Ein neuer Maulbeerbaum für den Hangkantenpark

Zum 250. Jahrestag der Ansiedlung von Pfälzer Familien am Rande des Dorfes Glienicke, damit entlang der Grünauer und Rudower Straße der Entstehung der neuen Gemeinde Neu-Glienicke, pflanzte der Bürgerverein Altglienicke aus Mitteln der Kiezkasse einen Maulbeerbaum. Im am Sportplatz gelegenen Hangkantenpark sollte er daran erinnern, dass die Kolonisten einst solche reihenweise pflanzten, um darauf Seidenraupen zu züchten. Die besagte Aktion ist nun fünf Jahre her. Leider ist der Baum mit dem lateinischen Namen Morus alba zwischenzeitlich eingegangen, wobei eine Tafel immer noch weiter an die Pflanzaktion erinnerte. Dieser Zustand sollte nicht so bleiben. Am Gründonnerstag wurde durch den Bürgerverein zum 255. Geburtstag von Neu-Glienicke an alter Stelle ein neuer Maulbeerbaum gepflanzt. Ein wesentlich größerer, der auch schon etwa fünf Jahre Wachstum hinter sich hat, damit es auch vom Alter her weiter passt. Möglich wurde das durch eine Spendenaktion für die erforderlichen 550 Euro, zu welcher der Wirtschaftsverband Altglienicker Unternehmer mit 200 Euro sowie zahlreiche Einzelspender beitrugen. Ebenso erklärte sich die den Baum stellende Rudower Baumschule Fischer bereit, 200 Euro vom ursprünglichen Gesamtpreis als Spende abzuziehen. Diese half dann auch gleich beim Anliefern und professionellen Einsetzen mit. Dafür herzlichen Dank. Nun hoffen wir alle, dass dieser zweite Baum besser gelingt und in ein paar Jahren nicht nur Schatten spendet, sondern auch uns Früchte liefert. Die Maulbeeren sind nämlich essbar, der Geschmack liegt zwischen Brombeeren und Rosinen, man bekommt sie jedoch kaum im normalen Einzelhandel, da sie nach Ernten recht schnell verderben. Zwei Baumpaten sorgen jetzt dafür, dass er zum guten Angedeihen regelmäßig gegossen wird.

(Text und Foto von Joachim Schmidt vom Dörferblick. Vielen Dank)


Berliner Abgeordnete des Hauptausschusses auf Infotour im Kosmosviertel

Am 10. April gab es hohen Besuch im Kosmosviertel. Der Hauptausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses bereiste im Rahmen einer Busfahrt mehrere mit baulichen und infrastrukturellen Maßnahmen versehene Standorte in der Stadt, um sich über den Stand von Investitionen zu informieren. Dementsprechend wurde auch das Wohngebiet im Süden von Altglienicke angesteuert. Hier im Kosmosviertel werden nicht nur Mittel im Rahmen des Bund/Länder Programms „Zukunftsinitiative Stadtteil-Soziale Stadt“ mitsamt einem Quartiersmanagement eingesetzt, sondern erfolgte jüngst der Rückkauf von 1.821 Wohnungen über die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft Stadt und Land. Daher hatten die Mitglieder des Abgeordnetenhauses auch ein großes Interesse, was vor Ort passiert. Ziel des Treffens war es, Herausforderungen und Möglichkeiten einer gelingenden Stadt- und Nachbarschaftsentwicklung zu eruieren.
Mit etwas Verspätung trafen dann nach 11 Uhr die Abgeordneten aus sämtlichen Fraktionen im Kiezladen WaMa an der Ortolfstraße ein. Eine offizielle Begrüßung nahm Bezirksbürgermeister Oliver Igel vor. Dann stellte gleich auch das QM-Team in einer Präsentation die seit 2016 durchgeführten Aktionen und Projekte im Kosmosviertel im Rahmen des Quartiersmanagements vor. Zunächst wurde die Ausgangssituation dargestellt, mit einem kurzen Überblick über die Struktur der Anwohnerschaft.
Im Weiteren wurden die besonderen Herausforderungen aufgezeigt, mit einem hohen Maß an Investitionsrückstau, bei zugleich geringen Instandhaltungsmitteln des Bezirks. Beschrieben wurde wie bislang versucht wurde, eine Beteiligung der Anwohnerschaft und eine Abstimmung mit Wohnungsunternehmen als maßgebende Akteure anzuregen. Im Ergebnis dessen sei es darum gegangen, sich gewisse Zielstellungen zu erarbeiten, um ein besseres nachbarschaftliches Miteinander zu befördern. Daneben ging es um die Qualifizierung  von Bildungseinrichtungen und öffentlichen Grünanlagen, dem Ausbau einer Unterstützungs- und Beratungsstruktur sowie der Nachbarschafts- und Kulturarbeit mit dem Ziel einer aktiven Nachbarschaft.
Nachfolgend stellte sich das insbesondere mit der Integration Geflüchteter befasste Projekt „Berlin Entwickelt Neue Nachbarschaften“ (BENN) vor. Hier wurde die Ausgangslage aufgezeigt, mit der schnellen Errichtung des Tempohomes am Quittenweg, der fehlenden Strukturen für ehrenamtliches Engagement, der bisher nicht vorhandenen Anlaufstellen für Geflüchtete in der Nähe und mangelnden Gemeinschaftsräumen innerhalb der Unterkunft wie auch im Umfeld. Die Herausforderungen lagen im Engagement in temporärer Nachbarschaft, einem plötzlich erhöhten Bedarf bei sozialen Einrichtungen und Trägern im Viertel sowie einem fehlenden Gemeinschaftsleben. Als Maßnahmen galt es im Rahmen des BENN-Verfahrens das Engagement der Bewohnerschaft außerhalb der Geflüchteten-Unterkunft zu befördern und eine Kooperation mit sozialen Trägern im Viertel umzusetzen. Dabei entstand das Café Quitte als Begegnungsraum in der Unterkunft. Herausforderungen blieben eine Sicherung von (Regel-) Finanzierungen, der Aufbau von Strukturen der Stadtteilarbeit, die weitere Öffnung öffentlicher Angebote und die Abstimmung zwischen zentralen Akteuren.

Im weiteren Verlauf ging es das Gespräch mit den Geschäftsführern der Stadt und Land Anne Keilholz und Ingo Malter, die ihre Herausforderungen nach dem Rückkauf der Wohnungen aufzeigten. „Unser Auftrag ist, die Wohnraumversorgung breiter Bevölkerungsschichten sowohl durch Neubau, aber auch durch Ankauf sicherzustellen.  Das ist mit dem Gesellschafter Land Berlin so vereinbart. Wie jeder vergleichbare Marktteilnehmer agieren wir, um diese Ziele zu erreichen, innerhalb der aktuellen Marktkonditionen“, betonte dann Geschäftsführerin Anne Keilholz. Man integriere derzeit die erworbenen Wohnungen in die Bestände der Stadt und Land. Mit Übernahme der Bewirtschaftung prüfe die Stadt und Land nun wie die weitere Perspektive der Objekte gestaltet werden kann, um ein stabiles Quartier und gute Nachbarschaften sicherzustellen. Man habe eine Telefonnummer für die neue Mieterschaft eingerichtet, um Fragen zu beantworten und Hinweise aus aufzunehmen. In den nächsten Jahren werde Stadt und Land die Bestände entsprechend ihres Auftrages und den Rahmenbedingungen der Kooperationsvereinbarung mit dem Land Berlin bewirtschaften. Grundsätzlich solle dabei gelten: Die mietenpolitischen Rahmenbedingungen des Kooperationsvertrages und das Selbstverständnis der Stadt und Land als landeseigenes Unternehmen solle die Grundlage für sicheres Wohnen zu angemessenen und leistbaren Mieten bieten.
„Bei einem kommunalen Wohnungsbauunternehmen gibt es keine Luxussanierungen, sondern Investitionen werden bedarfsgerecht und mit Bedacht und Augenmaß getätigt“, ergänzte Geschäftsführer Ingo Malter. „Aktuell liegt unser Augenmerk auf den Themen technische Verkehrssicherheit und soziale Stabilität im Quartier“, so Malter weiter. Dann folgte eine Diskussionsrunde, in der die Abgeordneten intensiv Fragen stellten. Nach etwas mehr als einer Stunde mussten die Abgeordneten schließlich weiter. Es rief der nächste Termin in der gut neunstündigen Fahrt.
(Text und Fotos von Joachim Schmidt vom Dörferblick. Vielen Dank)


Fußgängertunnel am Bahnhof Schöneweide soll Ende 2019 wiedereröffnen

Der Haupteingang zum S-Bahnhof Schöneweide ist erstmal gesperrt. Der gesamte Bahnhof wird modernisiert. Die dazu gehörige Bahnhofshalle ist abgerissen worden. Der vor dem Eingangsgebäude befindliche Fußgängertunnel unterhalb der Michael-Brückner-Straße soll aber noch dieses Jahr wiedereröffnen, wenn alles gut verläuft. Die ersten Arbeiten zu dessen Wiederherstellung haben begonnen. Eine Antwort auf eine Anfrage des Treptow-Köpenicker FDP-Abgeordneten Stefan Förster liefert die Bestätigung, denn dieser fragte bei der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz nach dem Stand der bereits vor zwei Jahren zugesagten Sanierung. „Erste Baumaßnahmen wie die Beseitigung von Brandrückständen und irreparablen Bauwerksteilen erfolgen im 2. Quartal. Aktuell wird die Wiederinbetriebnahme für Herbst 2019 erwartet“, heißt es in der Antwort von Staatssekretär Ingmar Streese. Auf die erste Ausschreibung der Bauleistungen im April 2018 war bei der Senatsverwaltung kein einziges Angebot eingegangen. Bei einer erneuten Ausschreibung im September 2018 ging ein einziges Angebot ein, mit einem Mehrfachen der bei einer Kostenberechnung ermittelten Summe. Dieses konnte aus Wirtschaftlichkeitsgründen nicht beauftragt werden. Um einen anderen Bieterkreis anzusprechen, erfolgte die Umstellung auf kleinteilige Vergaben einzelner Fachgewerke, lässt Staatssekretär Streese weiter wissen.

Letztlich hat die Instandsetzung des Tunnels nach einem Brand dann drei Jahren gedauert und somit deutlich länger als ursprünglich geplant. Dieses hatte auch zur Folge, dass alles wesentlich teurer wurde. Schätzte die Senatsverwaltung im Herbst 2017 auf eine erste Anfrage des FDP-Abgeordneten Stefan Förster hin die Sanierungskosten noch auf 50.000 Euro, waren es bei einer ersten Nachfrage im Frühjahr 2018 bereits 210.000 Euro und nun geht man von 300.000 Euro aus. Gespannt kann man bleiben, wie am Ende die Kosten wirklich aussehen.

FDP-Abgeordneter Förster beklagt dazu: „Die zuständige Senatsverwaltung kümmert sich lieber um den Bau grün getünchter und die anderen Verkehrsteilnehmer behindernden Fahrradspuren als um diese wichtige Fußgängerverbindung zum Bahnhof Schöneweide. Ein Teil der Preissteigerung beruht ja auf dem Anstieg der Preise für Bauleistungen in den letzten Jahren. Hätte man 2017 die Sanierung durchgeführt, hätte das Land Berlin vermutlich eine Menge Geld gespart".

Ganz ohne weitere Kosten dürfte der 1972 gebaute und 1994 modernisierte Fußgängertunnel auch nach seiner Wiederherstellung nicht sein, denn von 2006 bis 2016 hatte das Land Berlin rund 877.000 Euro zur Beseitigung von Vandalismusschäden zu investieren. Auch nicht ausgeschlossen ist, dass der Tunnel irgendwann wieder geschlossen wird. Oberhalb des Tunnels soll irgendwann eine Ampel die Querung ermöglichen, wie schon auf der anderen Kreuzungsseite am „Zentrum Schöneweide“. Allerdings kann die erst gebaut werden, wenn die Straßenbahn dort nicht mehr aus der Brückenstraße kommend einbiegt. Um dazu zu kommen, muss zunächst der Bahnhof saniert werden und ein Durchbruch unter den S-Bahngleisen für eine andere Führung der Straßenbahn erfolgen. Erst dann kann die Neugestaltung des gesamten Bahnhofsvorplatzes in Angriff genommen werden. Dieses alles dürfte sich noch einige Jahre hinziehen. Daher heißt es sich so lange mit dem Tunnel zu begnügen. Und auch am S-Bahnhof Treptower Park hat ja ein solcher Tunnel als zusätzliches Angebot zu einer Ampel überlebt. Übrigens unterquert der Tunnel am Bahnhof Schöneweide historischen Grund. Hier wurde 1952 der erste Zebrastreifen im Osten Deutschlands eingerichtet. (Text und Foto von Joachim Schmidt vom Dörferblick. Vielen Dank)


Die „Kleinhaussiedlung Johannisthal“ wird 100

Foto: Ralf Drescher (Berliner Woche)
Foto: Ralf Drescher (Berliner Woche)

Vor 100 Jahren begann zwischen dem heutigen Sterndamm (Kaiser-Wilhelm-Straße) und der heutigen Südostallee (Kaiserstraße) der Bau einer neuen Wohnsiedlung. Errichtet wurde sie am Rande der Königsheide, östlich von jenem Bereich, wo sich als sumpfiges Überbleibsel des Urstromtals das Breite Fenn mit dem unterdessen ausgetrockneten Kannegraben entlang zog. Die ersten Häuser der Siedlung entstanden 1919 im Süden der Oststraße. In ihnen fanden vor allem Beamtenfamilien eine neue Heimat, die nach dem Ersten Weltkrieg aus der verloren gegangenen Kolonie Deutsch-Südwestafrika (Namibia) zurückkehrten. Da mehrere der vormaligen Kolonialbeamten ihre farbigen Frauen nach Deutschland mitbrachten, hatten die Häuser des ersten Bauabschnitts schnell bei den einheimischen Johannisthalern den Spitznamen „Negerdorf“. Ansonsten spricht man hier von der Fennsiedlung oder offiziell, wie es Stadtpläne vermerken, von der „Kleinhaussiedlung Johannisthal“.
In drei Bauabschnitten wurden seinerzeit rund 200 Häuser gebaut, 450 sollten es letztlich werden, die von einfachen Holzhäusern bis zu steinernen Reihenhäusern reichen. Gebaut wurde an der ganzen Siedlung von 1919 bis 1927. Das Ziel war es, neben dem Teilareal für heimkehrende Kolonialbeamten, den bislang in beengten Berliner Mietskasernen lebenden Menschen aus einfachen Lebensverhältnissen im Rahmen einer Reformbewegung endlich gesunde Wohnverhältnisse mit ausreichend Wohnraum, fließendem Wasser, Anschluss an die Kanalisation und elektrischem Licht zu bieten. Dazu gehörte zumeist ein kleiner Garten, in dem Obst und Gemüse zur Eigenversorgung angebaut werden konnte. Beteiligt waren an dem Siedlungsprojekt mehrere zumeist genossenschaftlich ausgerichtete Bauträger. Zu den dafür ausgewählten Architekten zählten mit Bruno Ahrends, Ernst Engelmann, Emil Fangmeyer und Bruno Taut bekannte Vertreter des Neuen Bauens bzw. der Berliner Mode.

Hier können Sie mehr über die Kleinhaussiedlung von der Berliner Woche erfahren.  Klicken Sie auf den unteren Link:

Der erste Bauabschnitt nach Entwürfen von Bruno Ahrends wurde bis 1920 durch die Gemeinnützige Baugesellschaft Berlin-Johannisthal fertiggestellt. Begonnen mit Doppelhäusern in doppelwandiger Holzbauweise in der südlichen Oststraße für die Kolonialbeamten. Dem folgte in steinerner Ausführung der Breite Weg, der mit einem Promenadencharakter versehen wurde, sowie Teile des Eibenwegs und der Oststraße. Der zweite Bauabschnitt nach Plänen von Ernst Engelmann und Emil Fangmeyer entstand 1924/25. Hier handelt es sich an der Straße Am Alten Fenn und Am Haselbusch, aber auch teils des Eibenwegs und der Oststraße, um einen Siedlungskomplex mit ursprünglich glatt geputzten Reihenhäusern, mit einigen kleinen Plätzen, die sich in Tradition der ursprünglich aus England stammenden Gartenstadt-Bewegung stellen. Es sind daneben ein- bis zweigeschossige Einzelhäuser vorhanden, mit einem malerischen Wechsel von Sattel- und Walmdächern mitsamt Giebel und Gaupen. Der dritte Bauabschnitt von 1925 bis 1927 der Gemeinnützigen Heimstätten-, Spar- und Bauaktiengesellschaft (Gehag) für die Weststraße stammt aus der Feder von Bruno Taut. Es sind zweigeschossige Putzbauten unter Satteldach, gegliedert durch Klinker für Sockel, Türrahmen und Dachgesims. Mehrere Geschäfte sorgten damals noch innerhalb der Kleinhaussiedlung für eine wohnortnahe Versorgung. Es gab einen Kolonialwarenhandel, einen Laden für Siedlerbedarf, einen Bäcker, ein Seifengeschäft und einen Kohlenhändler. Heute muss man zum Einkaufen die Siedlung verlassen.
Eine der prominentesten Bewohner der Kleinhaussiedlung war die SPD-Politikerin und Schriftstellerin Clara Bohm-Schuch (1879-1936), die der Weimarer Nationalversammlung und bis 1933 dem Reichstag angehörte, sich politisch vor allem für den Kinderschutz engagierte. Sie fand ihre letzte Ruhestätte auf dem nahen Friedhof Kiefholzstraße. Ebenso verbrachte der noch in Windhuk/ Namibia als Sohn eines Kolonialbeamten geborene Maler Siegfried Klapper (1918-2012) hier seine Kindheit und Jugend, bis es ihn nach dem Zweiten Weltkrieg, wo er als Soldat diente, in den Westen Deutschlands verschlug.

Die gesamte Siedlung steht heute unter Denkmalschutz. 
Der Text wurde von Joachim Schmidt vom Dörferblick zur Verfügung gestellt. Das Foto ist von Ralf Drescher von der Berliner Woche (siehe auch obere Verlinkung)


Ein neues Einkaufszentrum für das Altglienicker Kosmosviertel

Länger galt es zu warten, bis das Kosmosviertel wieder über einen Vollsortiment-Supermarkt als Verkaufseinrichtung verfügen sollte. Am 12. August 2017 schloss die alte Kaufhalle aus DDR-Zeiten an der Siriusstraße ihre Pforten, die seit 1990 jahrzehntelang einen "Kaiser's Verbrauchermarkt" beheimatete und die letzten acht Monate nach dem Verkauf der Kaiser's Tengelmann-Gruppe zum Jahresbeginn bereits als ein Edeka-Markt firmierte.
Es folgte der Abriss und Neubau des Gebäudes, an dem eigentlich von Beginn an nie wirklich etwas baulich gemacht wurde. Schon mit dem Ende der DDR, in dessen Zeit die Errichtung des Kosmosviertels fiel, stand fest, dass der gerade erbaute, für DDR-Plattenbaugebiete allzu typische "Dienstleistungswürfel" aus Großgaststätte, Wohngebietsklub, Sero-Station und HO-Kaufhalle nicht bleiben werde. Von daher wurden große Teile nie bezogen, außer halt die zu einem Kaiser's Markt mutierte Kaufhalle und lange Zeit auch eine separate Bäckerei.
Der Rest blieb eine von der Anwohnerschaft immer wieder beklagte Investruine. Und hielt sich viel, viel länger, als man es sich vorstellen konnte. Dagegen ist das nahe Flughafenprojekt BER noch nichts. Mehr als ein Vierteljahrhundert sollte von den Planungsanfängen bis zur Realisierung vergangen. Ein früherer Regierender Bürgermeister und Parlamentspräsident von Berlin, Walter Momper, brachte es mit seinem Grußwort bei der Eröffnungsfeier des Neuen auf den Punkt. Seine Bauprojektierungsfirma erhielt um 1994 herum den Zuschlag, an der Seite eines Investors, der sich damals gegen ein Konsortium aus ortsansässigen Gewerbetreibenden durchsetzte, hier etwas zu entwickeln.
Das Grundstück verkaufte damals das Land Berlin, doch schnell war ein Streitfall da, wem die Flächen aus dem komplexen Wohnungsbau der DDR wirklich gehören. Die Wohnbauten-Gesellschaft "Stadt und Land" als Rechtsnachfolger der Kommunalen Wohnungsverwaltung (KWV) im Berliner Osten beanspruchte die Fläche für sich als Eigentum. Ein mehrjähriger Klageweg schloss sich an zwischen dem Land Berlin und der landeseigenen Wohnungsgesellschaft. Die erste Planung sah ein Wohnungsgebäude mit unten Geschäften wie den Kaiser's Markt vor. Als die ersten konkreten Pläne vorlagen, hieß es seitens des Berliner Senats sozialer Wohnungsbau wie vorgesehen wird nicht mehr gefördert und ohnehin seien Wohnungen aktuell nicht gefragt, da es seinerzeit Leerstand im Kosmosviertel gab. Von daher wurde ein solches Projekt verworfen und umgeplant.

Dann kam die Problematik hinzu, dass zu DDR-Zeiten eine Gasleitung unter dem Dienstleistungswürfel verlegt wurde. Das ist bei den heutigen Baubestimmungen aus Sicherheitsgründen unzulässig. Es schloss sich ein Rechtsstreit an, wer für die Verlegung der Gasleitung zuständig ist, das Land Berlin oder der Investor. Das Gebäude verfiel weiter und bekam im Volksmund nach dem namhaften Bauprojektierer den Namen "Momper-Ruine". Es ging an die Planung eines kleinen Einkaufszentrums mit Ärzten im Obergeschoss. 

Auch hier gab es Diskussionen, inwieweit sich dieses rechne, wo es in der angrenzenden Ladenpassage erste Leerstände gab. Einziehen sollte dann neben Kaiser's ein weiterer Discounter. Als die Planungen wieder recht weit fortgeschritten waren, kam die lange Debatte auf, dass die Kaiser's Tengelmann-Gruppe ihre Filialen verkaufen will. Das zog sich in die Länge. Schließlich verkaufte Kaiser's Tengelmann 61 Berliner Filialen, auch diesen, an Edeka. Damit war in neuen Gesprächen mit Edeka eine abermalige Umplanung erforderlich.

Nachdem dann im August 2017 Edeka seine im Januar übernommene Filiale schloss, war nach erfolgtem Abriss und Neubau eine Wiedereröffnung für Dezember 2018 vorgesehen, doch es gab Verzögerungen im Bauablauf. So wurde letztlich der Eröffnungstermin der 14. März 2019. Gerade in den letzten Wochen und Tagen war dann zu sehen, wie fleißig gewerkelt wurde, um den Termin einzuhalten. Weite Teile des Gehweges davor wurden erst in den Vortagen verlegt. Es sollte schließlich eine Punktlandung hingelegt werden. Am Vorabend des 13. März lud Edeka seine Verwaltungsspitze, die Mitarbeiterschaft und lokale Akteure zu einer Eröffnungsfeier in das neue Center.
Mit rund 3.200 Quadratmetern Verkaufsfläche steht nun in einem modernen, attraktiven Einkaufsmarkt das Dreifache der bisherigen Verkaufsfläche zur Verfügung. In dem rund drei Millionen Euro teuren Neubau gibt es rund 35.000 Artikel, mit Bedientheken für Fleisch, Wurst, Käse und Fisch. Das Angebot reicht von Gut&Günstig-Produkte auf Discount-Preisniveau über Markenartikel bis hin zu nationale und internationale Spezialitäten. Fester Bestandteil sind zahlreiche vegetarische und vegane Artikel sowie glutenfreie und Bio-Produkte. Es gibt eine Auswahl an selbst zusammenstellbaren frischen Salaten. Auch an regionalen Produkten soll es nicht mangeln. Im Eingangsbereich ist ein Café mit dem Namen "Sternschnuppe", für dessen Benennung man eigens einen Wettbewerb unter der Anwohnerschaft gemacht hat. Für die warme Jahreszeit wird eine Außenterrasse geboten. Es gibt nebens dem Café einen Burgerstand, einen Wurststand und eine Saftbar mit selbstgepressten Säften. Die neue Filiale beinhaltet auch Kundentoiletten. Ergänzt wird der neue Markt durch eine Drogeriefiliale von Rossmann. Für Kunden stehen 180 Parkplätze für Pkw und Abstellmöglichkeiten für 80 Fahrräder zur Verfügung. Außerdem wird eine Stromtankstelle für Elektrofahrzeuge geboten. Mein Team und ich freuen uns sehr, hier im Kosmosviertel jetzt eine große Auswahl und ein modernes Einkaufserlebnis Jung und Alt bieten zu können, sagte dann auch Marktleiter Patrick Amthor.

Amthor wirbt an seinem Standort mit einer besonderen Atmosphäre. So gebe es breite Gänge, niedrige Regale und barrierefreie Kundentoiletten. Ein freies WLAN für die Nutzung unter anderem der Edeka-App wird angeboten. Ebenso habe man an den Umweltschutz gedacht, indem zu 100 Prozent über energiesparende LED-Systeme beleuchtet wird. Die Kühlmöbel arbeiten mit dem natürlichen Kältemittel CO2 und werden mit Glastüren verschlossen. Eine Betonkernaktivierung und Wärmerückgewinnung gehört zu den energetischen Vorzügen des Baus wie auch eine Beheizung aus der Abwärme der Kälteanlagen. Unter den 75 Mitarbeitern dieses neuen Markts sind auch die meisten die schon im alten tätig waren, nämlich 20.
Das Edeka Center will sich auch für den umliegenden Kiez und soziale Belange engagieren. So wurde im Rahmen der Eröffnungsfeier ein Scheck über 1.000 Euro für den Kiezladen WaMa an das Kiezband-Team überreicht, wobei darüber hinaus eine gezielte Förderung einzelner Projekte angedacht ist. Auch eine Zusammenarbeit mit der örtlichen Tafel soll es geben. Der Erlös aus der Pfandspende-Box geht an die Stiftung Deutsche Kinderkrebshilfe.

 (Text und Fotos von Joachim Schmidt vom Dörferblick. Vielen Dank)


Bürgermeister Igel eröffnete Ausstellung über 30 Jahre Kosmosviertel in der WaMa

Im Rahmen eines Jahresauftaktempfangs lud am 15. Februar 2019 der Bürgerverein Altglienicke in die Räume des Nachbarschaftstreffs WaMa in der Ortolfstraße 206B ein. Dabei wurde feierlich eine Ausstellung zur 30-jährigen Geschichte des Kosmosviertels eröffnet, welche dank einer Kooperation mit dem Projekt Kiezband die kommenden Monate dort zu sehen sein wird. Möglich wurde eine solche Präsentation außerhalb des im Bürgerhaus befindlichen Altglienicke Museums, da im Vorfeld aus Mitteln des Aktionsfonds Gelder bewilligt wurden, um mobile Ausstellungswände und Galerieschienen anzuschaffen.

Eine kurze Eröffnung machte für den Nachbarschaftstreff WaMa Marion Krippner von Kiezband, die das Wort an Bezirksbürgermeister Oliver Igel übergab. Der Bürgermeister lobte die Aktivitäten des Bürgervereins für die kontinuierliche Aufarbeitung der Altglienicker Geschichte und dass diesem kein Jubiläum im Ortsteil entgehe, während es sich in manchen anderen Ortsteilen schwieriger gestalte. Dort müssten Feierlichkeiten vom Bezirksamt angeregt werden. Hier könnte nun auf 30 Jahre Kosmosviertel zurückgeblickt werden, wo sich aktuell vieles bewege. Igel ging auf die anstehende Übertragung von Wohnungen von der Schönefeld Wohnen GmbH an die kommunale Wohnbauten-Gesellschaft Stadt und Land ein, womit sich einiges bei der Weiterentwicklung des Viertels vereinfache. Bezüge nahm er auch auf die Geschichte des Wohngebietes und dass sich manches wiederhole. Schon in den späten 80er Jahren hätte es aus der Bürgerschaft im Einfamilienhausbereich Proteste gegen eine allzu hohe und dichte Bebauung dieses Areals gegeben, so dass hier und da nachgebessert wurde. Dieses sei in heutiger Zeit nicht anders, wenn es darum gehe, Flächen für zusätzlichen Wohnungsbau zu erschließen.

Ein Streifzug durch die Geschichte des Kosmosviertels

Danach sprach der Bürgervereins-Vorsitzende Joachim Schmidt zur Geschichte des Kosmosviertels. Mit historischen Karten wurde eingangs verdeutlicht, wie sich hier bis in die zweite Hälfte der 80er Jahre hinein nur Ackerflächen befanden, es aber schon in den 30er Jahren einmal Pläne gab, im Rahmen der Errichtung der Gagfah-Siedlung bis südlich über die heutige Venusstraße hinaus Eigenheime zu errichten. Diese Pläne kamen kriegsbedingt nicht zur Ausführung. 1987 beschloss der Ost-Berliner Magistrat im Süden Altglienickes komplexen Wohnungsbau zu errichten, der vor allem den Wohnungsbedarf für Mitarbeiter bei Interflug, Akademie der Wissenschaften und Wachregiment „Feliks Dzierzynski“, aber auch der Industriearbeiter in Oberschöneweide befriedigen sollte. Das alles stand im Rahmen einer DDR-Wohnungsbauoffensive, die auf dem VIII. Parteitag der SED 1971 beschlossen wurde, um die „Wohnungsfrage als soziales Problem bis 1990“ zu lösen. In diesem Zuge entstanden durch die Bebauung bislang landwirtschaftlich genutzter Flächen 1979 Marzahn, 1985 Hohenschönhausen und 1986 Hellersdorf als drei neue Berliner Stadtbezirke. 


Auch Altglienicke sollte mit einem ursprünglich für 50.000 Menschen geplantes Wohngebiet, das auch die gesamte Gemeinde Schönefeld umfassen sollte, bis zum Jahr 1992 ein eigenständiger Stadtbezirk werden. Als Architekt verantwortlich für diese Neubaugebiete, so auch das Kosmosviertel, war der Ost-Berliner Chefarchitekt Roland Korn (*1930), der vorher für das alte Schlossportal im Staatsratsgebäude, im Rahmen der Neugestaltung des Alexanderplatzes für das Hotel-Hochhaus „Interhotel Stadt Berlin“ und das „Haus des Reisens“ sowie die unterdessen abgerissene Großgaststätte „Ahornblatt“ war. Am 17. Januar 1989 wurde an der Venusstraße die erste Platte gesetzt und da die politische Zielsetzung war, zum 40. Jahrestag der DDR ersten Bezug zu melden, zogen im September 1989 die ersten Menschen ein. Nach dem Fall der Mauer und letztlich dem Ende der DDR setzte ein Baustopp ein. Plattenbausiedlungen galten nicht mehr als zeitgemäß. Entschieden wurde, dass das, was man heute als Kosmosviertel kennt und schon hochgezogen war, noch mit dem Innenausbau fertigzustellen und dem Wohnungsmarkt zur Verfügung zu stellen. Wo im heutigen Kölner Viertel und in Schönefeld-Wehrmathen nur einige wenige Kellerfundamente standen, blieb der Stopp und wurden die Gebiete architektonisch neubeplant. Schmidt verwies dabei auf ein in der Ausstellung aufgestelltes Modell, wie das Neubaugebiet eigentlich aussehen sollte.


Aufgezählt wurde, was alles in diesem Gebiet mal an Kaufhallen, Kitas, Schulen, Wohngebietsklubs, Jugendklubs, Gaststätten etc., aber auch eine Schwimmhalle, eine Post, ein Stadion und ein Kaufhaus geplant waren. Ebenso hätte es eine großzügige Straßenplanung mit vier bis sechs Spuren vom Adlergestell zur Neubausiedlung gegeben, für die größere Teile des historischen Ortskerns rund um die Pfarrkirche abgerissen werden sollten. Die fertiggestellte Plattenbausiedlung hieß auch anfangs nur Wohngebiet 2, bis auf eine Initiative des Bürgervereins hin, es den Namen Kosmosviertel bekam, angelehnt an die Straßennamen nach Himmelskörpern.

Ein Blick auch in die Gegenwart mit dem Film "Kosmos Berlin"

Nach der ganzen Historie hieß es sich ebenso dem Aktuellen im Kosmosviertel zu widmen. Dazu wurde nochmals der 2018 veröffentlichte Film „Kosmos Berlin“ gezeigt. Vorab gab es einführende Worte von Benjamin Barthmann, der Vorstandsmitglied im Bürgerverein Altglienicke ist und an dem Filmprojekt beteiligt war. Dann wurde auch die Ausstellung und das Büffet offiziell eröffnet. Die Anwesenden konnten sich alte Bauzeichnungen, Zeitungsausschnitte und jede Menge Bilder aus 30 Jahren anschauen. Lange saß man noch zusammen, um über das eine und andere im Wohngebiet zu sprechen, etwa wie man selber die Jahrzehnte hier erlebt hat.


Wann kann die Ausstellung gesehen werden?

Die Ausstellung kann ab sofort zu sämtlichen Öffnungszeiten im Kiezladen WaMa an der Ortolfstraße 206B angeschaut werden. Dieses ist mindestens jeden Mittwoch von 11 bis 17 Uhr. (Text von Joachim Schmidt und Bilder von Benjamin Barthmann)


Bahnhofshalle Schöneweide für mindestens drei Jahre gesperrt

Bild: J. Schmidt
Bild: J. Schmidt

Trotz aller Unannehmlichkeiten, die damit dauerhaft anstehen, kann man sagen, endlich geht es los mit einem immer wieder verschobenen Bauvorhaben. Schon seit Jahren wurde nur noch das Allernotwendigste geflickt. Überall bröckelte es. Dem schmuddelig gewordenen Bauwerk im Inneren mit seinen mintgrünen Fliesen trauern nur die Wenigsten nach. Am 4. Dezember wurde die Haupthalle des S-Bahnhofs Schöneweide an der Michael-Brückner-Straße gesperrt. Damit beginnt nach der abgeschlossenen Erneuerung der Brücken am Sterndamm eine umfassende Sanierung des Bahnhofs, die sich ebenso über Jahre hinziehen wird. Im kommenden Jahr soll die fast fünf Jahrzehnte alte Zwischenhalle zwischen Hauptgebäude und Bahnsteigen abgerissen werden. Die kann sich schon deswegen hinziehen, weil Bauexperten dort Schadstoffe vermuten. Erhalten bleibt natürlich das über die Jahre wenig ansehnlich gewordene denkmalgeschützte Empfangsgebäude von 1868, welches unlängst still und leise seinen 150. Geburtstag feiern konnte. Obwohl die Bauarbeiten begonnen haben, ist aber noch unklar, wie das ganze am Ende aussehen wird, wenn bestenfalls nach drei Jahren wieder der Eingangsbereich der Öffentlichkeit zur Verfügung steht. Gerne hätten wir als „Kiezblick“ dazu Pläne eingesehen und vorgestellt. Es wird jedoch immer noch seitens der Bahn ein Investor gesucht. Ein Konzept gibt es bislang nicht, ob und inwieweit dann dort wieder Geschäfte einziehen. Vieles gilt derzeit bei der DB Station & Service als denkbar. Auch Lösungen, dass es gar nicht mehr durch das alte Bahnhofsgebäude geht, dieses anders genutzt werde, und die Zugänge dann dahinter etwas mehr seitlich erfolgen. Völlig offen ist es zugleich, ob wie früher öffentliche Toiletten dazu gehören werden. Bislang sind solche seitens der Bahn nicht eingeplant. Die Gesamtinvestitionen für die Modernisierung betragen in jedem Fall fast 100 Millionen Euro.
Die täglich fast 50.000 Fahrgäste müssen für Dauer der Sanierung einiges an Umstellung in Kauf nehmen. Genau wie jahrelang auf die Aufgänge am Sterndamm verzichtet werden musste, steht jetzt kein Zugang mehr von Niederschöneweide und damit auch direkt vom Einkaufszentrum „Zentrum Schöneweide“ zur Verfügung. Fahrgäste müssen um das Bahnareal herumlaufen oder eine Station mit Straßenbahn fahren. Es gibt nur noch die wiedereröffneten Ein- und Ausgänge am Sterndamm. Zudem bleibt noch kurzweil der in der vorherigen Bauphase geschaffene Zugang aus Johannisthal an der Buswendeschleife bis März 2019 offen. Dieses ist übergangsweise, um bis zur Schaffung von Alternativen die Behindertenzugänglichkeit über die Aufzüge im alten Fußgängertunnel weiter zu gewährleisten.
Zielstellung ist, den Bahnhof Schöneweide bei laufendem Betrieb zu sanieren. Nur an einzelnen Wochenenden soll es mal keinen Zugverkehr geben, wie man es aus Zeiten der Brückenerneuerung kennt. Die Bahnsteige werden vollständig erneuert. Es wird neue Dächer und neue Sitzgelegenheiten, aber auch künftig Fahrtreppen geben. Es soll immer nur eine Bahnsteighälfte umgebaut werden, wie schon jetzt auf einem Gleis keine Züge rollen, während auf dem anderen der Zugverkehr abgefertigt wird. Kleinere Schutzhäuser sollen auf dem Bahnsteig aufgebaut werden, in der Zeit, wenn die alten Überdachungen fehlen. Natürlich werden diese in Stoßzeiten bei Regen und Schnee nur ein minimaler Trost sein, da sie kaum allen Schutz bieten werden. Im März nächsten Jahres wird eine temporäre Aufzugsanlage in Betrieb genommen, die einen direkten Zugang zu den Bahnsteigen gewährleistet, wenn dann auch der Zugang von der Wendeschleife zum alten Tunnel dicht gemacht wird. Es handelt sich bei den provisorischen Aufzügen um eine elf Meter hohe Stahlkonstruktion aus den Niederlanden, die es in Deutschland in dieser Form noch nicht gegeben habe, heißt es seitens der Bahn. Dafür bezahlt das Land Berlin die Mietkosten von 1,3 Millionen Euro. Lange wurde von Politik und Interessenverbänden für eine weiterhin barrierefreie Zugänglichkeit gekämpft, die ursprünglich in den mindestens drei Jahren nicht vorgesehen war. Stattdessen sollte ein Busshuttle zum nächsten barrierefreien Bahnhof wie beispielsweise Baumschulenweg fahren, aber das galt als keine gute Lösung angesichts des oft starken Verkehrs auf den Wegen hin und zurück. Es siegte zudem die Einsicht, dass ein Shuttlebus nicht wirklich preiswerter ist.
Im Zuge des Um- und Neubaus der Bahnhofshalle werden auch weitere Veränderungen vollzogen. In Verlängerung der Brückenstraße am „Zentrum Schöneweide“ vorbei entsteht ein Straßenbahntunnel unterhalb der S-Bahntrasse zur Wendeschleife, womit die Tramgleise über den Vorplatz und an den Sterndamm-Brücken entfallen können. Wenn das alles erledigt ist, der Bahnhof Schöneweide wieder in neuem Glanz erstrahlt, folgt ein dritter Bauabschnitt. Der Bahnhofsvorplatz, der Cajamarcaplatz, wird komplett neugestaltet wie sich auch die verkehrliche Situation auf der anderen Seite am Sterndamm verändern wird. Unterhalb der Bahnbrücken bekommt der Sterndamm in Richtung Michael-Brückner-Straße eine zusätzliche Spur. Die Verkehrsführung auf dem ehemaligen Sternplatz wird umgestaltet. Wie im restlichen Verlauf des Sterndamms wird dann auch dort die Straßenbahn in der Mitte zwischen zwei baulich getrennten Fahrbahnen fahren, ehe sie dann in Richtung Wendeschleife abbiegt. Es bleibt zu hoffen, dass die Bauvorhaben seitens der Bahn ohne allzu viele der in Berlin regelmäßig bekannten Verzögerungen ablaufen, damit man wieder von Niederschöneweide auf kurzem Weg zum Bahnhof Schöneweide gelangen kann. Eigentlich soll das Ende 2021 wieder der Fall sein.

(Text wurde von Joachim Schmidt vom Dörferblick zur Verfügung gestellt. Vielen Dank)

 


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Bild: BVA
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Der Umbau des denkmalgeschützten Gebäudes der ehemaligen Bärensiegel-Fabrik konnte pünktlich zum Jahresende vollzogen werden. Am 10. Dezember eröffnete der Discounter Möbel Roller seine neue Filiale am Adlergestell 327-331 in Adlershof. Das Gebäude ist ein Hingucker. Zwar konnte von dem Backsteingebäude nicht viel mehr als die Fassade gerettet werden, aber immerhin das, auch wenn sich dahinter eine neue Halle aus Betonelementen verbirgt. Künftig können dort auf 10.000 Quadratmetern Möbel, Küchen und Elektrogeräte erworben werden. Lange wurde um das wie eine Ritterburg daher kommende Backsteingebäude und eine Nachfolgenutzung gerungen, nachdem es gut ein Vierteljahrhundert leerstand. Zwischenzeitlich war mal ein Standort von Mercedes Benz im Gespräch, doch die Automobilmarke sprang wieder ab. Am Ende stellte sich der mit 150 Filialen in Deutschland vertretene Möbel Discounter der Aufgabe den Standort Adlergestell Ecke Glienicker Weg unter der Auflage zu übernehmen, möglichst viel von dem Baudenkmal zu erhalten. Die Denkmalschützer waren dabei zu weitgehenden Zugeständnissen bereit, da die bauliche Substanz im Inneren durch den Leerstand arg gelitten hatten. Auf die stadtbildprägende Hülle kam es letztlich an. Anfang 2017 wurde mit dem Bauvorhaben begonnen. Übrig geblieben sind nunmehr äußerlich das sogenannte Apparatehaus mit seinen beiden Turmaufbauten und die verbliebenen Mauerelemente der ehemaligen Umfassungsmauer am Glienicker Weg und an der südlichen Grundstücksgrenze. Diese wurden in solider und ansprechend gestalteter Backsteinbauweise errichtet worden und stehen aufgrund ihrer für den Zeitraum um 1900 beispielhaften Industriearchitektur unter Denkmalschutz. An dieser Stelle wurde bereits 1890 ein Werk für Laborpräparate der ursprünglich in Berlin-Mitte ansässigen Chemischen Fabrik C. A. F. Kahlbaum gegründet. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts ließ Johannes Kahlbaum dann auch reinen Alkohol destillieren und zwischen 1904 und 1906 nach Plänen des Architekten Max Jacob aus rotem Backstein die Gebäude am Adlergestell errichten. 1927 erfolgte die Fusion von Kahlbaum mit Schering zur Schering-Kahlbaum AG, ab 1937 nur noch Schering AG.
Nach dem 2. Weltkrieg ging man in der DDR den Schritt vom Chemiewerk zur "Schnapsbude". Schering wurde enteignet. Der benachbarte Teil wurde zunächst VEB Schering und dann VEB Berlin-Chemie. Und am anderen am Adlergestell wurde auf Beschluss des Magistrats von Groß-Berlin vom 1. März 1949 unter dem Namen VEB Großberliner Getränkeindustrie ein Produktionsstandort gegründet, am 4 August 1950 kam es zur Umbenennung in VEB Bärensiegel. Noch 1989 produzierte der VEB Bärensiegel mit etwa 400 Mitarbeitern 26 Millionen Flaschen Hochprozentiges wie etwa „Adlershofer Wodka“, „Berliner Klarer“, „Goldkrone“ und „Wurzelpeter“, die
teils heute noch im Sortiment des Weinunternehmens Franz Wilhelm Langguth Erben GmbH & Co. KG, Traben-Trarbach beliebt sind. Die Produktion in Adlershof wurde 1994 nach dem Verkauf durch die Treuhand aufgegeben. Seither wurden einzelne Räumlichkeiten an verschiedene kleinere Gewerbetreibende vermietet, die die entsprechenden Flächen insbesondere für Lagerzwecke, als Abstellfläche für Fahrzeuge oder für kleinere Dienstleistungszwecke nutzten. Jetzt zieht neues Leben ein.
(Text wurde von Joachim Schmidt vom Dörferblick zur Verfügung gestellt. Vielen Dank)