Am Falkenberg feiert man Geburtstag: 80 Jahre Ernst-Moritz-Arndt-Gemeindeheim

Fast überall in Deutschland steht inmitten der historisch gewachsenen Ortskerne eine Kirche. Das ist auch in Altglienicke nicht anders, wo sich die 1895 anstelle der alten Dorfkirche errichtete Pfarrkirche in die Höhe erhebt. In Altglienicke sind wir mit Kirchengebäuden reich gesät. Ganze vier gibt es. Zwei der Bauten wirken zwischen Einfamilienhäusern etwas versteckt, so ohne Kirchturm, die katholische Kirche „Maria Hilf“ an der Cimbernstraße oder die neuapostolische Kirche in der Falkenbrunnstraße. Die evangelische Kirchengemeinde Altglienicke verfügt neben der Pfarrkirche sogar über einen zweiten Standort an der Rosestraße 42. Hier befindet sich seit nunmehr 80 Jahren das Ernst-Moritz-Arndt-Gemeindeheim. Wobei die Langversion des Namens seltener Verwendung findet. Meist spricht man kurz vom Gemeindeheim oder im Volksmund von der „Zwiebelkirche“ bzw. „Zwiebelturmkirche“.
Dass es ziemlich am östlichen Rand Altglienicke - gar nicht mehr weit zu den Kirchen in Bohnsdorf und Grünau - ein weiteres Kirchengebäude gibt, hat viel mit örtlicher Siedlungsgeschichte zu tun.
Altglienicke war ein bäuerlich geprägtes märkisches Dorf. Um 1900 herum entstand am Rand der Gemarkung durch die Lage nahe des Bahnhofs Grünau eine Villensiedlung namens Falkenberg, wo sich gut situierte Berliner niederließen. Drumherum waren fern der Dörfer landwirtschaftlich genutzte Flächen. Recht bald folgten an den Rändern des Villenorts Falkenbergs noch zwei Gartenstadtsiedlungen mit der Preußensiedlung und der Bruno-Taut-Siedlung, wo ebenso aus Berlin stammende Arbeiter einzogen. Lange lebten die Altglienicker und die Falkenberger (hier noch einmal in Bürger und Arbeiter geteilt) nebenher. Ein Zustand, der lange nachwirkte, auch wenn beide Siedlungen baulich zusammenwuchsen. Selbst zu DDR-Zeiten verstand man sich rund um die Schirnerstraße vor allem als Falkenberger, weniger als Altglienicker. So gibt es historisch innerhalb des Ortsteils Altglienicke eine weitere Unterteilung mit der Ortslage Falkenberg, die östlich des in den 50er Jahre entstandenen Bahnaußenrings beginnt. Selbst kirchlich spielte das lange Zeit eine Rolle. Es gab zwar auf Altglienicker Boden immer nur eine Kirchengemeinde, aber auch für den Gemeindekirchenrat war eine Hälfte der zu wählenden Vertreter Falkenbergern vorbehalten.
Schon vor dem 1. Weltkrieg bestand bei den evangelischen Christen der Wunsch, neben der Pfarrkirche im Ortskern eine näherliegende Predigtstätte für das eigene Wohngebiet zu erhalten. So wurden ab 1912 im Turnus von zwei Wochen Gottesdienste im Wasserturm in der Schirnerstraße abgehalten. Ziel blieb aber ein eigenes kirchliches Gebäude. Mitte der 30er Jahre konnte schließlich ein Baugrundstück Rose-/ Ecke Preußenstraße gefunden werden. Als Architekt wurde Otto Risse (1898-1989) gewonnen, der zur gleichen Zeit das ähnlich konzipierte Paul-Gerhardt-Gemeindeheim im benachbarten Bohnsdorf realisierte. Der frühere Regierungsbaumeister prägte damals einen neuen Stil von Kirchenbauten, die neben dem Raum für sonntägliche Gottesdienste auch eine alltägliche Nutzbarkeit als multifunktionales Gemeindezentrum boten. Risse bediente sich architektonisch unter Aufnahme von Grundzügen der zuvor prägenden Neuen Sachlichkeit dem sogenannten Heimatschutzstil, einer Stilrichtung der Moderne mit der Blütezeit zwischen 1910 und 1945, die als Weiterentwicklung traditionelle, regionaltypische Bauformen aus dem Historismus stark vereinfacht aufgriff, etwa mittels Elemente wie Holzfachwerk, Rundbögen und Säulen. Der Bau hier knüpfte mit den Feldsteinpilastern am Turm in seiner Form auch an mittelalterliche Dorfkirchen an. Risse baute übrigens nicht nur Kirchen: Er war zuvor Vater des AOK-Gebäudes in der Fennstraße in Niederschöneweide und nach 1945 einer ganzen Reihe von Gebäuden der Moderne rund um den Ernst-Reuter-Platz.
Am 19. Dezember 1937, am 4. Adventssonntag, konnte jedenfalls das Gemeindeheim nach nur acht Monaten Bauzeit eingeweiht werden. Eigentlich war für dieses seitens des Gemeindekirchenrates eine Namensgebung nach dem Kirchenmusiker und Theologen Paul Gerhardt vorgesehen, doch die Bohnsdorfer kamen dem zuvor. Ihr Gebäude am Reihersteg in der Ortslage Falkenhorst wurde einen Monat früher fertig und nannten es entsprechend. So musste eine neue Namensdiskussion geführt werden. Die damals in der Gemeinde vorherrschenden „Deutschen Christen“ setzten letztlich als Kompromiss aus mehreren Vorschlägen zur Namensgebung den Namen des Greifswalder Professors, Schriftstellers und nationalliberalen 1848er Nationalversammlungs-Abgeordneten Ernst Moritz Arndt (1769 – 1860) durch. Während diese in ihm vor allem einen glühenden Patrioten sahen, der „für die Freiheit, die Ehre und die Macht des Deutschen Vaterlandes an erster Front gekämpft“ habe, konnten die anderen in ihm einen tiefgläubigen Christen und Verfasser von evangelischen Kirchenliedern sehen, der zudem unter Verfolgungsdruck gegen gesellschaftliche Ungerechtigkeiten seiner Zeit die Stimme erhob.

Das 1937 eingeweihte Gebäude besteht seither aus einem großen Saal mit etwa 150 Plätzen sowie einem kleinen Versammlungsraum, welcher früher durch aufschiebbare Fensterscheiben (heute sind dort beiderseits Pinnwände) auch als Saalerweiterung dienen konnte. Oberhalb des Eingangsbereiches befindet sich der wuchtige Kirchturm mit einer zwiebelförmigen Haube. Darauf ungewöhnlich, weil eher bei katholischen Kirchen vorkommend, thront ein Hahn (symbolisch für die dreifache Verleugnung Christi durch Petrus vor der Kreuzigung, zugleich Rückgriff auf den bäuerlichen Wetterhahn). Im hinteren Teil des Hauptgebäudes geht rechtwinklig der Nebenflügel ab, der mal für Wohnzwecke eines Gemeindepfarrers entstand. Derzeit wird dieser für Zwecke der Gemeindearbeit genutzt, soll aber perspektivisch einem größeren Neubau weichen.
Das Gemeindeheim überstand den 2. Weltkrieg mit recht geringen Schäden. Allerdings wurde das Gebäude ab Mai 1945 zunächst einmal von der sowjetischen Besatzungsmacht beschlagnahmt. Im gesamten Falkenberger Quartier Rose-, Schirner- und Falkenbrunnstraße mussten damals die Bewohner ihre Häuser räumen, um diese sowjetischen Soldaten zur Verfügung zu stellen. Das Kirchengebäude war in dieser Zeit ein mit Sowjetstern, Stalin-Bild und rote Fahnen geschmücktes Eingangstor. Den Gemeindesaal nutzten die Rotarmisten als Pferdestall. Im August 1947 gaben die Sowjets schließlich den Falkenberg auf und die Häuser gingen zumeist an Altbesitzer zurück. Nach umfangreichen Renovierungsarbeiten infolge von Vandalismusschäden konnte die evangelische Gemeinde, die in der Übergangszeit abermals den Wasserturm nutzte, das Gebäude 1951 wieder in Besitz nehmen. Seit 1951 läutet im Turm auch wieder eine Glocke, nachdem die ursprünglich vorhandenen zwei Glocken 1942 zu Kriegszwecken konfisziert und eingeschmolzen wurden. Die eine Glocke wird heute noch klassisch per Seilzug mit der Hand geläutet. 1964 erfolgte im Inneren der Einbau einer kleinen Orgel der Potsdamer Orgelbaufirma Schuke. Ebenso gab es bauliche Veränderungen, die neben dem Einbau einer Orgelempore auch zur Ergänzung zweier Fenster hinter dem Altar führten. Aus der Sakristei neben dem Altarraum wurde eine kleine Küche. In der Wendezeit 1989/90 spielte das Gemeindeheim eine große Rolle im Rahmen des zivilgesellschaftlichen Engagements und diente unter Prediger Klaus-Dieter Lydike als Versammlungsort des Runden Tisches, wo unter anderem Korrekturen bei dem Bau des Plattenbaugebiets an der Schönefelder Chaussee gefordert wurden. Aus diesem erwuchs später der bis zu seinem Tod im Jahr 2003 stattfindende, monatliche „Gesprächskreis“ mit vielfältigen Themen auch jenseits der Religion zu Kultur, Politik und Geschichte, in dem zahlreiche Prominente als Gesprächspartner fungierten (unter anderem Ignatz Bubis, Regine Hildebrandt, Joachim Gauck, Rainer Eppelmann, Günter Schabowski, Jörg Schönbohm, Wolfgang Thierse). Ein anderes Produkt des Runden Tisches ist der Bürgerverein Altglienicke e.V.
Gottesdienste gibt es in der Rosestraße anders als noch im letzten Jahrzehnt nicht mehr jeden Sonntag. In einem Zugeständnis an personelle Ressourcen und Besucherzahlen wurde die Praxis 9.00 Uhr Pfarrkirche und 10.30 Uhr Gemeindeheim aufgegeben zu einem 14-tägigen Rhythmus um 10.00 Uhr an jeweils einem der beiden Standorte.
Vor über fünf Jahren wurde das Gemeindeheim im Vorgriff auf das 75-jährige Jubiläum der Kirchenweihe umfassend saniert. Seitdem erstrahlt der Zwiebelaufsatz auf dem Turm wieder klassisch kupferfarben. Vor zwei Jahren entstand auf dem hinteren Grundstücksteil ein neues Wohnhaus für den Gemeindepfarrer. In den kommenden Jahren steht dann anstelle des früheren Pfarrerwohnhauses der Neubau eines multifunktionalen Zentrums für die Gemeindearbeit an.
Am Sonntag, den 12. November 2017, wird ab 10.00 Uhr mit einem Festgottesdienst unter der Leitung von Pfarrer Wolfram Geiger das Ereignis 80 Jahre Gemeindeheim gefeiert. Im Anschluss gibt es noch ein Zusammensitzen bei Kaffee und Kuchen. Es ist wohl auch das letzte runde Jubiläum, wo auch noch Zeitzeugen aus der Anfangszeit etwas berichten können. Zwar gibt es einiges an Archivmaterial, aber man musste in Vorbereitung auf das Jubiläum auch feststellen, dass manches unterdessen verloren gegangen ist. So konnten beispielweise in den 60er Jahren unzählige Fotos von der Grundsteinlegung und dem Baugeschehen, aber auch den Jahren danach gezeigt werden, deren Verbleib letztlich unklar blieb. Von denen, die etwas wissen könnten, sind viele leider nicht mehr unter uns. Wer also etwas Interessantes zu 80 Jahre Gemeindeheim mitbringen kann, sollte am 12. November dabei sein. (Text von Joachim Schmidt vom Dörferblick, Danke)

Kosmosviertel - Ein Kiez verbindet!

Foto: Holger Wiegandt; „Hallo Kosmos“ – Planung des Weihnachtsmarkts im Kosmosviertel
Foto: Holger Wiegandt; „Hallo Kosmos“ – Planung des Weihnachtsmarkts im Kosmosviertel

Die Arbeit des Quartiersrats, der Fachämter des Bezirks, der Träger im Kosmosviertel und des Teams vor Ort hat sich gelohnt! Der Masterplan für das Kosmosviertel, das IHEK 2017 – 2019, wurde durch die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt veröffentlicht!

Für die nächsten zwei Jahre haben sich Nachbarinnen und Nachbarn, Träger im Kiez und der Bezirk geeinigt:

Gemeinsam arbeiten wir für ein Kosmosviertel, das sich weiterentwickelt als grünes Wohngebiet am Stadtrand, das

 

  • attraktive Räume zum Erholen und Wohlfühlen bietet,

  • Unterstützung bietet und fördert und

  • in dem es vielfältige Möglichkeiten für alle gibt, am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben.

Um dies zu erreichen soll vor Ort die gemeinsame Verantwortungsübernahme gestärkt werden, in dem alle zusammenarbeiten. Das gemeinsame Ziel ist es einen regelmäßigen Austausch zu ermöglichen und möglichst viele Menschen bei Aktionen, Projekten und Baumaßnahmen in der Planung und Umsetzung miteinzubeziehen. Gemeinsam wollen alle dazu beitragen, dass sich das Kosmosviertel zu einem Quartier im Sinne des Leitbildes entwickelt. Über die Fördermittel des Quartiersmanagement-Verfahren im Kosmosviertel sind dabei drei besonders richtungsweisende Projekte finanziert worden.

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  1. Organisationsberatung für das Bürgerhaus Altglienicke

Das Bürgerhaus Altglienicke gibt es schon viele Jahre. Im Haus kommen vier verschiedene Fachämter des Bezirks mit ihren Einrichtungen und etliche freie Träger von Einrichtungen und Projekten zusammen. Das Bürgerhaus soll sich im Kosmos-viertel als ein Ankerpunkt entwickeln. Ein Ort, wo Menschen gerne zusammen kommen und sich alle wohlfühlen. Das Bürgerhaus soll deshalb stadtteilbezogen, multifunktional und Zielgruppen übergreifend arbeiten können. Es soll die nachbarschaftliche Hilfe und das freiwillige Engagement stärker fördern. Dabei unterstützen die Träger des Projekts durch die Einrichtung und Begleitung eines neuen Steuerungsgremiums.

  1. Hallo Kosmos! Informationen und Aktionen für den Kiez

Viele Anwohner*innen wissen nicht, was im Kosmosviertel und somit ihrem alltäglichen Lebensumfeld, los ist. Sie sollen auf verschiedenen Wegen leichter und schneller erfahren, was aktuell in ihrem Kiez passiert und wie sie daran teilnehmen, mitgestalten und verändern können. Das Info-Leitsystem soll allen Bewohner*innen, Geschäftstreibenden und Akteuren im Gebiet zugutekommen und neue Kontakte und Vernetzungen ermöglichen.

Brandaktuell wird gemeinsam mit den Engagierten des InfoPunkt Altglienicke ein Weihnachtsmarkt zum Mitsingen auf dem "Roten Platz" geplant. Viele Anwohner*innen helfen dabei mit. Das Team des Hallo Kosmos & Kiezband - Projektes zieht teilweise vom Bürgerhaus in die alte Waschmaschinenbörse. An diesem zentralen Standort werden ab sofort Infos ausgehängt und verschiedene Veranstaltungen, wie Infoveranstaltungen, Kinoabende, Nachbarschaftsinitiativen, etc. finden dort statt.

  1. Freiraum gestalten – gemeinsam aktiv werden und Ideen umsetzen

Der öffentliche Raum des Kosmosviertel ist von einem zentralen Grünzug, der sich durch das gesamte Gebiet zieht, sowie durch verschiedene Innenhöfe geprägt, in die Spiel- und Sportplätze integriert sind. Für einen Großteil der Nachbarschaft, darunter sehr unterschiedliche Gruppen, ist der öffentliche Raum ein wichtiger Aufenthaltsort und Treffpunkt.
Von vielen Anwohner*innen besteht der Wunsch einer Aufwertung dieser öffentlichen und halb-öffentli­chen Plätze und Parks, um den Aufenthalt an diesen Orten angenehmer zu gestalten.

Weitere Termine

Sa, 09.12. ab 16 Uhr Weihnachtsmarkt im Kosmosviertel

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Quartiersbüro Kosmosviertel

Quartiersmanagement und BENN-Verfahren
Schönefelder Chaussee 237, 12524 Berlin
Tel:  (030) 77 32 01 95

www.kosmosviertel.de  - team@kosmosviertel.de

 

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Sprechzeiten:

Di. 10 bis 12 Uhr; Mi. 18  bis 20 Uhr

 

Am 10. Dezember findet unser 8. Altglienicker Adventsmarkt rund um die Pfarrkirche wieder statt.

Zum achten Male soll am 10. Dezember, dem 2. Adventssonntag, von 14.00 bis 19.00 Uhr rund um die Pfarrkirche der Altglienicker Adventsmarkt stattfinden. Organisiert wird er wieder gemeinsam vom Bürgerverein Altglienicke e.V. und der evangelischen Kirchengemeinde.
Wie in den Vorjahren werden Essen, Trinken, Kleinkunst, Basteleien-und Geschenkartikel und einiges mehr von zumeist regionalen Institutionen, Vereinen, Selbständigen wie auch Privatpersonen sowie in der Kirche ein Kulturprogramm geboten. Zuletzt gab es über 20 verschiedene Stände. Ein Großteil wird auch diesmal wieder dabei sein. Wer Interesse hat, sich in diesem Jahr mit einem Marktstand oder anderen Angeboten an dem ehrenamtlich getragenen Adventsmarkt zu beteiligen, melde sich bitte beim Vorsitzenden des Altglienicker Bürgervereins, Joachim Schmidt, Tel. 0177-3388022, E-Mail josch030@aol.com.

Bürgerverein Altglienicke e.V. 

Vielen Dank für Ihre Unterstützung geht an:

Der Dörferblick
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FC Spreefighter Berlin
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