Altglienicker Wasserwerk mit dem markanten Wasserturm

In der Schirnerstr. 19 befindet sich der Altglienicker Wasserturm. Der Wasserturm sowie das Wasserwerk entstand im Jahre 1905 und 1906 nach den Plänen des Düsseldorfer Architekten Heinrich Scheven. Der Turm ist 38,55 m hoch und er entstand in gotisierenden Formen mit rotem Ziegelmauerwerk. Er enthält im oberen Teil einen 60 Kubikmeter großen Wasserkessel. Im Innern ist er erschlossen durch das Sockelgeschoss, vier durch Holzfußböden eingezogenen Zwischenebenen und ein steinernes Obergeschoss, mit einer Treppe verbunden, über dem der Wasserkessel angeordnet ist. Im Inneren befindet sich eine Röhre, mit einer führenden Wendeltreppe zum derzeit nicht existenten Dachgeschoss.
Aus den Gemeinden Adlershof, Altglienicke und Grünau bildete sich im Jahre 1904 ein Wasserversorgungsverband um die Infrastruktur zu verbessern. An der Straße "Am Falkenberg" fand man ein geeignetes Gebiet, um das gemeinsame Wasserwerk mit dem markanten Wasserturm zu errichten. Der Wasserturm wurde im Zuge der Einrichtung des Wasserwerks errichtet, um den nötigen Wasserdruck für die Wasserleitungen aufzubringen. Diese Wasserleitungen führten von der Nordseite des Falkenberg ins nordöstliche Adlershof und südöstliche Grünau.
Der Wasserturm sowie das Wasserwerk wurden bei der Errichtung noch auf freien Feld aufgebaut. Die Bevölkerung in Altglienicke wuchs mit dem Bau des Teltowkanal so rasant an, so das weitere Siedlungsgebiete am Falkenberg ausgewiesen wurden und im Jahre 1920 der Wasserturm schon vollständig umstanden ist.
Da die Bevölkerung am Falkenberg zunahm und die Pfarrkirche Altglienicke zu weit weg war, wurde ab dem Jahre 1912 bis 1937 der Wasserturm (Sockelgeschoss) regelmäßig für Gottesdienste der evangelischen Gemeinde genutzt. Im Jahre 1920 wurde die Straßenbahn (erbaut 1909 siehe Tram) bis zum Wasserturm am Falkenberg verlängert. So entwickelte sich der Wasserturm zum markanten Wahrzeichen des Ortsteils Altglienicke.


In den Jahren um 1940 wurde der Wasserturm in seiner eigentlichen Funktion außer Betrieb gesetzt. Er wurde weiter für Lagerzwecke verwendet. Er diente den städtischen Wasserbetrieben. Von 1945 bis 1951 wurde der Wasserturm noch einmal für evangelische Gottesdienste genutzt, da das Gemeindeheim bis zur Wiedereinweihung nach dem Krieg nicht nutzbar war.
Im Jahr 1956 wurde der Wasserturm (Kessel) endgültig außer Betrieb genommen.
Ab dem Jahr 1993 übernahm der Bezirk Treptow den Wasserturm von den Berliner Wasserbetrieben mit der Zielsetzung dort ein soziokulturelles Zentrum zu errichten. Auf Grund der hohen Kosten (Sanierungsbedarf) wurden die Pläne fallen gelassen und es wurde ein privater Investor gesucht. Im Jahre 1999 wurde der Wasserturm an einen Bauunternehmer verkauft, der dort eine Nutzung als Wohnung, Büroräume und einen öffentlichen Bereich als Galerie und ein Cafe einrichten wollte. Im Jahre 2002 konnte der Wasserturm erstmals von der Öffentlichkeit besichtigt werden . (Tag des offenen Denkmals)
Im Jahre 2003 wurde ein Bebauungsplanverfahren eingeleitet. Im Rahmen dessen waren bauliche Vorschriften sowie eine geschützter Fluchtweg zuerfüllen. Es sollte ein separater Treppenturm mit Aufzug entstehen. Desweiteren wurde vom Eigentümer eine bessere Nutzung des Turmkopfes mit einen modernisierten Neuaufbau und größeren Panoramafestern vorgesehen.
Da einige Anwohner mit den geplanten Veränderungen nicht einverstanden waren, wurde eine Bürgerinitiative Interessengemeinschaft Wasserturm gegründet. Der Eigentümer des Wasserturms stellte daraufhin alle weiteren Umbaumaßnahmen und Planungen ein. Das Bebauungsplanverfahren wurde eingestellt.
(War es klug von den Bewohnern ,sich so gegen die geplanten Veränderungen des Wasserturms zu formieren ? Wie würde der Wasserturm heute aussehen, wenn der Eigentümer seine Planungen verwirklicht hätte? Wäre es besser gewesen, damals die Bautätigkeiten und das Bebauungsplanverfahren weiterzuführen oder ist die heutige Situation (wie der Turm heute aussieht) für alle Bewohner besser? )
Im Jahre 2005 wurde das gesamte Mauerwerk (der den ganzen Wasserkessel umgibt) abgerissen, nachdem dieser als einsturzgefährdet galt. Weitere Baumaßnahmen vom Eigentümer sind nicht bekannt. Der Eigentümer überließ dem Wasserwerk Altglienicke e.V. die übergangsweise Nutzung des Wasserturms.

Weitere Bilder vom Wasserturm und Wasserwerk