Ehemaliger 1.Friedhof ist heute eine Parkanlage mit Spielplatz

Der Tod gehört zum Leben!

Muß das ein trauriges Kapitel werden? Einem mündlich übermittelten Bericht zu­folge ging eine Beerdigung vor ungefähr 100 Jahren folgendermaßen vor sich: Eine Kapelle leitete den Sarg und die Trauernden zum Friedhof und bis an das Grab. ­Trauermusik wurde gespielt, dem feierlichen Anlaß entsprechend. Sobald aber die Trauergesellschaft den letzten und endgültigen Abschied vom Verstorbenen ge­nom­men hatte, wurde Marschmusik angestimmt, und mit Schwung leitete die Kapelle die Trauergäste zur Kneipe, damit sie dort ›das Fell versaufen‹. ›Mag er noch so tragisch sein – der Tod gehört zum Leben, und das muß weitergehen.‹ Mit dieser bewährten Lebensweisheit läßt sich auch vom Tod und vom Sterben sprechen und von jenem Ort, der des Menschen letzte Ruhestätte ist, dem Friedhof. Es ist wahrscheinlich, daß die Glienicker nach Entstehen ihres Dorfes ihre Toten unmittelbar neben der Kirche oder in deren Nähe bestatteten, vielleicht dort, wo sich die alte Feuerwache befindet? War das sehr hoch stehende Grundwasser
(50 bis 100 Zentimeter) ein Grund dafür, daß für den Friedhof ein höher gelegener Platz gesucht wurde? Am Abhang, Köpenicker Straße 35, wo heute das Pfarrhaus steht, gab es einen Friedhof der reformierten Gemeinde und etwas höher, zur Schule am Berg hin gelegen, einen der evangelischen Gemeinde. Efeuüberwachsene Grabsteinreste sind noch zwischen Bäumen und Sträuchern zu finden.
Der Friedhof der reformierten Gemeinde wurde 1849 erweitert, was die Neu-Glienicker 130 Taler kostete, und 35 Jahre später ärgerten sie sich darüber. ­Weshalb? Die rasant wachsende Bevölkerung machte die Einrichtung eines neuen Begräbnisplatzes erforderlich. Auf ehemals Hannemannschen Ländereien wurde 1884 ein 1,7 Hektar großer Friedhof angelegt, der der evangelisch-lutherischen Gemeinde gehört. Da die Friedhöfe in der Köpenicker Straße stillgelegt wurden, ­durften auch die Reformierten dort ihre Toten bestatten, hatten aber eine doppelte Grabstellengebühr zu zahlen. Festgelegt durch Friedhofsordnung am 14. 8. 1885. Nein, fair war das nicht! Trotzdem zahlten die Neu-Glienicker willig, bis 1893 Alt- und Neu-Glienicke zur politischen Gemeinde Altglienicke zusammengelegt wurden und die Neu-Glienicker ihrer Privilegien verlustig gingen. Fortan wurden sie bei Neubauten zur Kasse gebeten, noch nicht bei der Kirche, aber bei der Schule und dem Pfarrhaus. Da gingen die Wogen der Empörung hoch! Von einer Spaltung der Gesamtgemeinde war die Rede, die in schwerwiegender Form nie bestanden hatte und im Falle von Animositäten längst überwunden war. Der Streit eskalierte, als ­Pfarrer Iseler, seit 11. 7. 1897 im Amt, am 15. 7. 97 den Antrag stellte, ein eigenes Pfarrhaus zu erhalten.


Dabei wurde auch die Frage erörtert, ob denn Altglienicke überhaupt ein Pfarrhaus brauche. Schließlich habe es als ›filial‹ von Köpenick nie eines besessen. Eifriger Befürworter eines Pfarrhauses war Küster und Hauptlehrer Scheer: ›Bemerkt soll hier werden, daß schon der Oberpfarrer Schmidt schreibt, es habe Alt Glienicke schon einmal ein Pfarrhaus gehabt; wovon sollten auch sonst die aufgefundenen Fundamente beim Bau der Schulräume nach dem Ankauf des Pfarrgartens in denselben gekommen sein. Deswegen ist unsere Pfarre keine neu errichtete, sondern eine wiederhergestellt und erneuerte.‹ Scheer bzw. Schmidt beziehen sich auf die Zeit um 1400, als von einem Pfarrer mit vier Freihufen die Rede war. – Die Verfechter des Pfarrhauses setzten sich durch.
Wo aber findet sich ein geeigneter Platz? Der ›nördlich gelegene‹ Friedhof kam in Vorschlag. Das aber war der ehemalige Friedhof der Reformierten. Ein anderer, als Standort geeigneter Platz wurde in Gestalt des ›Wernerschen Grundstücks‹ gefunden. Das aber lag im Dorfkern, also tief und wurde wegen des hoch stehenden Grundwassers verworfen. In langen Verhandlungen erwies sich Pfarrer Iseler als zäher Verhandlungspartner. Die Einigung endlich sah so aus: Die beiden Gemeinden, evangelisch-lutherisch und reformiert, tauschen die Flächen, die bis 1884 als Begräbnisplätze gedient hatten. Auf der nördlichen, also nunmehr der evangelisch-lutherischen, konnte das evangelisch-lutherische Pfarrhaus errichtet werden. Und dort steht es noch heute. Durch die Vereinigung von Alt-und Neu-Glienicke fiel allerdings der Besitz der reformierten Gemeinde an die politische Gemeinde Altglienicke. Am 16. 1. 1903 wurde die Sache aktenkundig. Was ist noch nachzutragen? Baubeginn des Pfarrhauses: 1904. Bezug des Pfarrhauses: 1905. Die ehemals ›Neuen‹ zahlen für eine Grabstelle soviel wie die ehemals ›Alten‹.


Der evangelische Friedhof

Der neue Friedhof in der Sraße " Am Alten Friedhof" wurde 1884 angelegt. In der Mitte des Gründstücks wurde eine Kapelle nach den Plänen von F.Nischau und E.Schindler erbaut. Das schmiedeeiserne Tor mit der aus dem Alten Testament entnommenen Portalüberschrift:
,,Ich weiss dass mein Erlöser lebt,,
Und deshalb wollen wir uns auf den friedlichen Friedhof begeben, der an der von der Rudower Straße abzweigenden ›Straße am Alten Friedhof‹ liegt, ein Name, der eigentlich irreführend ist, gab es doch mindestens drei wesentlich ältere Begräbnisplätze. Aber da diese nicht mehr existieren und der zweite Altglienicker Friedhof, an der Schönefelder Chaussee gelegen, jünger ist, gebührt dem evangelischen das Recht des älteren. Seine Kapelle wurde bald nach der Pfarrkirche errichtet, was dem Baustil anzusehen ist. Die Pflasterung des zur Kapelle führenden Weges wurde ebenso von den Einwohnern durch Spenden finanziert wie die Pflanzung von Ahornbäumen, deren gleichaltrige Geschwister die Straße am Falkenberg flankieren. Eine überlebensgroße Christusfigur, die einst eine Grabstelle schmückte, ist von den letzten ­Hinterbliebenen der Familie dem Friedhof gestiftet worden und hat einen guten Platz am Mittelweg zwischen den Gräbern gefunden.
Die älteste noch vorhandene Grabstein-Inschrift stammt von 1887. Sie gehört zu dem Erbbegräbnis der Familie Dietz. Wer eine solche Stelle für die Beisetzung ­seiner Angehörigen erwarb, war gleichzeitig verantwortlich für die Errichtung der Friedhofsmauer in der Höhe des Grabsteins. Aus diesem Grunde hat die Friedhofsmauer ein unterschiedliches Aussehen. Natürlich spielte der Geldbeutel der Familie eine bedeutende Rolle. Unterschiede in der Art der Grabstellen gibt es auch heute: Wahlstellen, die bei entsprechender Bezahlung beliebig verlängert werden können; Reihenstellen für die Dauer von 20 Jahren; die anonyme Bestattung.


Beim Gang entlang der Gräberreihen entdeckt der Besucher all die Namen von Einwohnern, die Altglienicker Geschichte schrieben. Besonders häufig die Namen Hannemann und Haberecht! Auch Partenheimer, Dietz, Höft, Hesse, Dürre.Wie aufschlußreich, daß bei den Frauen der Mädchenname verzeichnet ist!
So erkennt der aufmerksame Betrachter, daß die Altglienicker, unabhängig vom Glauben, eine große Sippe darstellten. Mehr oder weniger! Und viele der heute lebenden Nachkommen sind stolz auf ihre Vorfahren.
So kam Michel Haberecht 1696 aus Glasow nach Bohnsdorf und heiratete dort Anna Hannemann. Sohn Michael, 1726 in Bohnsdorf geboren, war wie der Vater Bauer; sein Sohn Gottfried, 1757 geboren, versah neben dem bäuerlichen Tagewerk die Ämter des Kirchenvorstehers und Gerichtsmannes in Bohnsdorf. Dessen Sohn Gottfried aber, 1788 in Bohnsdorf geboren, ließ sich als Kossät in Glienicke nieder und heiratete die 1803 geborene Caroline Juliane Wilhelmine Welsch. Ihr Name aber geht auf die Pfälzer Kolonisten zurück; sie dürfte bereits der dritten Kolonistengeneration angehört haben. In der übernächsten Generation heiratete dann ein Haberecht wiederum eine Hannemann. Und der in Altglienicke ansässige Winfried Haberecht nannte den 1997 verstorbenen Senior der Familie Hannemann Onkel Willi. Es ist gut, seine Wurzeln zu kennen!


Eine Schilderung aus dem 19. Jahrhundert zeigt eindrucksvoll den inneren Zusammenhalt der Dorfbewohner: ›In der Regel steht der offene Sarg auf dem Flur des Trauerhauses, der Küster mit der Schule und der größte Teil des Gefolges sind vor der Tür versammelt. Ein Sterbelied wird gesungen ... Dann liest der Küster einen Abschnitt aus der Heiligen Schrift vor ... Es folgt wieder ein Lied ... Bei jungen Leuten wird von den Altersgenossen eine (Blumen)-Krone auf den Sarg gesetzt ... und dann zieht der Zug feierlich und langsam unter Gesang und Geläut nach dem Kirchhofe. Vorne an gehen der Pastor und der Küster mit der Schule, dann kommen die Träger mit dem Sarge ... Die Träger der Leiche sind die Standesgenossen, die Bauern tragen den Bauern, die Büdner den Büdner ... hinter dem Sarge folgen die nächsten Leidtragenden und dann die Gemeinde. Fast das ganze Dorf folgt der Leiche in Trauerkleidern ... Jeder, der auf der Straße dem Leichenzug begegnet, bleibt so lange stehen, bis er vorüber ist, hält sich den Hut vor das Gesicht und betet um ein seliges Ende.‹

Weitere Bilder vom evangel. Friedhof

Der städtische Friedhof

(Text wurde von Wikipedia übernommen. Hier mehr über Wikipedia die freie Enzyklopädie)


Der Städtische Friedhof Altglienicke befindet sich an der Schönefelder Chaussee 100 im Berliner Bezirk Treptow-Köpenick, Ortsteil Altglienicke. Angelegt wurde er ursprünglich als (exterritorialer) Städtischer Friedhof der Gemeinde Niederschöneweide. Mit der Eingemeindung Niederschöneweides 1920 in Groß-Berlin wurde er umbenannt. Der Friedhof umfasst heute eine Fläche von 23.500 m² und ist Bestandteil der Berliner Denkmalliste.
1878 entstand im lange weitgehend bewaldeten Gebiet an der Oberspree die Gemeinde Niederschöneweide. Der Ansiedlung von Industrie im 19. Jahrhundert folgte eine zunehmende Wohnbebauung. 1908 erhielt Niederschöneweide eine eigenständige, von der Stadt Köpenick unabhängige Kirchengemeinde. Mit der Trennung von der Stadtkirche Köpenick stellte sich die Frage in Niederschöneweide, wo die Verstorbenen der evangelischen Gemeinde bestattet werden. In Frage kommender Grund und Boden mit entsprechenden Erweiterungsoptionen war in Niederschöneweide zu teuer oder schied aufgrund des hohen Grundwasserspiegels aus. 1910 erwarb die evangelische Gemeinde Niederschöneweide eine bisher landwirtschaftlich genutzte Fläche in der heutigen Schönefelder Chaussee 100, um einen neuen Friedhof anzulegen.
Darüber hinaus beantragte die Gemeinde zur verbesserten Erreichbarkeit die Verlängerung der Straßenbahn bis dorthin, allerdings kam diese Planung nie zur Ausführung. Ab 1911 fanden auf der Anlage die ersten Bestattungen statt. 1920 wurden Niederschöneweide wie Altglienicke in Groß-Berlin eingemeindet. Der Friedhof Niederschöneweide ging in kommunales Eigentum über. Nun durften auch Altglienicker dort bestattet werden. Die Anlage wurde umbenannt in „Städtischer Friedhof Altglienicke”.


Gestaltung der Anlage

Zentraler Punkt der großzügigen Friedhofsanlage ist die unter Denkmalschutz stehende „Aussegnungs-Kapelle” mit 120 Sitzplätzen, die im Stile italienischer Architektur durch den Architekten K.A. Hermann entworfen wurde. Diese besteht aus einer tempelartigen Halle mit Rundkuppel und vorgelagertem, säulengeschmücktem Giebelbau. Links und rechts der Halle erstrecken sich Mauerrundbögen mit abschließend zwei kleineren Pavillons ebenso im Tempelstil. An den Mauern der Kolonnaden befinden sich einige Familiengrabstellen. Der Großteil dieser schmuckvollen, säulenflankierten Stellen ist aber dato unbelegt. Links vom Eingang der Feierhalle sieht man ein sakrales Relief. Im Inneren der Halle dargestellt sind die Evangelisten Matthäus und Marcus.
Die Leichenhalle verfügt über ein herausragendes technisches Denkmal, das allerdings seit den 1930er Jahren nicht mehr in Betrieb ist – einen wasserhydraulischen Aufzug. Dieser wurde auch nach den Renovierungsarbeiten in jüngerer Zeit nicht vom TÜV freigegeben. So müssen die Särge vom Keller weiter nach oben getragen werden.
Die älteste noch vorhandene Grabstelle ist ein Gittergrab aus der Anfangszeit von 1911. Um 1916 wurde das Gelände auch hinter die Kapelle in Richtung der Grenze zum Ortsteil Rudow erweitert.
Im hinteren Areal der Anlage befinden sich im Halbkreis angeordnet zahlreiche Findlinge, ursprünglich 70 an der Zahl, sowie fünf Granitschalen. Es sind überwiegend keine Grabstellen, sondern Gedenksteine für Gefallene des Ersten Weltkrieges aus der Kirchengemeinde Niederschöneweide. An sie wurde, meist in fernen Soldatengräbern ruhend, ein Ort der persönlichen Trauer errichtet. Einige wenige wurden später hierher umgebettet. Ein Obelisk trägt die 144 Namen aller Gefallenen.
1939 wurde ein Begräbnisfeld für die Urnen jüdischer Bürger eingerichtet. 1940 entstand eine Urnen-Sammelstelle für die sterblichen Überreste von mehr als 1200 Häftlingen aus Konzentrationslagern sowie Opfern des sogenannten Euthanasie-Programmes der Nationalsozialisten, der Aktion T4.


In der Zeit des Bestehens der Berliner Mauer, von 1961 bis 1989, war das Friedhofsgelände hinter der Feierhalle als Sperrgebiet weitgehend unzugänglich. Die Kapelle selber drohte ohne jede funktionierende Heizung zu verfallen, der Putz bröckelte. Ein Teil des Kriegerdenkmals wie des Urnenhaines der jüdischen Opfer wurden damals für den Grenzstreifen eingeebnet. Unterdessen ist ein Großteil dieser Gedenkstätte wiederhergestellt. Lediglich die verblichenen Inschriften bedürfen weiterhin einer Erneuerung.
Die Heizung in der Kapelle geht wieder, denn im Jahr 2000 wurden Kapelle und Kolonnaden für rund 943.000 DM mühevoll rekonstruiert. Die Wände erhielten wieder einen Anstrich in hellen Sandsteinfarben. Ein über der Kapelle stehender, zur DDR-Zeit verschwundener Bibelspruch „Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten” (Psalm 126,5), wurde dabei wiederhergestellt.
In den 1990er Jahren wurde über eine Erweiterung des Friedhofes auf die südliche Nachbarfläche nachgedacht. Aufgrund der Tendenz zur kleinflächigeren Urnenbestattung wurde der Gedanke dazu aufgegeben.

Weitere Bilder vom städtischen Friedhof

(Herzlichen Dank an Hans Eberhard - Ernst für die Bereitstellung der Texte.
Dieser Artikel stammt aus dem Buch "Geschichten vom Dorf Altglienicke"
Text-Autorin : Helga Hauthal
Weitere Texte, Randbemerkungen und die gestalterischen
Zugaben stammen von Anneliese und Hans Eberhard - Ernst.
Copyright bei der AG Heimatgeschichte des Bürgerverein Altglienicke e.V.)

Bilder von Ingo Drews