Startschuss für Einkaufszentrum an der Siriusstraße

An der Siriusstraße im Kosmosviertel Altglienicke kann endlich gebaut werden. Die alte Planung für das Neubaugebiet sah an dieser Stelle einen DDR-typischen „Dienstleistungswürfel“ vor, bestehend aus einer HO-Kaufhalle, einer HO-Großgaststätte, einer Serostation, einer Reparaturannahmestelle und einen FDJ-Jugendklub. Dann kam 1989/1990 die Wende mit ihren ganzen politischen und wirtschaftlichen Veränderungen. Man entschied zunächst einmal auf Baustopp im Kosmosviertel. Die Wohnungen wurden zwar recht bald weitergebaut, aber nicht der besagte Würfelkomplex. Hier stellte man nur die Kaufhalle fertig, wo ein Kaiser’s Verbrauchermarkt Einzug hielt.

Für den Rest fand sich kein Pächter, bis auf die zeitweise temporäre Nutzung von Gebäudeteilen. Auch politisch war immer gewollt, etwas Zeitgemäßes neu zu errichten. Etliche Bemühungen zum Verkauf scheiterten. Auch eine Gruppe Altglienicker Gewerbetreibender, die ein eigenes Konzept vorlegte, kam nicht zum Zuge. Problematisch für einen Verkauf war eine unter dem Gebäude verlaufende Gasleitung, was nach bundesdeutschem Baurecht unzulässig ist. Diese musste zunächst verlegt werden. Die Frage, wer die Kosten dafür trägt, stand im Raum. Auch der Pächter Kaiser’s musste bei allen Planungen rund um die von ihm genutzte Fläche seine Zustimmung geben. Das Gebäude verfiel zunehmend und verkam immer mehr zur sprichwörtlichen „Momper-Ruine“. Fast zwei Jahrzehnte währte die Debatte über einen Abriss. Ende 2011 war es schließlich soweit, doch auf einen Baubeginn musste man abermals warten. Im Sommer ärgerten sich bei langer Trockenheit Anwohner über gelegentlich zu ihnen herüberziehende Sandstürme. Jetzt soll tatsächlich etwas passieren. Ende Februar 2014 unterzeichneten Bezirksbaustadtrat Rainer Hölmer (SPD) und Walter Momper als Vertreter der Momper Projektentwicklung GmbH einen modifizierten städtebaulichen Vertrag. Er setzt die Rahmenbedingungen für die Errichtung des geplanten Nahversorgungszentrums im Kosmosviertel Altglienicke. Eigentlich war schon 2011 ein solcher ausgehandelt, aber der Vorhabenträger, vertreten durch den ehemaligen Präsidenten des Berliner Abgeordnetenhauses, brachte plötzlich zahlreiche Änderungswünsche und so mussten die Verhandlungen aufs neue fortgeführt werden. Der Vertrag, der Regelungen des Bebauungsplans 9-29 VE ergänz, dient nicht zuletzt auch Voraussetzung für die Erteilung einer Baugenehmigung für das konkrete Projekt. Diese wurde bereits seitens des Bauherren Domos GmbH, vor Ort vertreten durch die Momper Projektentwicklung GmbH, beantragt.

Abrissarbeiten 2011
Abrissarbeiten 2011
2011
2011

 

Das Bezirksamt Treptow-Köpenick sieht dem Baubeginn zuversichtlich entgegen. Bezirksstadtrat Rainer Hölmer begrüßt die Veränderungen in Altglienicke: „Ich freue mich, dass sich die Bauherren nun endlich entschlossen haben, an diesem Standort in die Realisierungsphase überzugehen. Die Neuordnung und Nutzung der seit Jahren vorhandenen Brachfläche beseitigt einen städtebaulichen Missstand und wird dem Quartier gut tun.“ Weiter heißt es: „Mit dem Neubau des Nahversorgungszentrums kann eine Stabilisierung und Funktionsfähigkeit des Ortsteilzentrum Siriusstraße erreicht werden, vorhandenes Entwicklungspotenzial genutzt und insgesamt eine Aufwertung des Ortsteils Altglienicke erzielt werden.“
Überwiegend soll das teilweise zweigeschossige Zentrum für Einzelhandel genutzt werden. Hauptmieter wird die vor Ort bereits ansässige Kaiser’s Tengelmann-Gruppe mit einem Verbrauchermarkt sein. Ergänzt wird der Markt durch einen Discounter und kleinere Ladengeschäfte. Die Einzelhandelseinrichtungen umfassen insgesamt Verkaufsflächen von rund 4.000 Quadratmeter. Zur Siriusstraße sowie zu den angrenzenden Fußgängerbereichen erhält das Gebäude ein Obergeschoss, das vorrangig an Arztpraxen sowie Gesundheitspflegeeinrichtungen vermietet werden soll. Dafür stehen dann Raumflächen mit rund 1.300 Quadratmeter zur Verfügung. Das mit der Bauausführung beauftragte Bayreuther Unternehmen Domos GmbH, ein Teil der Firmengruppe Harry & Michael Krause, war bisher vor allem im sächsich-fränkischen Raum aktiv. Zu den Referenzen zählen Einkaufszentren wie die „Elbgalerie Riesa“, das „Elsthal-Center Luckenwalde“ und der „Shopping-Park Chemnitz“, daneben unzählige Fachmarktzentren und Filialen von Aldi, Lidl, Netto und Norma. In Berlin selber war das seit 30 Jahren bestehende Unternehmen laut eigener Internetpräsenz bisher allein mit dem im Bezirk Mitte befindlichen Fachmarktzentrum Friedrich-Krause-Ufer tätig. Da soll demnächst ein kleines Einkaufszentrum im Neubaugebiet Altglienicke hinzukommen.

Joachim Schmidt

Das "Kosmosviertel" in Altglienicke.

Foto von Herr Kretschmar
Foto von Herr Kretschmar

Ein kleines Berliner Wohngebiet, das in seiner Randlage an der ehemaligen Staats- und heutigen Bezirksgrenze zwischen Treptow und Neukölln nur Wenigen bekannt sein dürfte:


Das "Kosmosviertel" in Altglienicke.


Das noch zu DDR-Zeiten zwischen 1987 und 1990 in Plattenbauweise errichtete Gebiet an der Schönefelder Chaussee wird als Kosmos-Viertel bezeichnet.
Auf den ersten Blick ist das so genannte Kosmos-Viertel in Altglienicke - benannt nach Straßen, die Venus-, Pegasus- oder Siriusstraße heißen - ein Wohnviertel wie viele andere in dieser Stadt. Seine Straßennamen künden von fernen Planeten, Sternen und Sternbildern und sollten vielleicht das kosmonautische Fernweh seiner reisebeschränkten Bewohner in der nach oben offenen Hauptstadt der DDR stillen, zumal sie die Berliner Mauer von den Hochhäusern an der Schönefelder Chaussee aus stets vor Augen hatten. Kosmosviertel klang einfach besser als Wohngebiet 2, und da die zugezogenen Bewohner, die von weither kamen, sich nicht sonderlich integrationsfreudig zeigten und eher großstädtische Anonymität bevorzugten, nannten die Altglienicker sie bald die Außerirdischen.
In den Elf-, Fünf- und Dreigeschossern leben rund 6000 Menschen. Fast alle Häuser wurden zwischen 1989 und 1991 erbaut, die wenigen, die später errichtet wurden, fallen nicht weiter ins Gewicht.

Wenn man mit der S-Bahn in diesen Teil von Altglienicke reist, merkt man gleich, dass man am Stadtrand ist. Endlos weit ziehen sich die Einfamilienhäuser hin, und nur die etwas breiteren Hauptstraßen, auf die man manchmal trifft, helfen bei der Orientierung. Auf einmal aber weitet sich der Weg, und an die Stelle der Eigenheime tritt eine Plattenbauzeile, die sich stufenweise von drei auf sechs Geschosse erhebt, um den Wechsel der Bebauung dem Auge sanfter zu machen. Die Variation der Bauhöhe setzt sich im Laufe des Wohngebiets, das seine Bezeichnung von den nach Himmelskörpern benannten Straßen hat, immer weiter fort bis zu den elfgeschossigen Scheibenbauten, die die Höhendominanten des Viertels bilden. Unglaublich eigentlich, dass zu einer Zeit, als die Großsiedlung Berlin-Hellersdorf mit fast durchgängig fünfgeschossiger Bebauung errichtet wurde, in diesem kleinen Wohngebiet noch immer solche Hochhäuser emporschossen.
Die aus hellgrauen und braunen, mit Klinkermustern verzierten Betonplatten bestehenden Fassaden sind glücklicherweise auch noch zu großen Teilen nicht saniert worden und haben das augenscheinlich auch gar nicht nötig. Im Wohngebietszentrum sind in die Erdgeschosse Ladenzeilen eingebaut, so dass eine kleine Flaniermeile entsteht, die einzige wirklich urbane Zone inmitten der weitgestreckten, ausschließlich dem Wohnen vorbehaltenen Fläche von Altglienicke - der Ort wird sozusagen vom Rande her urbanisiert.


Gewiss haben inzwischen Kindergärten, Schulen, Jugendtreffs, ein Kinderzirkus, das Bürgerhaus mit seinen sozialen, kulturellen und kirchlichen Angeboten oder der neue Landschaftspark ein wenig zum Wurzelschlagen beigetragen und bei den Sesshaften auch ein Heimatgefühl entwickeln können. Ob die oft wechselnden Einzelhändler und Restaurantinhaber, die Senioren und Pflegeheime oder die Supermärkte auch daran teilhaben, bleibt offen. Da müssten wir die zwischen den Bauwagen spielenden Kinder von damals oder deren Kinder befragen, die heute vielleicht Hundekot und Invest-Ruine, Zigarettnamesen und Neonazis stinknormal finden.
Das Zentrum dieser Altglienicker Satellitenstadt hatten die DDR- Stadtplaner 1988 mit einer Kaufhalle, einer HO-Großgaststätte, einer Stadtteilbibliothek und einer Schwimmhalle an der Siriusstraße vorgesehen. Dazu ein Grünzug als Park an der Venusstraße, der an Spielplätzen vorbei in eine als Fußgängerzone angelegte Ladenstraße übergeht und über die Siriusstraße hinaus das gesamte Neubaugebiet durchzieht und an der Uranusstraße endet. Neben den Park ein Altenheim und eine zweite Kaufhalle, Schulen und Kindertagesstätten in geschützten Bereichen. Die Wohnbauten wurden rechtwinklig zu einander gestellt, denn der Kran und der vorgegebende Bauetat diktierten die Gestaltung des umfangreichen Bauvorhabens. Der Großplattenbaukasten ließ wenig Spielraum für Varianten.


Entstehung der Wohnhäuser an der Venusstraße.Diese beiden Bilder wurden von Herrn Lenz zur Verfügung gestellt. Vielen Dank (Auf dem ersten Bild sehen sie den 11-Geschosser in der Venustr. mit ehemaligem Konsum (heute Edeka) und auch noch ohne Grünanlage m
Entstehung der Wohnhäuser an der Venusstraße.Diese beiden Bilder wurden von Herrn Lenz zur Verfügung gestellt. Vielen Dank (Auf dem ersten Bild sehen sie den 11-Geschosser in der Venustr. mit ehemaligem Konsum (heute Edeka) und auch noch ohne Grünanlage m
Entstehung der Wohnhäuser an der Ortolfstraße
Entstehung der Wohnhäuser an der Ortolfstraße

Einige Bauten an der Schönefelder Chaussee sind noch im ursprünglichen DDR Design erhalten. Wilder Wein schmückt ihre Fassaden und erklimmt inzwischen das achte Stockwerk. Mit hellblauem oder hellgrünem Fassadenanstrich heben sich die abgestuften Wohnquartiere an der Venusstraße deutlich davon ab. Sie wurden in der Obhut der Wohnungsbau-Genossenschaft Altglienicke e.G. komfortabel modernisiert und erhielten verglaste Loggien und überdachte Eingänge. Auch zur Siriusstraße hin hat sich das Bild durch neue Fassadengestaltung wesentlich verändert und verbessert.
Die zur Wendezeit fertiggestellte Kaufhalle wurde in einen Kaiser,s Verbrauchermarkt verwandelt. Die günstige Zufahrt an der Schönefelder Chaussee nutzten inzwischen weitere Supermärkte.
An der Ecke Rheingoldstraße, die den Namen eines bei einem Fluchtversuch an der Berliner Mauer Erschossenen erhielt und seit 2009 Lutz-Schmidt-Straße heißt enden die Altglienicker Siedlungen an der Schönefelder Chaussee. Dann folgt der neue Landschaftspark Rudow-Altglienicke und die Autobahn. An der Uranusstraße ist die Ortsgrenze und damit die Berliner Stadtgrenze erreicht. Einige Meter weiter an Wehrmathen vorbei befindet sich die Autobahn. Dort an dieser Stelle überspannt eine mehrspurige von mächtigen Säulen getragene Brückenkontruktion unseren einstigen alten Schönefelder Weg mit den Autobahnauf- und -abfahrten Schönefeld Nord als imposantes "Tor nach Altglienicke".
Nach 1990 entstanden als weitere Neubaugebiete das Kölner Viertel, das Ärztinnenviertel und das Anne-Frank-Carée. Die Namen nehmen Bezug auf die in den Vierteln vorherrschenden Straßennamen.

Bilder zum Kosmosviertel