art. Die Aktivistinnen/Künstlerinnen/Polinnen Ewa Maria Slaska und Anna Krenz, welche seit dreißig Jahren in Deutschland leben, beendeten ihre 4-teilige Veranstaltungsreihe „Fehlende Hälfte der Geschichte“ auf dem Friedhof Altglienicke. Nach „Heimat“ (aufgeführt am 1. September i.d. Regenbogenfabrik Kreuzberg), „Krieg“ (aufgeführt am Denkmal der Kämpfenden für unsere und eure Freiheit, Volkspark Friedrichshain), „Unterdrückung“ (aufgeführt i.d. Kulturkirche Nikodemus, Neukölln), bei uns das Finale `Erinnerung`!

Beispielgebend für viele polnische Frauenschicksale im 2. Weltkrieg wurde das Leben und Sterben der jungen Irena Bobowska eindringlich dargestellt. Geboren am 3. September in Poznan/Posen (Polen), hingerichtet am 26. September 1942 in Plötzensee, im Untergrund eine Mitherausgeberin der Zeitschrift „Pobudka“ (Weckruf), die Informationen aus Funküberwachungen enthielt. Einer Behinderung wegen an den Rollstuhl gefesselt, nutzte sie diesen, um die Schriften konspirativ zu verteilen. 1940 wurde die hochbegabte Dichterin und Malerin verhaftet, physisch und psychisch gefoltert, im Morgengrauen des 26. September 1942 hingerichtet. Es ist möglich, dass Irena Bobowska hier in Altglienicke bestattet ist.

Nach einem Grußwort des Treptow-Köpenicker Bürgermeisters und Schirmherren Oliver Igel sprachen Klaus Leutner als Initiator des Erinnerungsortes und Mitglied des Bürgervereins Altglienicke, die Bildende Künstlerin Katharina Struber als Gestalterin (gemeinsam  mit Architekt Klaus Gruber) und Anita Dalkowska vom Verein der Absolventen der Dabrowka-Schule in Poznan, welche auch Irena Bobowska besuchte, am Grabfeld U2 zur Entstehung des Ortes. Das folgende performative Programm wurde von der Schauspielerin Karen Kandzia als Irena Bobowska, auf Krücken gehend, am Urnengrabfeld U2 begonnen. Barfuß absolvierte sie den Weg bis zur Kapelle, um wenige Meter vor einem der kleinen Vorbereitungsräume, dieser war als Gefängniszelle eingerichtet, die Krücken wegwerfend und nun kriechend hineinzugelangen. Dort konnte man „Irena Bobowska“ bei den alltäglichen Beschäftigungen im Gefängnis sehen. Es wurde gezeichnet, gelesen, sich gewaschen, verzweifelt der Kopf in die Hände gelegt. 

Zum nächstfolgenden Programmteil führte uns der Musiker Warnfried Altmann, der schon am Tag der Einweihung letzten Jahres sein Requiem aufführte, Saxophon spielend ins Innere der Aussegnungskapelle. Hier wurden wir mit dem Leben und frühen Sterben von Irena Bobowska vertraut gemacht. Nach dem erneuten grandiosen Saxophon- und Klarinettenspiel von Warnfried Altmann begann der letzte Programmpunkt, die Diskussion mit interessanten geladenen Gästen. Mit Franziska Bruder von der „Lagergemeinschaft Ravensbrück“ Freundeskreis e.V., Dr. Iwona Dardej – Historikerin, Klaudyna Droske – Polonia e.V., Nora Hogrefe – Aktives Museum Faschismus und Widerstand, sowie Anja Witzel – Landeszentrale für politische Bildung. Mit ihnen standen hervorragend ausgewählte, fachkundige Gesprächspartnerinnen bereit, dieses breite Spektrum an Zusammenhängen der Vergangenheit und der daraus abzuleitenden Gefahren für die Gegenwart zu erkennen.

An jedem Einzelnen von uns ist es, gegen Rassismus, Frauenfeindlichkeit und Fremdenhass im Alltag den Mund aufzumachen. Deshalb danke Anna und Ewa : Lasst uns mutig sein! (Ronald Seiffert - Bürgerverein Altglienicke e.V.)


Kiezfest 20 Jahre Bürgerhaus Altglienicke fand Gefallen

Pünktlich um 13 Uhr wurde am 17. September im Bürgerhaus Altglienicke an der Ortolfstraße das diesjährige Kiezfest eröffnet. Es stand ganz im Zeichen von 20 Jahren Bürgerhaus. Ein wenig Sorge war da bei dem schon am Morgen einsetzenden Aufbau, denn es regnete, doch dann hörte es auf und das Wetter stabilisierte sich. Als um 13 Uhr auf der Livebühne neben der Bibliothek der Gemischte Chor Berlin-Altglienicke seine Lieder zur Eröffnung anstimmte, hatten sich auch schon eine ganze Reihe Menschen eingefunden, um dem Programm beizuwohnen. Wenig später führte die stellvertretende Bezirksbürgermeisterin und Sozialstadträtin Carolin Weingart die offizielle Eröffnung seitens des Bezirksamtes als Hausherr durch. Sie bedankte sich bei den Organisationsverantwortlichen und allen weiteren Beteiligten, wies auf das gleichzeitige Jubiläum 20 Jahre Kiezklub Altglienicke hin und würdigte die verschiedenen Einrichtungen, die sich unter einem Dach im Bürgerhaus versammeln, aber auch darüber hinaus aus der Nachbarschaft in Form von Ständen auf dem Gelände präsentierten. Um es vorweg zu nehmen, das Kiezfest fand bei allen Anwesenden großen Gefallen. Die Jubiläumsfeiern des Bürgerhauses aller fünf Jahre waren bislang auf das Gebäude selber beschränkt.

Die jährlichen Kiezfeste fanden nebenan mit vielen Ständen im Grünzug der Ladenpassage statt. Beides wurde diesmal vereint mit Angeboten drinnen und draußen. In einer Form, die es in 20 Jahren Bürgerhaus noch nie gab, denn die Grünfläche hinter dem Bürgerhaus wurde mit Ausnahme des Jugendbereiches auf der rechten Seite bislang wenig genutzt. Erstmals gab es Stände, die in einer Art Hufeisen hinter dem Gebäude herumführten. Dort zeigte sich eine Vielfalt an Einrichtungen, Trägern, Initiativen und Vereinen, die in Altglienicke tätig sind. 


Es gab Angebote für Jung und Alt, wie etwa kreative Bastelaktionen, Fahrradreparatur, Comic Werkstatt, Dosenwerfen und einen Bazar, aber auch zu Essen und Trinken. Der Kiezklub grillte. Andere boten Salate oder Kuchen. An einem Stand konnte man sogar alkoholfreie Cocktails genießen. Alles hierbei kostenfrei bzw. gegen eine individuell festzulegende Spende, wobei die Gesamtsumme letztlich einem Projekt im Kiez zugute kommt. Das Bühnenprogramm fand Anklang, sei es die Line Dance Gruppe aus dem Kiezklub, die Tanzgruppe von Knut Warskulat, das Kinderprogramm mit Cattu der Traumfänger, der Bauchredner Mike Maverick oder zum Ausklang Musik mit DJ Silvio. Ein gefragter Gast gerade bei den Jüngsten war Ritter Keule, das Maskottchen des 1. FC Union Berlin. Der Köpenicker Bundesligaklub war ebenso mit einem Aktionsstand vertreten. Nicht weit davon zog eine Hüpfburg Kinder an. Eine Attraktion war ein Fotoautomat, wo man Erinnerungsfotos mitnehmen konnte.  Im Haus selber machten die ansässigen Einrichtungen ihre Türe weit auf und präsentierten ihre Arbeit. Geöffnet hatten so im Erdgeschoss die Stadtteilbibliothek mit verschiedensten Angeboten, darüber im ersten Stock das Altglienicker Bürgerzentrum mit der Keramikwerkstatt und den Montagsmalern sowie das Altglienicke Museum mit einer eigens an dem Tag startenden Sonderausstellung. Auf der selben Etage präsentierte sich das TEA Tagebuch und Erinnerungsarchiv Berlin e.V., das Tagebücher, Lebenserinnerungen, Fotos, Fotoalben, Briefe und ähnliches der deutschen Alltagskultur aus allen Jahrhunderten sammelt. Ein Stockwerk darüber bot die Medienetage ihr Programm für Kinder und Jugendliche, in der anderen Gebäudehälfte konnte man Einblicke in die Arbeit des Kinder- und Jugendgesundheitsdienstes nehmen. 

Altglienicke Museum
Altglienicke Museum

Bei letzterem bot das bezirkliche Gesundheitsamt spontane Impfungen gegen Covid-19 an – mit dem neuesten Booster-Impfstoff gegen Omikron. Viele nutzten das dann auch, sich auffrischend zu impfen. Vor dem Haus gab es eine Tafel, die auf die 20-jährige Geschichte des Hauses einging, welches am 28. September 2002 im Gebäude einer früheren Kindertagesstätte eingeweiht wurde. Seitdem kommen hier eine Vielzahl von soziokulturellen Einrichtungen zusammen, die sich in ihrer Arbeit dem gemeinsamen Ziel verpflichtet fühlen, ein Kiez Zentrum zu sein. Den Abschluss des Kiezfestes bildete um 18 Uhr in Regie der Stadtteilbibliothek eine Autorenlesung mit Katja Oskamp aus ihrem Buch „Marzahn mon amour” – eingeleitet von Worten des bezirklichen Kulturstadtrat Marco Brauchmann. Am Ende des Tages kam an den verschiedenen Ständen eine beachtliche Spendensumme zusammen, wo alle beteiligten Träger noch gemeinsam entscheiden wollen, welchem Projekt dieses zuteil wird. Organisiert wurde das Kiezfest diesmal vom Träger offensiv’91. Von etlichen Anwesenden waren lobende Worte zu hören für ein tolles Kiezfest. Man vernahm dabei Stimmen, so könnte man das auch im kommenden Jahr wieder drinnen und draußen auf dem Areal des Bürgerhauses durchführen.

(Text und Fotos von Joachim Schmidt vom Dörferblick)


Voll der Osten” – neue Ausstellung im Bürgerhaus Altglienicke

Voll der Osten. Leben in der DDR” ist eine Fotoausstellung von Harald Hauswald mit Texten von Stefan Wolle. Die Ausstellung ist eine Kooperation mit der OSTKREUZ Agentur der Fotografen. Diese Ausstellung zeigt gerade das vom Bürgerverein Altglienicke e.V. betriebene Altglienicke Museum im Flur des 1. Stockwerks im Bürgerhaus Altglienicke in der Ortolfstraße 182. In den achtziger Jahren zog Harald Hauswald durch Ost-Berlin und fotografierte, was ihm vor die Linse kam. Er knipste, was andere Fotografen übersahen oder für uninteressant hielten: Kleine Szenen des Alltags, einsame und alte Menschen, verliebte junge Pärchen, Rocker, Hooligans und junge Leute, die sich in der Kirche für Frieden und Umweltschutz einsetzten. Die OSTKREUZ Agentur der Fotografen und die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur laden mit der Ausstellung „Voll der Osten. Leben in der DDR” zu einer Bilderreise in die Zeit der Teilung ein. Gezeigt wird eine ungeschminkte DDR-Realität, an die sich heute selbst Zeitzeugen kaum mehr erinnern. Die Ausstellung präsentiert auf 20 Tafeln über 100 bekannte und unbekannte Fotos von Harald Hauswald. Die Texte der Ausstellung hat der Historiker und Buchautor Stefan Wolle verfasst, der wie der Fotograf in der DDR wachsen ist. Die Ausstellungstafeln verlinken mit QR-Codes zu kurzen Videointerviews im Internet, in denen der Fotograf darüber berichtet, wie und in welchem Kontext das jeweils zentrale Foto der Tafel entstanden ist. Die am 17. September zu 20 Jahre Bürgerhaus eröffnete Ausstellung ist das ideale Medium, um dazu einzuladen, den Alltag in der DDR der achtziger Jahre kennen zu lernen. Angeschaut werden kann sie immer werktags, wenn das Bürgerhaus Altglienicke geöffnet ist, zudem zu den Öffnungszeiten des Altglienicke Museums jeden letzten Sonntag eines Monats von 14 bis 17 Uhr.

(Text und Foto von Joachim Schmidt vom Dörferblick)