Am Falkenberg feiert man Geburtstag: 80 Jahre Ernst-Moritz-Arndt-Gemeindeheim

November 2017: Fast überall in Deutschland steht inmitten der historisch gewachsenen Ortskerne eine Kirche. Das ist auch in Altglienicke nicht anders, wo sich die 1895 anstelle der alten Dorfkirche errichtete Pfarrkirche in die Höhe erhebt. In Altglienicke sind wir mit Kirchengebäuden reich gesät. Ganze vier gibt es. Zwei der Bauten wirken zwischen Einfamilienhäusern etwas versteckt, so ohne Kirchturm, die katholische Kirche „Maria Hilf“ an der Cimbernstraße oder die neuapostolische Kirche in der Falkenbrunnstraße. Die evangelische Kirchengemeinde Altglienicke verfügt neben der Pfarrkirche sogar über einen zweiten Standort an der Rosestraße 42. Hier befindet sich seit nunmehr 80 Jahren das Ernst-Moritz-Arndt-Gemeindeheim. Wobei die Langversion des Namens seltener Verwendung findet. Meist spricht man kurz vom Gemeindeheim oder im Volksmund von der „Zwiebelkirche“ bzw. „Zwiebelturmkirche“.
Dass es ziemlich am östlichen Rand Altglienicke - gar nicht mehr weit zu den Kirchen in Bohnsdorf und Grünau - ein weiteres Kirchengebäude gibt, hat viel mit örtlicher Siedlungsgeschichte zu tun.
Altglienicke war ein bäuerlich geprägtes märkisches Dorf. Um 1900 herum entstand am Rand der Gemarkung durch die Lage nahe des Bahnhofs Grünau eine Villensiedlung namens Falkenberg, wo sich gut situierte Berliner niederließen. Drumherum waren fern der Dörfer landwirtschaftlich genutzte Flächen. Recht bald folgten an den Rändern des Villenorts Falkenbergs noch zwei Gartenstadtsiedlungen mit der Preußensiedlung und der Bruno-Taut-Siedlung, wo ebenso aus Berlin stammende Arbeiter einzogen. Lange lebten die Altglienicker und die Falkenberger (hier noch einmal in Bürger und Arbeiter geteilt) nebenher. Ein Zustand, der lange nachwirkte, auch wenn beide Siedlungen baulich zusammenwuchsen. Selbst zu DDR-Zeiten verstand man sich rund um die Schirnerstraße vor allem als Falkenberger, weniger als Altglienicker. So gibt es historisch innerhalb des Ortsteils Altglienicke eine weitere Unterteilung mit der Ortslage Falkenberg, die östlich des in den 50er Jahre entstandenen Bahnaußenrings beginnt. Selbst kirchlich spielte das lange Zeit eine Rolle. Es gab zwar auf Altglienicker Boden immer nur eine Kirchengemeinde, aber auch für den Gemeindekirchenrat war eine Hälfte der zu wählenden Vertreter Falkenbergern vorbehalten.
Schon vor dem 1. Weltkrieg bestand bei den evangelischen Christen der Wunsch, neben der Pfarrkirche im Ortskern eine näherliegende Predigtstätte für das eigene Wohngebiet zu erhalten. So wurden ab 1912 im Turnus von zwei Wochen Gottesdienste im Wasserturm in der Schirnerstraße abgehalten. Ziel blieb aber ein eigenes kirchliches Gebäude. Mitte der 30er Jahre konnte schließlich ein Baugrundstück Rose-/ Ecke Preußenstraße gefunden werden. Als Architekt wurde Otto Risse (1898-1989) gewonnen, der zur gleichen Zeit das ähnlich konzipierte Paul-Gerhardt-Gemeindeheim im benachbarten Bohnsdorf realisierte. Der frühere Regierungsbaumeister prägte damals einen neuen Stil von Kirchenbauten, die neben dem Raum für sonntägliche Gottesdienste auch eine alltägliche Nutzbarkeit als multifunktionales Gemeindezentrum boten. Risse bediente sich architektonisch unter Aufnahme von Grundzügen der zuvor prägenden Neuen Sachlichkeit dem sogenannten Heimatschutzstil, einer Stilrichtung der Moderne mit der Blütezeit zwischen 1910 und 1945, die als Weiterentwicklung traditionelle, regionaltypische Bauformen aus dem Historismus stark vereinfacht aufgriff, etwa mittels Elemente wie Holzfachwerk, Rundbögen und Säulen. Der Bau hier knüpfte mit den Feldsteinpilastern am Turm in seiner Form auch an mittelalterliche Dorfkirchen an. Risse baute übrigens nicht nur Kirchen: Er war zuvor Vater des AOK-Gebäudes in der Fennstraße in Niederschöneweide und nach 1945 einer ganzen Reihe von Gebäuden der Moderne rund um den Ernst-Reuter-Platz.
Am 19. Dezember 1937, am 4. Adventssonntag, konnte jedenfalls das Gemeindeheim nach nur acht Monaten Bauzeit eingeweiht werden. Eigentlich war für dieses seitens des Gemeindekirchenrates eine Namensgebung nach dem Kirchenmusiker und Theologen Paul Gerhardt vorgesehen, doch die Bohnsdorfer kamen dem zuvor. Ihr Gebäude am Reihersteg in der Ortslage Falkenhorst wurde einen Monat früher fertig und nannten es entsprechend. So musste eine neue Namensdiskussion geführt werden. Die damals in der Gemeinde vorherrschenden „Deutschen Christen“ setzten letztlich als Kompromiss aus mehreren Vorschlägen zur Namensgebung den Namen des Greifswalder Professors, Schriftstellers und nationalliberalen 1848er Nationalversammlungs-Abgeordneten Ernst Moritz Arndt (1769 – 1860) durch. Während diese in ihm vor allem einen glühenden Patrioten sahen, der „für die Freiheit, die Ehre und die Macht des Deutschen Vaterlandes an erster Front gekämpft“ habe, konnten die anderen in ihm einen tiefgläubigen Christen und Verfasser von evangelischen Kirchenliedern sehen, der zudem unter Verfolgungsdruck gegen gesellschaftliche Ungerechtigkeiten seiner Zeit die Stimme erhob.

Das 1937 eingeweihte Gebäude besteht seither aus einem großen Saal mit etwa 150 Plätzen sowie einem kleinen Versammlungsraum, welcher früher durch aufschiebbare Fensterscheiben (heute sind dort beiderseits Pinnwände) auch als Saalerweiterung dienen konnte. Oberhalb des Eingangsbereiches befindet sich der wuchtige Kirchturm mit einer zwiebelförmigen Haube. Darauf ungewöhnlich, weil eher bei katholischen Kirchen vorkommend, thront ein Hahn (symbolisch für die dreifache Verleugnung Christi durch Petrus vor der Kreuzigung, zugleich Rückgriff auf den bäuerlichen Wetterhahn). Im hinteren Teil des Hauptgebäudes geht rechtwinklig der Nebenflügel ab, der mal für Wohnzwecke eines Gemeindepfarrers entstand. Derzeit wird dieser für Zwecke der Gemeindearbeit genutzt, soll aber perspektivisch einem größeren Neubau weichen.
Das Gemeindeheim überstand den 2. Weltkrieg mit recht geringen Schäden. Allerdings wurde das Gebäude ab Mai 1945 zunächst einmal von der sowjetischen Besatzungsmacht beschlagnahmt. Im gesamten Falkenberger Quartier Rose-, Schirner- und Falkenbrunnstraße mussten damals die Bewohner ihre Häuser räumen, um diese sowjetischen Soldaten zur Verfügung zu stellen. Das Kirchengebäude war in dieser Zeit ein mit Sowjetstern, Stalin-Bild und rote Fahnen geschmücktes Eingangstor. Den Gemeindesaal nutzten die Rotarmisten als Pferdestall. Im August 1947 gaben die Sowjets schließlich den Falkenberg auf und die Häuser gingen zumeist an Altbesitzer zurück. Nach umfangreichen Renovierungsarbeiten infolge von Vandalismusschäden konnte die evangelische Gemeinde, die in der Übergangszeit abermals den Wasserturm nutzte, das Gebäude 1951 wieder in Besitz nehmen. Seit 1951 läutet im Turm auch wieder eine Glocke, nachdem die ursprünglich vorhandenen zwei Glocken 1942 zu Kriegszwecken konfisziert und eingeschmolzen wurden. Die eine Glocke wird heute noch klassisch per Seilzug mit der Hand geläutet. 1964 erfolgte im Inneren der Einbau einer kleinen Orgel der Potsdamer Orgelbaufirma Schuke. Ebenso gab es bauliche Veränderungen, die neben dem Einbau einer Orgelempore auch zur Ergänzung zweier Fenster hinter dem Altar führten. Aus der Sakristei neben dem Altarraum wurde eine kleine Küche. In der Wendezeit 1989/90 spielte das Gemeindeheim eine große Rolle im Rahmen des zivilgesellschaftlichen Engagements und diente unter Prediger Klaus-Dieter Lydike als Versammlungsort des Runden Tisches, wo unter anderem Korrekturen bei dem Bau des Plattenbaugebiets an der Schönefelder Chaussee gefordert wurden. Aus diesem erwuchs später der bis zu seinem Tod im Jahr 2003 stattfindende, monatliche „Gesprächskreis“ mit vielfältigen Themen auch jenseits der Religion zu Kultur, Politik und Geschichte, in dem zahlreiche Prominente als Gesprächspartner fungierten (unter anderem Ignatz Bubis, Regine Hildebrandt, Joachim Gauck, Rainer Eppelmann, Günter Schabowski, Jörg Schönbohm, Wolfgang Thierse). Ein anderes Produkt des Runden Tisches ist der Bürgerverein Altglienicke e.V.
Gottesdienste gibt es in der Rosestraße anders als noch im letzten Jahrzehnt nicht mehr jeden Sonntag. In einem Zugeständnis an personelle Ressourcen und Besucherzahlen wurde die Praxis 9.00 Uhr Pfarrkirche und 10.30 Uhr Gemeindeheim aufgegeben zu einem 14-tägigen Rhythmus um 10.00 Uhr an jeweils einem der beiden Standorte.
Vor über fünf Jahren wurde das Gemeindeheim im Vorgriff auf das 75-jährige Jubiläum der Kirchenweihe umfassend saniert. Seitdem erstrahlt der Zwiebelaufsatz auf dem Turm wieder klassisch kupferfarben. Vor zwei Jahren entstand auf dem hinteren Grundstücksteil ein neues Wohnhaus für den Gemeindepfarrer. In den kommenden Jahren steht dann anstelle des früheren Pfarrerwohnhauses der Neubau eines multifunktionalen Zentrums für die Gemeindearbeit an.
Am Sonntag, den 12. November 2017, wird ab 10.00 Uhr mit einem Festgottesdienst unter der Leitung von Pfarrer Wolfram Geiger das Ereignis 80 Jahre Gemeindeheim gefeiert. Im Anschluss gibt es noch ein Zusammensitzen bei Kaffee und Kuchen. Es ist wohl auch das letzte runde Jubiläum, wo auch noch Zeitzeugen aus der Anfangszeit etwas berichten können. Zwar gibt es einiges an Archivmaterial, aber man musste in Vorbereitung auf das Jubiläum auch feststellen, dass manches unterdessen verloren gegangen ist. So konnten beispielweise in den 60er Jahren unzählige Fotos von der Grundsteinlegung und dem Baugeschehen, aber auch den Jahren danach gezeigt werden, deren Verbleib letztlich unklar blieb. Von denen, die etwas wissen könnten, sind viele leider nicht mehr unter uns. Wer also etwas Interessantes zu 80 Jahre Gemeindeheim mitbringen kann, sollte am 12. November dabei sein. (Text von Joachim Schmidt vom Dörferblick, Danke)

Maria-Hilf-Kapelle

Das Gemeindeheim der katholischen Kirchgemeinde fällt nicht gleich ins Auge. Es versteckt sich hinter Bäumen auf dem Grundstück Cimbernstraße 2. Einem von Herrn Pfarrer Ewald Urbanski veröffentlichten Artikel ist zu entnehmen: ›Nach der Reformation begann katholisches Leben in Altglienicke erst ­wieder, als im Jahr 1927 der damalige Pfarrer Alfred Brinkmann – ein Urberliner ­Original – die Anregung zur Gründung eines Kirchenbauvereins für Altglienicke gab. Der Verein hielt seine monatlichen Sitzungen und gesellschaftlichen Veranstaltungen im Deutschen Haus ab, der Gaststätte in der Grünauer Straße. Groschen für Groschen wurde zusammengetragen, und am 12. 9. 1937 konnte die kleine katholische Kirche in der Cimbernstraße geweiht werden. Sie trägt den Titel ›Maria Hilf‹. Im Dezember des gleichen Jahres wurde der erste Gottesdienst gefeiert. Seit 1989 befindet sich auf dem angrenzenden Grundstück, vom Lianenweg aus zugänglich, das Pfarrhaus mit Gemeinderäumen.‹ Spaziert man mittwochnachmittags, sonntagvormittags oder sonntagnach­mittags die Falkenbrunnstraße entlang, dann parken am oberen Ende auffallend viele Autos. Die meisten gehören zu den Gemeindemitgliedern der Neuapostolischen ­Kirche. Sie feiern zu diesen Zeiten ihre Gottesdienste. Das Haus Nr. 10 ist ihr Gemeindeheim, es wurde 1938 erbaut. Die Altglienicker Gemeinde, aus der Adlershofer hervorgegangen, besteht seit 1926. Die Gemeindmitglieder trafen sich anfangs im ehemaligen Pferdestall des Hauses Falkenbrunnstraße 14. So festlich gekleidet die Gemeindemitglieder zum Kirchgang gehen, so gepflegt sieht auch ihr Gemeindeheim aus. Die einmal im Ort vorhanden gewesene Baptistengemeinde hat sich einer anderen Gemeinde angeschlossen. Ihr Betsaal befand sich im Hof des Grundstücks Grünauer Straße 4. Das Gemeindeheim der katholischen Gemeinde ist etwas versteckt hinter Bäumen und fällt nicht gleich ins Auge. Seit 1989 befindet sich auf dem angrenzenden Grundstück, vom Lianenweg aus zugänglich, das Pfarrhaus mit den Gemeineräumen.

Neuapostolische Gemeinde

Die neuapostolische Gemeinde befindet sich in der Falkenbrunnstraße 10. Das Haus Nr.10 ist ihr Gemeindehaus und wurde im Jahre 1938 erbaut. Die Altglienicker Gemeinde, aus der Adlershofer hervorgegangen, besteht seit 1926. Die Gemeindemitglieder trafen sich anfangs im ehemaligen Pferdestall des Hauses Falkenbrunnstraße 14. Gottesdienste finden Mittwochs und Sonntags statt.

Die Zwiebelturmkirche

Die Kirche auf dem Falkenberg


Die Ausdehnung des Ortes nach Süden und Osten zu Beginn des 20. Jahrhunderts machte es erforderlich, den Gläubigen auf dem Falkenberg die Möglichkeit zu geben, den Gottesdienst ohne langen Fußmarsch zu besuchen. 25 Jahre lang ab 1912 wurde im Wasserturm in der Schirnerstraße 14tägig Gottesdienst gehalten. 1937 war das Gemeindeheim in der Rosestraße, die sogenannte Zwiebelturmkirche, fertiggestellt. (Der Turmaufsatz sieht wie eine Zwiebel aus.) Dem für diese Periode der deutschen Geschichte charakteristischen Zeitgeist entsprechend, erhielt es den Namen Ernst-Moritz-Arndt-Gemeindeheim. Baumeister war Otto Risse. Das Gemeindeheim besitzt seit 1964 eine kleine Orgel der Firma Schuke aus Potsdam, es bietet 120 bis 150 Besuchern Platz.
Während der Besatzungszeit nach Ende des zweiten Weltkriegs wurde es durch die Rote Armee zweckentfremdet genutzt. 1951 fand die feierliche Neueinweihung als evangelisches Gemeindeheim statt. Seit dieser Zeit läutet im Turm auch wieder eine Glocke. Ursprünglich waren es zwei, die aber während des Krieges eingeschmolzen wurden.
Einen Namen hat sich die Zwiebelturmkirche als Versammlungsort des ›Runden Tisches‹ in der Wendezeit 1989/90 gemacht. Interessant und stets gut besucht ist der einmal im Monat stattfindende ›Gesprächskreis‹, eine Veranstaltung mit vielfältigen Themen zu Fragen nicht nur der Religion, sondern der Geschichte, der Kultur, der Völkerverständigung, des friedlichen Lebens miteinander. Initiator und Leiter ist der Seelsorger Klaus-Dieter Lydike.

75 Jahre Ernst-Moritz-Arndt-Gemeindeheim – die Zwiebelturmkirche an der Rosestraße feiert Geburtstag

Mit Kirchengebäuden ist Altglienicke reich gesät. Ganze vier gibt es davon, nebst den beiden etwas versteckt liegenden Häusern römisch-katholischer (Lianenweg) und eine neuapostolischer Konfession (Falkenbrunnstraße) sogar ganze zwei evangelische. Neben der im Ortskern dominierenden Pfarrkirche, die 1894/95 anstelle einer alten Dorfkirche von 1759 (und auch die hatte Vorgänger) mit Platz für 800 Menschen errichtet wurde, gibt es in der Rosestraße 42 noch ein Gemeindeheim, welches nach seiner charakteristischen Turmform im Volksmund auch „Zwiebelkirche“ oder „Zwiebelturmkirche“ genannt wird und noch mal zusätzlich 150 Personen Platz bietet.. Betrachtet man die heutige geographische Ausdehnung Altglienickes, wo sich der Ortskern ganz im Norden nahezu an die Ortsgrenze zu Adlershof schmiegt, es aber noch weit südlich runter geht bis zur Grenze Schönefeld, fragt man sich manchmal, warum nur dieser Standort an der Rosestraße. Er ist zwar praktisch der einzige mit quasi S-Bahn-Anschluss, der Bahnhof Altglienicke ist um die Ecke, aber das ist ja nur für Menschen interessant, die zwischen Innenstadt und Schönefeld unterwegs sind, nicht für den Besucher aus Altglienicke selber. Denn der bleibt bei seinem Besuch des Gemeindehauses auf Busse, Auto, Fahrrad oder seine Füße angewiesen. Vor allem ist vom S-Bahnhof Altglienicke aus der Weg zur Dorfkirche Bohnsdorf ja auch gar nicht so weit. Aber das ist eben eine andere Gemeinde. Regionale Abgrenzungen prägen bauliche Entwicklungen. Heute würde mancher gerne das ganze Grundstück mitsamt Gemeindeheim irgendwo Richtung der Neubaugebiete verschoben sehen, südlich der Wegedornstraße, wo heute jeder zweite Altglienicker wohnt. Geht aber nun nicht mehr zu ändern. Mit heute immerhin noch 3.200 Mitgliedern gehört die evangelische Kirchengemeinde Altglienicke zwar zu den größten Gemeinden in Treptow-Köpenick, aber wo es schon manchmal nicht einfach ist zwei Predigtstätten finanziell zu unterhalten, wird es in Zeiten, wo die Zahl der Gottesdienstbesucher überschaubar ist, sicher kein drittes Kirchengebäude für den Ortsteil geben. Vor rund 100 Jahren war das anders. Die Entwicklung Altglienickes konzentrierte sich an der verkehrlichen Achse zwischen Rudow und Bohnsdorf / Grünau. Südlich davon ging es bergauf zum Höhenzug des Teltow, der damals fast ausschließlich von Ackerflächen bestimmt war. Irgendwann wurden die zu Altglienicke zählenden Hangkantenlagen in Nähe zum Bahnhof Grünau interessant für neue Bebauung. Mit der geographischen Ausdehnung Altglienickes in Richtung Falkenberg verband sich schon vor dem 1. Weltkrieg eine gewisse Verlagerung von Teilen der Gemeinde in diese Richtung, so dass neben der Pfarrkirche im Dorfkern als Hauptkirche der Wunsch nach einer näherliegenden Predigtstätte für das neue Wohngebiet aufkam. So wurden dann ab 1912 im Turnus von zwei Wochen Gottesdienste im Wasserturm in der Schirnerstraße abgehalten. Ziel blieb aber ein eigenes kirchliches Gebäude. Mitte der 30er Jahre konnte schließlich dann ein Baugrundstück Rose-/ Ecke Preußenstraße gefunden werden, um die zweite Predigtstätte zu verwirklichen. Als Architekt wurde Otto Risse gewonnen, der zur gleichen Zeit das ähnlich konzipierte Paul-Gerhardt-Gemeindeheim im benachbarten Bohnsdorf realisierte. Otto Risse (1898 – 1989) ist übrigens u.a. auch Vater des AOK-Gebäudes in der Fennstraße in Niederschöneweide und einer ganzen Reihe von in der Nachkriegszeit entstanden Gebäuden rund um den Ernst-Reuter-Platz, aber auch der Freien Universität Berlin).
Am 19. Dezember 1937, am 4. Adventssonntag, konnte das Gemeindeheim nach nur acht Monaten Bauzeit eingeweiht werden. Eigentlich war auch für dieses seitens des Gemeindekirchenrates eine Namensgebung nach dem Kirchenmusiker und Theologen Paul Gerhardt vorgesehen, doch die Bohnsdorfer waren etwas schneller. Ihr Gebäude am Reihersteg in der Ortslage Falkenhorst wurde letztlich ja auch einen Monat früher fertig. So musste eine neue Namensdiskussion geführt werden. Die damals in der Gemeinde vorherrschenden Deutschen Christen setzten als letztlichen Kompromiss aus mehreren Vorschläge zur Namensgebung den Namen des Greifswalder Professors, Schriftstellers  und 1848er Nationalversammlungs-Abgeordneten Ernst Moritz Arndt (1769 – 1860) durch, sahen sie doch in ihm den Patrioten und Verfechter völkischer Ideen, während andere ihn als gläubigen Christen und Verfasser von evangelischen Kirchenliedern betrachteten. Eine Diskussion, die vor kurzem nochmals geführt wurde, ob der Name Ernst Moritz Arndt nach einem Dreivierteljahrhundert bleiben solle. Befürworter wie Gegner fanden aber keine Mehrheit in die eine oder andere Richtung. In der Regel wird aber ohnehin seit eh und je nur vom „Gemeindeheim“ gesprochen, auch wenn selbst die DDR sich nicht mit Ernst Moritz Arndt schwer tat, trug doch die Greifswalder Universität durch die ganze Zeit seinen Namen bis auch heute. Wie es auch eine Ernst-Moritz-Arndt-Verdienstmedaille gab, die diesen als Kämpfer gegen Feudalismus und für Freundschaft mit Russland würdigte. Das 1937 eingeweihte Gebäude besteht zumindest bis heute aus einem großen Raum für Gottesdienste u. ä. sowie einem kleinen Raum für kleinere Versammlungen. Oberhalb des Eingangsbereiches befindet sich der Kirchturm mit einer zwiebelförmigen Haube. Im hinteren Teil des Hauptgebäudes geht rechtwinklig der Nebenflügel ab für Wohnzwecke (vorgesehen für einen Gemeindepfarrer). Das Gemeindeheim überstand den 2. Weltkrieg mit recht geringen Schäden. Allerdings wurde das Gebäude dann vorübergehend ab 1945 von der sowjetischen Besatzungsmacht beschlagnahmt und für deren Zwecke genutzt. Womöglich mag der zwiebelförmige Turmaufsatz manche ja auch an die russische Heimat erinnert haben. In jedem Fall wurde das gesamte Quartier mit Rose-, Schirner- und Falkenbrunnstraße zwischen Germanenstraße und Am Falkenberg als Lager für sowjetische Soldaten abgesperrt. Die Kirche war in dieser Zeit ein mit Sowjetstern, Stalin-Bild und rote Fahnen geschmücktes Eingangstor. Im August 1947 gaben die Sowjets den Falkenberg auf und die meisten Häuser ihren Altbesitzern zurück. Nach umfangreichen Renovierungsarbeiten konnte die evangelische Gemeinde schließlich das Gebäude 1951 erneut in ihren Besitz nehmen. Seit 1951 läutet im Turm auch wieder eine Glocke, nachdem die ursprünglich vorhandenen zwei Glocken während des 2. Weltkrieges eingeschmolzen wurden. Die eine Glocke wird bis heute noch klassisch per Seilzug mit der Hand geläutet. 1964 erfolgte im Inneren der Einbau einer kleinen Orgel der Potsdamer Orgelbaufirma Schuke.
In der Wendezeit 1989/90 spielte das Gemeindeheim eine große Rolle im Rahmen des zivilgesellschaftlichen Engagements und diente unter Prediger Klaus-Dieter Lydike als Versammlungsort des Runden Tisches, wo unter anderem Korrekturen bei dem Bau des Plattenbaugebiets an der Schönefelder Chaussee gefordert wurden. Aus diesem erwuchs später der bis zu seinem Tod im Jahr 2003 stattfindende, monatliche „Gesprächskreis“ mit vielfältigen Themen auch jenseits der Religion zu Kultur, Politik und Geschichte, in dem zahlreiche Prominente als Gesprächspartner fungierten (unter anderem Ignatz Bubis, Regine Hildebrandt, Joachim Gauck, Rainer Eppelmann, Günter Schabowski, Jörg Schönbohm, Hans-Peter von Kirchbach, Wolfgang Thierse). Ein anderes Produkt des Runden Tisches ist der Bürgerverein Altglienicke e.V.
Gottesdienste gibt es in der Rosestraße anders als früher nicht mehr jeden Sonntag. In einem Zugeständnis an die Besucherzahlen wurde die Praxis 9.00 Uhr Pfarrkirche und 10.30 Uhr Gemeindeheim aufgegeben zu einem 14-tägigen Rhythmus um 10.00 Uhr an jeweils einem der beiden Standorte.
Im vergangenen Jahr wurde trotz alledem nun das Gemeindeheim im Vorgriff auf das 75-jährige Jubiläum der Kirchenweihe umfassend an seiner äußeren Hülle saniert. Auch im Inneren gibt es noch weitergehende Planungen, z.B. wie man Räume multifunktionaler für die Gemeindearbeit nutzen kann. Der Seitenflügel soll wieder Pfarrerwohnung werden, eventuell mit zusätzlichen Räumen für die Gemeindearbeit.
Nun wurde am 11. November 2012 um 10.00 Uhr mit einem Festgottesdienst das Ereignis 75 Jahre Gemeindeheim würdig gefeiert.


(Dieser Text wurde von Joachim Schmidt (die Zeitung "Der Dörferblick" zur Verfügung gestellt. Vielen Dank)