125 Jahre Teltowkanal, 100 Jahre Kirche Johannisthal und vieles mehr – Auch 2021 verspricht wieder viele Jubiläen und Gedenktage

Teltowkanal in Altglienicke Bild: BVA
Teltowkanal in Altglienicke Bild: BVA

Runde und halbrunde Jahrestage haben es in Zeiten der Corona-Pandemie schwer durchzudringen. Jedes Jahr gibt es eine ganze Reihe davon, die oft Anlass von Würdigungen durch Festveranstaltungen, Ausstellungen und Veröffentlichungen sind. Wie wir wissen, ist davon ab dem Frühjahr 2020 ganz vieles auf der Strecke geblieben.

So manche oft jahrelang vorbereitete Festlichkeit oder mühsam aufgebaute Ausstellung konnte nicht wie geplant stattfinden, da das Coronavirus größere Zusammenkünfte nicht zuließ. Auch das neue Jahr 2021 hat wieder eine Menge große und kleine Jubiläen und Gedenktage zu bieten. Schaut man in die Veranstaltungskalender spürt man ungewöhnlich große Zurückhaltung, etwas für 2021 anzukündigen, was aber auch klar ist, denn das Virus wird uns mit Sicherheit noch die ganze erste Jahreshälfte mit Einschränkungen beschäftigen. Wer will da etwas vorbereiten? Trotzdem wollen wir auch dieses Jahr auf einige Jubiläen schauen, die nur eine subjektive Auswahl darstellen können.

Am 5. Mai ist der 200. Todestag von Napoleon Bonaparte. Vor 200 Jahren wurde am 25. Mai 1821 das nach Schinkels Plänen errichtete Konzerthaus am Gendarmenmarkt eröffnet. Zur Premiere erklang Händels „Alexanderfest”. Am 13. Oktober 1821 wurde der weltberühmte Mediziner Rudolf Virchow im hinterpommerschen Schivelbein geboren. 1856 kam er als Professor nach Berlin und wirkte hier bis zu seinem Tod 1902. Daneben war der nunmehr 200-jährige Arzt auch noch für die liberale Fortschrittspartei (später Deutsche Freisinnige Partei) aktiv, war Landtags- und Reichstagsabgeordneter und machte sich so im Parlament als Gegenspieler Otto von Bismarcks einen Namen. Am 11. November wird der 200. Geburtstag des russischen Schriftstellers Fjodor Dostojewski begangen. 150 Jahre alt wird der im Spiegelsaal von Versailles verkündete erste deutsche Nationalstaat. Am 18. Januar 1871 wurde nämlich das Deutsche Reich gegründet. Der preußische König Wilhelm I. wurde deutscher Kaiser und Berlin Reichshauptstadt. Kurz nach der Reichsgründung geboren hat seinen 150. Geburtstag am 4. Februar der erste deutsche Reichspräsident Friedrich Ebert (SPD). Der wohnte sogar von 1912 bis 1919 in Treptow – in der Defreggerstraße 20.

Am 12. Mai wäre der 100. Geburtstag des Künstlers Joseph Beuys. Vor 100 Jahren gab es eine meteorologische Sensation in Berlin. Am 6. Juni 1921 fielen in eigentlich sommerlich geprägter Jahreszeit im Rahmen einer extremen Kälteperiode Schneeflocken. Im September 1921 eröffnete im Grunewald die erste reine Autostraße der Welt. Mit der als Übungs und Rennstrecke gebauten Avus begann vor 100 Jahren die Geschichte der Autobahn. Am 24. September startete dort auch das erste Avus Rennen. Im August werden die 1946 aus Zusammenlegungen entstandenen Bundesländer Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein und Rheinland-Pfalz, im November Niedersachsen 75 Jahre alt. Zum 60. Male jährt sich am 13. August der Bau der Berliner Mauer 1961. Am 19. Januar 1971 – vor 50 Jahren – gab es nach 19 Jahren Kappung sämtlicher Leitungen erstmals wieder Telefonverbindungen zwischen Ost- und West Berlin. Am 15. Januar wird die uns oft hilfreiche Online-Enzyklopädie Wikipedia 20 Jahre alt. Die Terroranschläge in den USA vom 11. September 2001 werden zum 20-jährigen Gedenken mahnen. Am 11. März jährt sich die Nuklearkatastrophe von Fukushima zum zehnten Male. Das und viel mehr werden uns zumindest die großen Medien wachrufen.

Für uns als Lokalzeitung in Treptow Köpenick ist sicher bewegender, was es an Jubiläen hier draußen in den Verteilgebieten von „Dörferblick” und „Kiezblick” gibt. Über das eine und andere werden wir sicherlich 2021 noch ausführlicher schreiben.

Was gibt es da?

Auf 100 Jahre kann die evangelische Kirchengemeinde Johannisthal am Sterndamm zurückblicken.
Auf 100 Jahre kann die evangelische Kirchengemeinde Johannisthal am Sterndamm zurückblicken.

Vor 125 Jahren wurde am 2. Juni 1896 der Teltowkanal in Betrieb genommen. Am 31. Oktober 1891 – vor 120 Jahren – wurde die Bahnstrecke zwischen den Bahnhöfen Niederschöneweide-Johannisthal (heute Schöneweide) und Spindlersfeld in Betrieb genommen. Im Jahre 1906 wurden in unserer Region richtig viele Gebäude fertiggestellt. Hier mussten wir uns gar auf eine Auswahl beschränken. 115 Jahre ist es am 20. März her, dass am Glienicker Weg 125–127 in Adlershof die Fabrikanlage der Brennerei C.A.F. Kahlbaum (nach 1945 Spirituosenfabrik von VEB Bärensiegel) eröffnet wurde. Heute steht dort nur noch die denkmalgeschützte Außenfassade als Eingangsbereich zu einem modernen Möbeldiscounter. Ebenso vor 115 Jahren fanden die ersten Rudermeisterschaften für alle Bootsklassen in Grünau statt. 115 Jahre ist es zugleich her, dass nach zweijähriger Bauzeit die Friedenskirche in Grünau an einem 14. Dezember eingeweiht wurde. Genauso lang jährt sich die Errichtung des Johannisthaler Rathauses nach einem Entwurf des Charlottenburger Architekten Georg Roensch. Auf 115 Jahre schauen als neugotische Baudenkmäler auch in Altglienicke das Wasserwerk in der Straße Am Falkenberg und der Wasserturm in der Schirnerstraße – eröffnet am 11. September 1906 – zurück. Wir haben auch Hundertjährige. Vor 100 Jahren eröffnete am 3. Juli 1921 die evangelische Kirchengemeinde Johannisthal am Sterndamm ihr erstes eigenes Gotteshaus, das alles in einem umgenutzten Saalbau, der zuvor als Ausflugsgaststätte „Kaiser-Wilhelm Garten” und danach noch kurzzeitig als Kino diente. 100 Jahre kann auch in Niederschöneweide die Wohnsiedlung „Siedlung Oberspree” zwischen Hartriegel- und Oberspreestraße feiern, die 15 Jahre später zu ihrem heutigen Umfang erweitert wurde. Auf 90 Jahre kann 2021 im Osten Johannisthals die gesamte Wohnbebauung Hagedornstraße/ Am Grünen Anger/ Greifstraße/ Nieberstraße/ Pilotenstraße nach einem Entwurf von Jakobus Goettel für die „Stadt und Land Siedlungsgesellschaft Johannisthal” zurückschauen. 85 Jahre jähren sich die XI. Olympischen Wettkämpfe in Berlin und damit auch auf der Regattastrecke Grünau. Diese begannen hier am 14. August 1936 mit den Ruderwettbewerben. Deutschland holte dabei als neuen Rekord in den sieben Kategorien fünfmal Gold. Vor 75 Jahren gab es am 20. Oktober 1946 in den Berliner Bezirken die ersten und für 44 Jahre im Ostteil auch letzten freien Wahlen nach dem Krieg, bei denen die SPD in Treptow und Köpenick mit 40,7 % bzw. 37,9 % als stärkste Partei hervorging. 70 Jahre ist es her, dass die Schauspielschule des Deutschen Theaters unter Max Reinhardt eigene feste Räumlichkeiten in Niederschöneweide in einem ausgedienten Bootshaus der ehemaligen Rudergesellschaft „Wiking” erhielt. Diese wurde 1981 in die Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch” umgewandelt. 2018 erfolgte allerdings der Umzug von der Schnellerstraße nach Berlin-Mitte. Das Gebäude ist derzeit verwaist. 1956, damit vor 65 Jahren, nahm als Neubau die 9. Grundschule im Ellernweg 20 in Johannisthal den Schulbetrieb auf. Es ist Standort des heutigen Montgolfier-Gymnasiums. 65 Jahre jährt sich zugleich am 21. April die Entdeckung des in der „Operation Gold” vom US-Geheimdienst CIA errichteten Spionagetunnels von Rudow nach Altglienicke. Am 31. Januar feiert der Bürgerverein Altglienicke seinen 30. Gründungstag bzw. muss es zu einem späteren Zeitpunkt nachholen. Vor 30 Jahren wurde am 8. März1991 das Heimatmuseum Treptow im Rathaus Johannisthal eröffnet. Am 24. August 1991 – damit genauso lange zurückliegend – wurde als ein nach zeitweisem Baustopp zur Wendezeit schließlich noch fertiggestellter DDR-Typenbau die 13. Grundschule am Saturnring in Altglienicke eingeweiht. 

Vor 115 Jahren wurde in Adlershof die Fabrikanlage der Brennerei C.A.F. Kahlbaum eröffnet – nach 1945 Spirituosenfabrik von VEB Bärensiegel. Hier zu sehen das Gebäude vor dem Umbau im Jahr 2014.
Vor 115 Jahren wurde in Adlershof die Fabrikanlage der Brennerei C.A.F. Kahlbaum eröffnet – nach 1945 Spirituosenfabrik von VEB Bärensiegel. Hier zu sehen das Gebäude vor dem Umbau im Jahr 2014.

Heute wird das komplett modernisierte Gebäude vom Anne-Frank-Gymnasium genutzt. Seinen 30. Todestag hat am 12. Juli der Altglienicker Schauspieler und Fernsehmoderator Willi Schwabe („Rumpelkammer”). Zum Jahresende, am 31. Dezember 2021, jährt sich zum 30. Male die letzte Sendung des in Adlershof ansässigen „Deutschen Fernsehfunks“. Damit endete über ein Jahr nach der Wiedervereinigung die Geschichte des einstigen DDR-Fernsehens und neue ARD-Länderanstalten wie der MDR und ORB (heute RBB) übernahmen die Nachfolge. Vor 30 Jahren wurde auch am 21. September die Entwicklungsgesellschaft Adlershof gegründet, aus der 1994 die WISTA hervorging, die sich heranmachte, die einstigen Liegenschaften der Akademie der Wissenschaften, des MfS Wachregiments Feliks Dzierzynski und des Fernsehfunks zu entwickeln zu einem modernen Wissenschafts-, Wirtschafts- und Medienstandort Adlershof. 20 Jahre gibt es seit dem 1. Januar den Bezirk Treptow-Köpenick. Mit dem Inkrafttreten der Berliner Bezirksgebietsreform wurden 23 zu 12 Bezirken fusioniert, hier dabei Treptow und Köpenick. Ebenso vor 20 Jahren eröffnete der in der Straße An der Wuhlheide ansässige Mellowpark, der größte Skate- und BMX-Park Berlins. Am 3. Mai 2001 wurde zur Umgehung des Altglienicker Ortskerns das Ernst-Ruska-Ufer dem Verkehr übergeben. Auch schon zwei Jahrzehnte her. Am 6. Juli erfolgte Richtfest für den ersten Neubau der Humboldt-Universität in Adlershof – mit dem Institut für Physik. Der Grünauer Schriftsteller Stefan Heym wird am 16. Oktober genau 20 Jahre tot sein. 15 Jahre sind vergangen, seit am 20. Dezember 2006 der Groß-Berliner Damm (bis dahin Sackgasse) von Johannisthal nach Adlershof verlängert wurde. Vor 10 Jahren wurde das Jugendzentrum Johannisthal an der Winckelmannstraße an die tjfbg gGmbH in freie Trägerschaft übergeben und zum Kiezzentrum entwickelt. Am 27. Oktober jährt sich zum zehnten Male, dass Oliver Igel (SPD) zum Bezirksbürgermeister von Treptow-Köpenick gewählt wurde. Er war damals mit 32 Jahren der bislang jüngste Berliner Bezirksbürgermeister. Unterdessen hat er diese Besonderheit auch schon wieder verloren, nachdem sein Amtskollege in Neukölln das Amt 2018 mit nur 31 Jahren antrat. Mit einem noch jungen Jubiläum kann im Mai das Quartiersmanagement Kosmosviertel auf fünf Jahre zurückblicken.

(Text wurde von Joachim Schmidt vom Dörferblick zur Verfügung gestellt. Vielen Dank

Bilder: Bild 1: BVA, Bild 2: Wikipedia, Bild 3: Wikipedia / Sebastian Rittau


Seltene Pflanzen im Altglienicker Kosmosviertel entdeckt

Der herzblättrige Trompetenbaum, Foto: Detlef Kirstein
Der herzblättrige Trompetenbaum, Foto: Detlef Kirstein

Oft fehlt uns der Blick für die Schätze der Natur in unserer unmittelbaren Umgebung. Ein Projekt im Kiezladen WaMa befasst sich seit 2019 mit den Bäumen und Sträuchern im Grünzug des Kosmosviertels - darunter allerlei Exoten, die es nicht allzu häufig in unserer Region gibt. Der Herzblättrige Trompetenbaum, der Japanische Schnurbaum, der Kentucky-Coffeetree (auch Geweihbaum genannt), das Chinesische Rotholz (auch Urweltmammutbaum genannt) oder die Schwedische Mehlbeere – bei solch wohlklingenden Namen wähnt man sich in einem botanischen Garten, aber nicht unbedingt im Grünzug des Altglienicker Kosmosviertels. Dieser hat tatsächlich wahrhafte Schätze an Baum- und Straucharten zu bieten, die in Berlin äußerst selten zu finden sind. Als vor mehr als drei Jahrzehnten das Kosmosviertel entstand, wurden auf einer zuvor ausschließlich landwirtschaftlich genutzten Fläche erste Bäume gepflanzt. In den folgenden Jahren legte man bei der Schaffung des Grünzuges großen Wert auf eine besondere gartenarchitektonische Gestaltung. Leider ist diese Besonderheit an Bäumen und Sträuchern inzwischen in Vergessenheit geraten. Die meisten von uns erkennen bestenfalls Ahorne, Birken, Eichen, Kastanien oder Linden, wie sie häufig den Berliner Straßenrand säumen.

Nicht so der Geologe Detlef Kirstein, der sich hauptsächlich mit Mineralogie und Paläontologie beschäftigte, später aber auch sein Interesse für die lebende Botanik entdeckte und in mehreren natur- und umweltpädagogischen Einrichtungen arbeitete. Schließlich trat er eine Stelle im Kiezladen WaMa im Altglienicker Kosmosviertel an. Sofort fielen ihm auf seinem Arbeitsweg die vielen exotischen Pflanzen im Grünzug des Viertels auf, von denen einige sogar auf anderen Kontinenten beheimatet sind. Detlef Kirstein begann, den gesamten Baum- und Strauchbestand im Grünzug zu sichten, zu analysieren und zu erfassen. Während er unserer Redaktion die Entwicklung beschreibt, kommt er immer wieder ins Schwärmen über die diversen Baumarten, ihre Herkunft, Blätter, Früchte und weiteren Besonderheiten: etwa der im Herbst leuchtend gelb schimmernde Eisenholzbaum, der als Ziergehölz aus dem Iran stamme. Einige Bäume und Sträucher seien dabei auch ein beliebter Lebensraum für bestimmte Insektenarten.

Als im Jahr 2019 der Bürgerverein Altglienicke im Kiezladen WaMa eine Ausstellung zu 30 Jahre Kosmosviertel eröffnete, hielt Detlef Kirstein einen ersten Vortrag über die botanische Vielfalt im Quartier. Ergänzend kam die Ausstellung „Natur im Kosmosviertel“ hinzu. Auf der Webseite der WaMa stellt Detlef Kirstein alle zwei Wochen ausführlich neue Baumarten vor: http://kiezladen-wama.de/gruenzug/

Für sein Projekt bekam er schon jede Menge positives Feedback. Zukünftig sind weitere Aktionen geplant: 2021 sollen vor einigen Bäumen Beschilderungen mit Informationen zur Baumart angebracht werden. Im Schaufenster des Kiezladens WaMa soll es eine Bildschirmpräsentation geben. Darüber hinaus sind Projekte mit Kindern geplant, etwa in Zusammenarbeit mit Schulen, in denen spielerisch Wissen über die Baumarten vermittelt wird –natürlich nur in dem Rahmen, den die Corona-Situation zulässt.

Quartiersmanagement & BENN Kosmosviertel                                               
Schönefelder Chaussee 237, 12524 Berlin - Tel:  (030) 77 32 01 95

www.kosmosviertel.de  - team@kosmosviertel.de


Deutsch – Polnisches Gedenken - Friedhof Altglienicke – von einer Begräbnisstätte zum Erinnerungsort

Die Familie des ermordeten Pfarrers Waclaw Zienkowski besuchte am 9.November dessen Begräbnisort, den Altglienicker Städtischen Friedhof Schönefelder Chaussee. Momentan befindet sich an dieser Stelle lediglich ein Erinnerungsstein auf einem Sammelgrab mit der Inschrift: „Den 1284 ermordeten Antifaschisten, deren Asche hier bestattet ist.“ Dem Engagement Klaus Leutners, Mitglied im Bürgerverein Altglienicke, ist es zu verdanken, dass alle hier namenlos Bestatteten ihre Namen wiederbekamen und ihnen demnächst an diesem Ort mit einer angemessenen Begräbnisstätte und Erinnerungsort gedacht werden kann. Es handelt sich nicht um die Aschen von 1360 (das ist die genaue Zahl!) Antifaschisten. Ob bewusste Geschichtsfälschung oder Ignoranz?! Wir wissen es nicht. Begraben sind hier von tumben Nazis in Konzentrationslagern ermordete Häftlinge aus etlichen überfallenen Länder sowie Euthanasieopfer und Geistliche. Von diesen 18 polnisch-katholischen Pfarrern ist einer Waclaw Zienkowski. Die Namen dieser 1360 Opfer wurden handschriftlich von 1360 Menschen aller Altersgruppen, in den letzten Monaten aufgeschrieben und werden auf große Tafeln des neu zu gestaltenden Erinnerungsortes aufgedruckt. Dieses Projekt der Künstlerin Katharina Struber und ihres Mannes Klaus Gruber – Architekt, gewann die Ausschreibung des Senates von Berlin zur Gestaltung des Ortes. Die Großnichte des Pfarrers Zienkowski, Krystina Iwanicka, und ihre Tochter Katarzyna Scwacinska fanden im weltweiten Netz somit den tatsächlichen Ort, an dem sie ihrem Großonkel gedenken können. Bis dahin gab es nur den Ort des Mordes, das Konzentrationslager Sachsenhausen, für stille Trauer. Bezirksbürgermeister Oliver Igel, über alle Fortschritte als auch Entwicklungen zum neuen Begräbnis- und Erinnerungsort in Altglienicke informiert, machte den Besuch der Familie des Pfarrers zur Chefsache. Nur so, unter fachkundiger Organisation des Leiters „Veranstaltungsdienst“ im Bezirk Treptow-Köpenick Herrn Pabst, war es möglich, diese Veranstaltung in Corona-Zeiten über Religions- und Ländergrenzen hinweg zu realisieren. Dank gilt auch den wenigen Gästen, die teilnehmen konnten sowie den vielen, welche leider pandemiebedingt nicht teilnehmen durften! Weiterhin dem Gesundheitsamt, welches mit zeitnahen Tests unserer polnischen Besucher unterstützte.


Neben Oliver Igel, Bezirksbürgermeister Treptow-Köpenick, ergriffen ebenfalls die Pastoren Lutz Nehk (Beauftragter Gedenkkultur Kath. Kirche) und Pfarrer Mathias Laminski (Kath. Pfarrer Treptow-Köpenick) das Wort. Sehr eindrücklich waren die Worte des Schülersprechers des Archenhold-Gymnasiums, Hendrik Wieja, welcher von der Lehrerin Kerstin Neiß begleitet wurde. So von Emotionalität geprägt, wie man es wohl nur bei jungen Menschen finden kann. Das Archenhold-Gymnasium Berlin-Schöneweide wird mit dem Bürgerverein Altglienicke die Pflege des zukünftigen Erinnerungsortes bewerkstelligen. Leider keine Resonanz von „unserem“ Gymnasium vor Ort. Neben dem Initiatorenehepaar Leutner nahmen noch Ulrike Kind (Senatsbeauftragte Ost- u. Mitteleuropa) sowie Friedhofsleiterin Frau Ganzauge und Marc Wesser (Vorsitzender Deutsch-Polnische Juristenvereinigung) teil. Die Großnichte Waclaw Zienkowskis, Krystina Iwanicka, war in ihrer kurzen Dankesrede sichtlich bewegt. Gelebte Völkerfreundschaft – so einfach kann es sein! Mit dieser Veranstaltung, am 9. November 2020 in Altglienicke, wurde dem doch so geschichtlich bedeutsamen Datum, eine positive Seite ins dicke Buch der Geschichte hinzugefügt.

Ronald Seiffert – Bürgerverein Altglienicke


Weidmanns zäher Widerstand: Wie Altglienicke 1920 doch noch zu Groß-Berlin kam

Alt-Glienicke bei Berlin. Friedrichstraße, vermutlich Mitte der 20er Jahre (Bild: BVA)
Alt-Glienicke bei Berlin. Friedrichstraße, vermutlich Mitte der 20er Jahre (Bild: BVA)

Vor 100 Jahren wurde Groß-Berlin geschaffen. Die Einwohnerzahl der deutschen Hauptstadt verdoppelte sich am 1. Oktober 1920 schlagartig durch Eingemeindung von sechs Städten, 59 Landgemeinden und 27 Gutsbezirken auf etwa 3,8 Millionen, die Fläche verdreizehnfachte sich von 66 auf knapp 880 Quadratkilometer. Dem ging ein jahrelanger politischer Streit über die neue Großgemeinde voraus. Schon ab 1911 gab es einen „Zweckverband Groß-Berlin”, der eine enge Zusammenarbeit von Stadt und Umland regelte, für mehr gab es aber keine Mehrheit. Dem Verband gehörten Gemeinden an, die später nicht zu Berlin fanden, andere wie Altglienicke wiederum nicht. Die maximalmögliche Ausdehnung war durch eine Portozone bestimmt, in der ein gewöhnlicher Brief von der Oberpostdirektion Berlin für 5 Pfennig zugestellt wurde. Während sich politisch linke Kräfte durch Groß-Berlin eine Verbesserung der sozialen Situation der dicht zusammenlebenden Arbeiter erhofften, die vermehrt in neuen Fabriken außerhalb der Stadtgrenzen tätig waren, befürchteten die Bürgerlich-Konservativen, dass mit Groß-Berlin die ländlich geprägten Vorortgemeinden zusätzlich den Sozialdemokraten anheimfallen könnten. Am 27. April 1920 stimmten schließlich in der Verfassungsgebenden Preußischen Landesversammlung SPD, USPD und Teile der DDP dafür, DNVP, DVP und Zentrum dagegen. Das fünf Monate später in Kraft tretende Groß-Berlin-Gesetz war mit 164 gegen 148 Stimmen bei fünf Enthaltungen knapp beschlossen. mehr lesen ...


Es geht wieder voran beim einzigartigen „Adlershofer Fundus”

Unzählige historische Radios, Film- und Fernsehgeräte sind hier zu finden
Unzählige historische Radios, Film- und Fernsehgeräte sind hier zu finden

Fast zwei Jahre war der „Adlershofer Fundus” in der Ernst-Augustin-Straße 7 geschlossen. Der umfangreichen, seit 1952 aufgebauten Sammlung von Requisiten und Kostümen des Deutschen Fernsehfunks (DFF) der DDR drohte das endgültige Aus durch eine Versteigerung. Dabei war dieser großartige Nachlass des vor fast 30 Jahren eingestellten DDR Fernsehens schon einmal geschmälert worden. Die ARD-Anstalten zeigten nach der Wiedervereinigung kein Interesse, den Bestand zu übernehmen, so wurde er 1992 in seiner ganzen Breite an einen Baumaschinenhändler und Konkursverwalter verkauft. Der suchte sich gleich einige Sahnestücke aus, wie die Autosammlung aus verschiedenen Epochen und verkaufte sie. Um die Jahrtausendwende wechselte nochmals der Eigentümer. 2018 gab es schließlich einen Streit um Finanzen, auch hinsichtlich der Mietkosten, in deren Zuge wieder eine Zwangsversteigerung im Raum stand. Seitdem stand ein „Vorübergehend geschlossen” an der Tür. Es gab zeitweise kaum noch Hoffnung. Trotz Corona-Krise konnte der Adlershofer Fundus in der ersten Jahreshälfte nun wieder öffnen.

Dass es so ist, dem ging ein zäher Kampf von Anne Becker voraus, die dort schon in den letzten Jahren des DDR-Fernsehens im Bereich Kostümbild zu arbeiten begann und persönlich viel Herzblut in den Erhalt dieser Institution steckt. Als 2018 das Aus drohte, suchte sie die Öffentlichkeit, schrieb Briefe an den Kultursenator und letztlich gab es als Erfolg, dass das Immobilienunternehmen Navigo Capital mit einer Tochterfirma den Adlershofer Fundus übernahm. Seitdem geht es wieder vorwärts und können Magazinbestände ausgeliehen werden.

Nachdem wir in unserer letzten Zeitung nicht ganz korrekt schrieben, dass das „Theater Adlershof” im letzten so erhaltenen DDR-Fernsehstudio beheimatet ist, nahm Anne Becker zu uns Kontakt auf, dass es davon noch einiges mehr auf dem alten Fernsehfunk-Gelände, der heutigen Media City Adlershof, gibt, darunter auch Gebäude, die nach wie vor der Fernsehproduktion dienen. Dass hier Formate wie „Hart aber Fair”, „Voice of Germany”, „Anne Will” und mehr produziert werden, war uns nicht unbekannt, aber manchem der Studios schrieben wir zu, ein völliger Neubau zu sein. Tatsächlich gab es sie, nur heute modernisiert, auch schon vor 1990. Inmitten dieses geschichtsträchtigen Geländes befindet sich natürlich der Kostüm- und Requisitenfundus, über dessen Schließung wir auch schon mal vor zwei Jahren geschrieben hatten. So ergab es sich, dass wir beim Adlershofer Fundus vorbei schauten, der mit seinem Interieur gut 40 Jahre lang DDR-Filmproduktionen wie Willi Schwabes „Rumpelkammer” oder „Polizeiruf 110” ausstattete. Auch nach der Wende lieferte man wichtiges Beiwerk für bekannte Filme wie „Good bye, Lenin!” und „Sonnenallee”, die noch mal auf ihre Weise das Ende der DDR wachriefen. Als wir von Anne Becker geführt die Magazinräume im Keller eines alten Plattenbaus an der Ernst Augustin-Straße betreten, ist man beeindruckt, was es säuberlich in Kammern und Regalen aufgereiht so alles gibt. Da finden sich zum einen unzählige Kostüme aus verschiedensten Epochen, zum anderen Möbel und Alltagsgegenstände von früheren Jahrhunderten bis heute. Es gibt Briefkästen von Kaiserlicher Post bis Deutsche Post der DDR, man erblickt hunderte Radios und Fernsehgeräte, alte Schreibmaschinen, Telefone und Musikaufführungsgeräte, sogar ein altes Polyphon, der erste Vorläufer noch des dem Schallplattenspieler vorausgegangenen Grammophons, unzählige Musikinstrumente, alte Computer, einen ganzen Raum mit Zeitungen und Zeitschriften aus der DDR, aber auch davor, alte Telefonbücher, aber auch Regale mit Tellern, Tassen und Besteck. In einem Raum steht ein kompletter alter Kneipentresen.

Einen kompletten alten Kneipentresen gibt es ebenfalls zum Verleih
Einen kompletten alten Kneipentresen gibt es ebenfalls zum Verleih

Auch ganze Litfaßsäulen mit historischen Anschlägen kann man leihen. Weitere Regal-reihen sind voll mit alten Ostprodukten, mit denen man gut eine kleine Konsum-Kaufhalle füllen könnte: vom Glas mit Sauerkirschen über Tempobohnen bis hin zum Rotkäppchen-Sekt in DDR-Design. Es gibt originale Pfandkästen mit den dazu gehörigen Flaschen, teils aus Holz. Nur einen typischen Einkaufswagen aus der Zeit vor 1990 habe man leider nicht. Der Adlershofer Fundus stattet heute nicht nur Film- und Fernsehproduktionen aus, sondern auch Theaterstücke und Fotoshootings. Was man nicht mehr mache, ist private Kostümfeste auszustatten, da es da vor Ort andere Anbieter gebe. Die Nachfrage nach Ausstattungsgegenständen aus dem Fundus mit seinen Schätzen aus verschiedensten Zeitepochen nehme wieder deutlich zu. In diesem Jahr lieferte man Ausstattungsgegenstände für Leander Haußmanns neuen Film „Stasikomödie” wie auch die TV Serie „Deutschland 89”.

Mittlerweile ist man sogar wieder so weit, den Leihbestand des Fundus zu erweitern.

Es haben Alltagsgegenstände aus der Zeit nach der Wiedervereinigung Platz gefunden, aber auch die aus der DDR wachsen wieder. Immer wieder gibt es Menschen, die für Dinge aus der Zeit bis 1989 keine eigene Verwendung mehr haben, diese aber auch nicht wegwerfen wollen und so der Sammlung zur Verfügung stellen. Die werden dann in den Magazinbestand eingeordnet. Auf diese Weise unterstützt so mancher diese in Deutschland einzigartige Einrichtung, denn es gibt keinen vergleichbaren Film- und Fernsehfundus. Mehr erfährt man auch über www. crew-united.com. Der Fundus öffnet aktuell nach Vereinbarung. Informationen gibt es unter Telefon 030 / 66 50 41 75 oder 0176 / 72 68 34 42. Wer derzeit zu Besuch kommt, sollte unbedingt eine Mund-Nasen-Maske mitbringen. 

(Text und Bilder wurden von Joachim Schmidt vom Dörferblick zur Verfügung gestellt. Vielen Dank)


30 Jahre Deutsch/Deutsches Miteinander - Nachbarschaftsfest in Altglienicke

Mit viel Einfallsreichtum und Tatendrang, dazu noch an historisch korrektem Ort, fand das Nachbarschaftsfest zum 30jährigen Einheitsjubiläum in der Altglienicker Wohnsiedlung Grüneck am 3. Oktober seine Vollendung. Die Organisatoren, allesamt partyerfahren und seit etlichen Jahren die Initiatoren des Weihnachtsstraßenfestes der Nachbarschaft „LieselDank“, hatten eine ganz spezielle Idee! Wenn schon das Symbol der Deutschen Einheit, auf Grund besonderer äußerer Umstande, nicht besucht werden kann, dann holen wir es einfach vor unsere Haustür. Gesagt – getan, das Brandenburger Tor entstand unter fachkundiger Leitung von „Ingenieur“ Thomas, natürlich nicht ohne Mithilfe fleißiger Helfer, direkt am alten Grenzstreifen im Dankmarsteig. Deutschlandfahnen und DDR-Flagge waren gehisst. Am gleichen Ort befand sich bis 1989 ein Alarmtor der Grenztruppen der DDR, um schnellen Zugang/Zufahrt zum Grenzstreifen bei Grenzalarm zu gewährleisten. Letztes Jahr am 9. November, wurde an gleicher Stelle die Grenze geöffnet. Zum 30. Jahrestag des Mauerfalls wurde die originalgetreu hergerichtete Grenze mit Grenzsoldaten, Schlagbaum und Panzersperren filmreif unter „Wir sind das Volk“ – Rufen niedergerannt! Gemächlicher deshalb, nach so viel Aufregung im letzten Jahr, das diesjährige Einheitsfest der Nachbarn aus Lieselstraße, Dankmarsteig und Gustelstraße. Viele Geschichten wurden selbstverständlich ausgetauscht, neue Ideen für ́s nächste Jahr angedacht. Die nächsten „Herrenrunden“ über den Gartenzaun werden schon wieder etwas Spektakuläres zustandebringen, was von den zu Hause entscheidenden Damen festgelegt wird. Wir Nachbarn sind schon neugierig! Ronald Seiffert – interessierter und informierter Nachbar


Von einer unsinnigen Umbenennung des Betriebsbahnhofs Schöneweide in Johannisthal

Bild: www.altglienicke24.de
Bild: www.altglienicke24.de

Wer mit den „Öffentlichen” nach Johannisthal will, muss traditionell S-Bahnhof Schöneweide aussteigen. Er liegt direkt an der Ortsteilgrenze. Bis 1929 hieß der Bahnhof sogar Niederschöneweide-Johannisthal, bis die Bahnverantwortlichen den Namen verkürzten. Von Schöneweide erreicht man über den Sterndamm in wenigen Minuten den historischen Ortskern Johannisthals. Nun beabsichtigt völlig unverständlich die Deutsche Bahn nicht ganz kundige Menschen, die das Ziel Johannisthal haben, in die Randlage eines neuentstehenden Gewerbegebietes zu verfrachten, wo es zum bewohnten Bereich des Ortsteils zumeist weit weg ist. Bereits zum kommenden Fahrplanwechsel im Dezember 2020 will die Deutsche Bahn AG den Betriebsbahnhof Schöneweide in Johannisthal umbenennen. In wenigen Monaten. Kurios ist dabei, man erreicht von dort gar nicht auf legalem Weg Johannisthal, denn für die alle paar Minuten frequentierten S-Bahn-Schienen heißt es „Betreten verboten”. Eine darüber zum alten Betriebs- und Güterbahnhof führende Brücke darf zwar für eine einzelne Feste am historischen Lokschuppen geöffnet werden, ist aber ansonsten wegen baulicher Schäden nicht für eine generelle Öffnung genehmigungsfähig. Es muss also erstmal eine neue Brücke her, damit man vom alten Betriebsbahnhof nicht nur den Lok-Sportplatz und die Werkstätten am Adlergestell erreicht, sondern auch Johannisthal. Eine Anfrage im Abgeordnetenhaus ergab, dass die Brücke von dem eigens umbenannten „Bahnhof Johannisthal” nach Johannisthal frühestens in drei Jahren kommen soll. Das fand man selber bei Bahn und Senat etwas merkwürdig, so dass man nun eine Beschleunigung des Brückenbaus zusicherte. Ein erster Spatenstich für eine neue Brücke westwärts ist nun zum Dezember 2020 angekündigt, im Zusammenhang mit der Umbenennung des Betriebsbahnhofs. Man beabsichtigt die Brücke binnen eines Jahres fertigzustellen. Mal schauen, ob das wirklich so klappt. Doch auch dann erscheint die Umbenennung des Betriebsbahnhofs weiter merkwürdig, denn das gesamte Areal des früheren Rangierbahnhofs zählt historisch zum Ortsteil Niederschöneweide, so auch ein großer Teil des neuentstehenden Gewerbeparks Gleislinse. Wer folglich meint, über die künftige Brücke Johannisthal erreicht zu haben, läuft erst einmal weiter durch Niederschöneweide. Ein Grund, weswegen der Betriebsbahnhof nun unbedingt umbenannt werden muss, ist nicht erkennbar. Zwar sind die weitreichenden Gleisanlagen des Güterbahnhofs verschwunden, aber einige denkmalgeschützte Gebäude werden weiter die Geschichte dieses Geländes erzählen, wie es auch weiterhin auf der anderen Seite des Adlergestells das Bahnausbesserungswerk gibt. Warum nicht historisch weiter Betriebsbahnhof? Oder etwa Gleislinse Schöneweide?

In jedem Fall sollte man aber von dem irreführenden Unsinn Abstand nehmen, den Betriebsbahnhof schon im Dezember in Johannisthal umzutaufen, bevor es eine Brücke in diese Richtung gibt.

(Text wurde von Joachim Schmidt vom Dörferblick zur Verfügung gestellt. Vielen Dank)


Altglienicker Brücke wird 2025 erneuert

Foto: BVA
Foto: BVA

Schon über ein Vierteljahrhundert ist die Altglienicker Brücke im Zuge der Köpenicker Straße ein Ärgernis. 1993 wurde die Brücke zwischen Altglienicke und Adlershof aufgrund ihrer anhaltenden Mängel (unter anderem Risse und Einbrüche an den Widerlagern) zunächst für LKW und die damals noch über sie führende Straßenbahn gesperrt. Zu diesem Zwecke wurde 1995 neben der alten eine Behelfsbrücke errichtet, die wie es damals hieß nur kurzzeitig ihren Dienst erfüllen sollte. Doch dann war plötzlich kein Geld mehr da. Schon wenige Jahre nach Eröffnung der Behelfsbrücke musste auch diese zeitweise gesperrt werden. Sie war von ihrer ganzen Befestigung zum einen nicht genügend auf mehrjährigen Betrieb angelegt und zum anderen erwies sich das Provisorium als zu tief errichtet, da nach der Wiederfreigabe des nach dem Mauerbau versandeten Teltowkanals etliche Güterschiffe nicht unterhalb der Brücke durchfahren konnten. Daher wurde im Jahr 2003 die Behelfsbrücke mit den entsprechenden Rampen für ganze 750.000 Euro um 80 Zentimeter angehoben, während nebenan die alte Altglienicker Brücke weiter im Dornröschenschlaf verharrte und wegen der Baufälligkeit auch für Fußgänger gesperrt wurde, da sich Gehwegplatten lösten und in den Kanal zu fallen drohten. Die alte Brücke musste vorerst weiter als Leitungsträger erhalten werden.Über und unter ihr verlaufen einige Gasleitungen, ein Frischwasserrohr der Berliner Wasserbetriebe sowie mehrere Kabel. Die Behelfsbrücke ist hingegen mit ihren baulichen Schlenkern aufgrund der Kurvenradien nicht unproblematisch zu befahren für Busse und LKW. Jetzt werden endlich Planungen für einen Ersatzneubau konkret, wie durch eine Anfrage im Berliner Abgeordnetenhaus zu erfahren ist. Ein Grund für die lange Dauer waren Abstimmungen verschiedener Behörden mit Senat und Bezirk. Die Altglienicker Brücke befindet sich im Eigentum und in der Unterhaltung des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes (WSA) Berlin. Für die Planung und Baudurchführung des Ersatzneubaus der Brücke ist das Wasserstraßenneubauamt (WNA) Berlin zuständig.Das WNA teilte zum aktullen Planungsstand mit, dass die für das Bauvorhaben erforderliche Haushaltsunterlage nunmehr genehmigt wurde. Damit sind die rechtlichen Voraussetzungen für den Ersatzneubau gegeben, sodass die Maßnahme planmäßig fortgeführt werden kann. Eine Sanierung der im Jahr 1906 erbauten Fachwerküberbaubrücke ist dabei aus bautechnischen Gründen nicht mehr möglich, so dass neugebaut werden muss. Hinsichtlich der Baudurchführung wird angegeben, dass die bestehende Behelfsbrücke bis zur Fertigstellung des Ersatzneubaus weiterhin genutzt werden soll. Der geplante Standort für den Ersatzneubau befindet sich ungefähr in der Lage der alten Altglienicker Brücke, mit Anpassung in Fahrtrichtung stadteinwärts, um die Verkehrssituation im Kreuzungsbereich besser gestalten zu können. Der Baubeginn ist für 2025 geplant, nach Fertigstellung des Ersatzneubaus für die Marggraffbrücke an der Köpenicker Landstraße.

(Text wurde von Joachim Schmidt vom Dörferblick zur Verfügung gestellt.)