Altglienicker Brücke wird 2025 erneuert

Foto: BVA
Foto: BVA

Schon über ein Vierteljahrhundert ist die Altglienicker Brücke im Zuge der Köpenicker Straße ein Ärgernis. 1993 wurde die Brücke zwischen Altglienicke und Adlershof aufgrund ihrer anhaltenden Mängel (unter anderem Risse und Einbrüche an den Widerlagern) zunächst für LKW und die damals noch über sie führende Straßenbahn gesperrt. Zu diesem Zwecke wurde 1995 neben der alten eine Behelfsbrücke errichtet, die wie es damals hieß nur kurzzeitig ihren Dienst erfüllen sollte. Doch dann war plötzlich kein Geld mehr da. Schon wenige Jahre nach Eröffnung der Behelfsbrücke musste auch diese zeitweise gesperrt werden. Sie war von ihrer ganzen Befestigung zum einen nicht genügend auf mehrjährigen Betrieb angelegt und zum anderen erwies sich das Provisorium als zu tief errichtet, da nach der Wiederfreigabe des nach dem Mauerbau versandeten Teltowkanals etliche Güterschiffe nicht unterhalb der Brücke durchfahren konnten. Daher wurde im Jahr 2003 die Behelfsbrücke mit den entsprechenden Rampen für ganze 750.000 Euro um 80 Zentimeter angehoben, während nebenan die alte Altglienicker Brücke weiter im Dornröschenschlaf verharrte und wegen der Baufälligkeit auch für Fußgänger gesperrt wurde, da sich Gehwegplatten lösten und in den Kanal zu fallen drohten. Die alte Brücke musste vorerst weiter als Leitungsträger erhalten werden.Über und unter ihr verlaufen einige Gasleitungen, ein Frischwasserrohr der Berliner Wasserbetriebe sowie mehrere Kabel. Die Behelfsbrücke ist hingegen mit ihren baulichen Schlenkern aufgrund der Kurvenradien nicht unproblematisch zu befahren für Busse und LKW. Jetzt werden endlich Planungen für einen Ersatzneubau konkret, wie durch eine Anfrage im Berliner Abgeordnetenhaus zu erfahren ist. Ein Grund für die lange Dauer waren Abstimmungen verschiedener Behörden mit Senat und Bezirk. Die Altglienicker Brücke befindet sich im Eigentum und in der Unterhaltung des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes (WSA) Berlin. Für die Planung und Baudurchführung des Ersatzneubaus der Brücke ist das Wasserstraßenneubauamt (WNA) Berlin zuständig.Das WNA teilte zum aktullen Planungsstand mit, dass die für das Bauvorhaben erforderliche Haushaltsunterlage nunmehr genehmigt wurde. Damit sind die rechtlichen Voraussetzungen für den Ersatzneubau gegeben, sodass die Maßnahme planmäßig fortgeführt werden kann. Eine Sanierung der im Jahr 1906 erbauten Fachwerküberbaubrücke ist dabei aus bautechnischen Gründen nicht mehr möglich, so dass neugebaut werden muss. Hinsichtlich der Baudurchführung wird angegeben, dass die bestehende Behelfsbrücke bis zur Fertigstellung des Ersatzneubaus weiterhin genutzt werden soll. Der geplante Standort für den Ersatzneubau befindet sich ungefähr in der Lage der alten Altglienicker Brücke, mit Anpassung in Fahrtrichtung stadteinwärts, um die Verkehrssituation im Kreuzungsbereich besser gestalten zu können. Der Baubeginn ist für 2025 geplant, nach Fertigstellung des Ersatzneubaus für die Marggraffbrücke an der Köpenicker Landstraße.

(Text wurde von Joachim Schmidt vom Dörferblick zur Verfügung gestellt.)


Ausbau Am Seegraben rund drei Millionen Euro teurer

Der im Juni 2018 begonnene Ausbau der Bundesstraße 96a/ Am Seegraben wird deutlich teurer als geplant. Das ergab eine Anfrage des Mitgliedes des Abgeordnetenhauses Stefan Förster (FDP) an die zuständige Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz. Während vor einem Jahr noch 7,4 Millionen Euro veranschlagt wurden, sind die Ausgaben laut Verkehrsstaatssekretär Ingmar Streese unterdessen auf rund 10,7 Millionen Euro gestiegen. Davon übernimmt 8,7 Millionen Euro das Bundesverkehrsministerium, die verbleibenden zwei Millionen die Berliner Senatsverwaltung. Bis zum Juni 2021 soll die von Grünau Richtung Schönefeld verlaufendeStraßefertiggestellt sein. Die Fahrspuren werden schmaler, der Mittelstreifen breiter und begrünt. Es erfolgt der Rückbau nicht mehr erforderlicher Standstreifen und die Anlage eines neuen einseitigen 4 Meter breiten Geh- und Radweges einschließlich neuer Lichtsignalanlagen als Querungsmöglichkeiten. Im Zuge der Bauarbeiten erfolgt auch die Erneuerung der Regenwasserkanalisation sowie die Erneuerung der Straßenbeleuchtungsanlage. Joachim Schmidt Danach ist geplant, die derzeitige Bundesstraße zu einer gewöhnlichen Stadtstraße zurückzustufen.

(Text wurde von Joachim Schmidt vom Dörferblick zur Verfügung gestellt.)


Danach die Kunst - Große Kunst im Bürgerhaus und der WaMa

Bildtitel: Kriegstraumata - Mirko Gabris
Bildtitel: Kriegstraumata - Mirko Gabris

Nicht unwichtig zu wissen, was die Künstler antreibt, welche wir in unserer neuen Kunstausstellung zeigen dürfen. Sind doch die Beweggründe, sich durch Kunst mitzuteilen, genau so vielfältig wie es Kunstformen gibt. Malerei, Bildhauerei, zu Musizieren, oder Kunst zu schmieden, wie in der Werkstatt von Fritz und Achim Kühn am Ende der Straße am Falkenberg. Für Werner Domke, ehemals Lehrer in Altglienicke, boten Hinterglasmalerei, Mal/Schabetechniken, Bilder aus Stoffstücken kreieren, sowie Masken und andere Skulpturen aus Gips formen die Herausforderungen, seine Wege, sich künstlerisch auszudrücken. Eine doch eher akademisch ausgeprägte Form, Kunst zu „praktizieren“. Mit beachtlichen Resultaten! Mirko Gabris, seine Malerei ist so unglaublich vielschichtig, bezieht seine Motivation zum Malen beinahe unfreiwillig.

Der Weg ins Leben, ein sehr schwerer. Mit 18 Jahren war der Weg gefunden, sich seiner Erlebnisse, Gedanken und Gefühle durch die Malerei Ausdruck zu verleihen. Sein „Doktor-Vater“ Professor Gerhard Hahn sieht seine Kunst in der Nähe des surrealen Malens von Max Ernst oder Hieronymus Bosch`s grotesken Szenerien. Wenn nur alle schwere Kindheiten so große Kunst hervorbrächten, und nicht Kriminelle und Amerikanische Präsidenten! Eine virtuelle Eröffnung der Ausstellung wird es zu Pfingsten auf den Kanälen altglienicke24.de des Bürgervereines, sowie auf der Internetseite der WaMa, natürlich auch anderer unsozialer Netzwerke geben.

Corona verschwindet – die Kunst kommt! Also neugierig und dranbleiben!

 (Text und Foto von Ronald Seiffert & Holger Wiegandt (Bürgerverein & WaMa))


Als Geflüchtete ehrenamtlich engagiert im Altglienicker Kiez: Abir Oqleh

Abir Oqleh und ihr Ehemann
Abir Oqleh und ihr Ehemann

In unregelmäßigen Abständen wollen wir mit kleinen Portraits ehrenamtlich Tätige aus dem Altglienicker Kiez vorstellen und damit auch deren Arbeit im Kiez würdigen. Diesmal geht es um Abir Oqleh, deren Weg als Geflüchtete aus Syrien in unseren Ortsteil führte. Auch in der Unterkunft für Geflüchtete am Quittenweg läuft vieles an Aktivitäten allein darüber, dass sich Menschen ehrenamtlich engagieren. Dabei sind es nicht nur diejenigen aus der Umgebung, die schon länger ihre Heimat in Altglienicke gefunden haben, sondern auch Bewohner der Einrichtung selber, die sich aktiv einbringen, um den Alltag für möglichst viele etwas schöner zu gestalten. Für die 44-jährige Abir Oqleh war Berlin und Altglienicke vor einigen Jahren noch ganz weit weg und jenseits aller Vorstellungen. Fast 3.400 Kilometer entfernt ist sie in Damaskus geboren worden. Die syrische 3-Millionen-Stadt in Syrien zählt zu den ältesten dauerhaft bewohnten der Welt und gilt als ein kulturelles Zentrum des Orients. Schon Jahrtausende vor Christus gegründet fand Damaskus bei den alten Ägyptern wie auch im 1. Buch Moses der Bibel Erwähnung. Hier ist Abir in einem südwestlich gelegenen Viertel namens Jarmuk aufgewachsen. Dass sie überhaupt dort aufgewachsen ist, dem ging schon eine weitere Flucht voraus. Das Viertel Jarmuk oder ausgeschrieben Muḫayyam al-Yarmūkist aus einem Flüchtlingslager hervorgegangen, das 1957 für palästinensische Flüchtlinge aus dem ersten arabisch-israelischen Krieg 1948 gegründet wurde. Wie auch andere Flüchtlingslager in Syrien entwickelte sich Jarmuk zu einem normalen Stadtviertel mit Wohnhäusern und Geschäften. In Jarmuk lebten zeitweise bis zu 150.000 Palästinenser, aber auch irgendwann Syrer. Die Palästinenser galten als Gäste und waren den Syrern rechtlich weitgehend gleichgestellt. Sie besaßen kein Wahlrecht, konnten aber studieren und alle Berufe ausüben, Häuser bauen und Firmen gründen. Dann kam es zum Aufstand gegen Syriens Präsidenten Assad und auch in Jarmuk gab es Proteste gegen ihn, die irgendwann eskalierten. Im Frühjahr 2015 wurde Jarmuk von Extremisten der IS-Terrormiliz eingeschlossen und schließlich in langen Kämpfen erobert. Etwas später begann die Rückeroberung durch die syrische Regierung, bei der nochmals unzählige Menschen starben.Für Abir gestaltete sich das Leben bis zum Bürgerkrieg ganz normal. Sie hatte bis zum 3. Semester Archivwissenschaft studiert, geheiratet und drei Kinder bekommen. Man arbeitete alles Mögliche, um die Familie zu ernähren und sich nebenbei etwas zur Seite zu legen. Mit 40 war es dann geschafft,sich als Familie ein schönes Leben einzurichten. Man kaufte sich vom Ersparten ein Haus. So wie es halt auch viele Familien hierzulande als Alterssicherung für sich und kommende Generationen machen. Für Abir war das ein Fundament. Man sei so glücklich gewesen, sich in Syrien den Traum vom eigenen Haus erfüllt zu haben und das als Nachkommen von Flüchtlingen, die es nie einfach hatten und sich so etwas umso härter erarbeiten mussten. Aus diesem Traum wurde die Familie nach nur neun Monaten jäh herausgerissen, als der Bürgerkrieg Jarmuk einholte und von den eigenen vier Wänden nur noch ein Trümmerhaufen übrig blieb. Man hatte seine Unterkunft verloren. Um der Familie in dieser kriegerischen Umgebung ein Überleben zu sichern, schickte man zunächst die Söhne alleine auf die Flucht, mit dem Ziel in Europa anzukommen, wo ein ersehntes friedliches Leben wieder möglich erschien. Und kam dann ein paar Jahre später nach. Der Weg von Abir und ihrem Mann führte somit aus den Trümmern von Jarmuk nach Deutschland. Für sie war alles zunächst einmal sehr schwierig. Sechs Monate lang habe sie fast nur geweint. Alles war hier so anders als man es bei sich kannte. Große Angst hatte sie zunächst vor Hunden, die es derart in ihrer Heimat so nicht gab. Fremd fühlte sie sich, weil sie als Frau ein Kopftuch trägt, anders als die Frauen hier. Mit der Zeit wandelten sich ihre Empfindungen. Sie lernte immer mehr Menschen hier kennen, erfuhr mehr über die deutsche Gesellschaft und sei endlich auch angekommen.

Unterdessen will sie auch nicht mehr zurück. Mit 44 Jahren will sie endlich ein normales Leben ohne ständige Veränderungen ihres Umfelds führen. Nachdem sie als palästinensisches Flüchtlingskind in Syrien erlebte, wie das hart erarbeitete Einfamilienhaus in Trümmern lag, möchte sie in Deutschland ihr weiteres Leben einrichten. Untergebracht wurde sie in Deutschland durch die zuständigen Stellen in der Unterkunft für Geflüchtete am Quittenweg. Hier im Ortsteil Altglienicke fühlt sie sich unterdessen ganz wohl. In Altglienicke hat sie alles. Es gibt viel Unterstützung für Geflüchtete. Es gibt eine Reihe von Projekten, an denen sie sich beteiligte, wie etwa auch ein Theaterstück einzustudieren und aufzuführen. Sie begreift Altglienicke immer mehr als ihren Stadtteil. Natürlich könne sie noch nicht ganz angekommen sein, so lange man noch dort in der Unterkunft lebe. Sie hofft bald eine richtige Wohnung zu finden und das gerne weiterhin hier.Im Café Quitte in der Unterkunft hilft sie allwöchentlich als Ehrenamtliche aktiv mit, aber auch darüber hinaus ist sie dabei. So hat sie letztes Jahr für das vom Quartiersmanagement im Kosmosviertel veranstaltete Picknick mitgekocht. Auch im Bürgerhaus ist sie öfter. Großen Spaß hat ihr das Theaterprojekt gemacht, welches in der WaMa aufgeführt wurde. Ebenso beteiligte sie sich an Bepflanzungsaktionen im Kosmosviertel oder bei der Durchführung mehrerer Maßnahmen des BENN-Teams. Warum engagiert sich Abir ehrenamtlich? Es spielt herein, dass sie ein besseres Bild von Geflüchteten in Deutschland aufzeigen möchte. Eines von Menschen, die nicht nur ausnutzen oder profitieren möchten, hier zu leben. Sie will sich gerne hier integrieren, mit möglichst vielen Menschen in Kontakt kommen, die deutsche Sprache lernen, nicht nur nehmen wollen. Wenn sie eine Wohnung gefunden hat, möchte sie richtig ankommen und auch entsprechend Arbeit finden. Ihr Wunsch ist eine Ausbildung als Erzieherhelferin. Sie hofft, dass es kein Hindernis sei, dass sie nach wie vor ein Kopftuch trage. Man solle sie nicht am Kopftuch bemessen, was nun mal ein Teil von ihr sei, nichts Schlimmes darin sehen, sondern ganz normal damit umgehen. 

(Text und Bild wurde vom Dörferblick von Joachim Schmidt zur Verfügung gestellt.)


Richtfest für 890 neue Wohnungen an der Fließstraße in Niederschöneweide -Erinnerung an das dort vor 65 Jahren eröffnete BMHW-Klubhaus „Ernst Schneller“

Der Festsaal des BMHW-Klubhauses anno 1958 (Foto: Bundesarchiv)
Der Festsaal des BMHW-Klubhauses anno 1958 (Foto: Bundesarchiv)

In Niederschöneweide ist entlang des Spreeufers allerlei in Bewegung. Dort, wo jahrzehntelang sich Ruinen der Berliner Metallhütten- und Halbzeugwerke (BMHW) erstreckten, entsteht Wohnungsbau. Im März konnte an der Fließstraße die Buwog Bauwerk als Investor Richtfest feiern. Es entsteht ein neues Wohnquartier mit rund 890 Miet- und Eigentumswohnungen, Studentenwohnungen sowie eine Sozialstation „Strohhalm“ mit sozialtherapeutischen Angeboten der Stiftung SPI für zeitweise wohnsitzlose Menschen. Damit verschwindet eine lange industrielle Nutzung des Areals. Bereits 1881 siedelte sich nahe der Treskowbrücke, die Nieder- und Oberschöneweide verbindet, die Schal- und Tuchfabrik Anton und Alfred Lehmann zwischen Fließstraße 1-8 und Hasselwerderstraße an.

Später trat das Hüttenwerk Kayser & Co. AG in Erscheinung, die 1938 mit der benachbarten Deutsche Messingwerke Eveking AG zusammenging, ab 1949 der VEB Deutsche Messingwerke. Am 1. Januar 1951 entstand nach Zusammenschluss mit dem VEB Berliner Halbzeugwerk und VEB Sonderbronze besagter VEB Berliner Metallhütten- und Halbzeugwerke. Besonders in Erinnerung bleibt aber an der Fließstraße 3 das hier zum 1. Mai 1955 eröffnete Kulturhaus der Berliner Metall- und Hüttenwerker. Das große Klubhaus wurde vor 65 Jahren dem VEB BMHW zur gewerkschaftlichen Nutzung übergeben, verfügte über einen 500 Quadratmeter großen Saal mit Bühne und eine Kapazität von 350 Plätzen. Neben den obligatorischen betrieblichen Veranstaltungen wurde im Haus eine Vielzahl kultureller Programme geboten, die auch anderen offen standen. Barbetrieb und gastronomische Einrichtung sorgten dafür, dass das Haus regelmäßig ausgebucht war, bis zu ein Jahr im Voraus. Wenige Jahre später wurde es im Beisein der Witwe Hilde Schneller in Kulturhaus „Ernst Schneller“ benannt. Ernst Schneller, anfangs Lehrer und Reichswehroffizier, dann 1924 bis 1933 KPD-Reichstagsabgeordneter, wohnte zuletzt hier um die Ecke in Schöneweide in der heute nach ihm benannten Straße und wurde von den Nationalsozialisten im Oktober 1944 ermordet. Der Festsaal war einer der größten des Stadtbezirks Treptow, neben den großen BMHW-Festveranstaltungen wie zum 1. Mai („Arbeiterkampftag“), zum 7. Oktober („Republikgeburtstag“), zum 7. November („Tag der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution“) oder zu Gedenkveranstaltungen für den Namensgeber, wurde dieser auch regelmäßig an externe Nutzer vermietet, an Parteien, den Demokratischen Frauenbunds Deutschland, die Volkspolizei, den Rat Treptow, Abt. Kultur, die Volkssolidarität Treptow oder etwa an die 10. Klassen der nahegelegenen 6.POS „Arkadi Gaidar“ für ihre Abschlussfeiern. Mit dem Ende der DDR infolge der friedlichen Revolution im Herbst 1989 wurde der VEB BMHW erstmal zur Berliner Metallhütten-und Halbzeugwerke GmbH umgewandelt. Nach rein wirtschaftlichen Gesichtspunkten orientiert wurden alle Bereiche, die nicht zur Produktion gehörten, ausgegliedert und der Treuhand gesondert zur Vermarktung zugeführt. Das galt für den BSG Stahl-Sportplatz in Oberschöneweide, den BMHW-Ferienheimen auf Hiddensee (Zum Klausner) und in Lychen (Haus Eichhof), als auch für dieses Klubhaus. Für letzteres fand sich rasch ein Pächter. Der ehemalige Kulturhausleiter, Gero Fischer, und der gastronomische Leiter, Günther Frei, versuchten von 1990 an das Haus privatisiert als Zwei-Mann-Firma fortzuführen. Im Mai 1991 stellten beide, unterstützt von der BMHW-GmbH, bei der Treuhand den Antrag, das Haus zu kaufen und legten dafür ein umfangreiches Konzept vor. Aus dem Klubhaus sollte ein Sport-und Freizeitzentrum werden. Solarium, Sauna, Hausfrauengymnastik, Kraftsport, Einrichtungen der Gastronomie mitsamt einem großen Saal für Veranstaltungen sollten unter einem Dach Platz finden. Die Treuhand stimmte dem Konzept zu. Auch das Bezirksamt Treptow unterstützte die Pläne. Die Treuhand sicherte zu, dass der Kauf zum vereinbarten Preis im Sommer 1991 über die Bühne gehen könne, ging dann aber plötzlich auf Tauchstation. Erst Monate später kam es zu einem weiteren Gespräch, bei dem die Treuhand mitteilte, dass sich der Kaufpreis verdoppelt habe. Unter diesen Rahmenbedingungen sahen sich Fischer und Frei finanziell nicht mehr in der Lage, ihr Konzept allein zu verwirklichen und suchten einen seriösen Partner, der die zusätzlichen Mittel beisteuern könnte. Dieser fand sich auch mit einem namhaften Betreiber gewerblicher Sportstätten im Westteil der Stadt, so dass es noch im Herbst 1991 zu einem weiteren Gespräch mit der Treuhand kam. Der genau ausformulierte Kaufvertrag zum doppelten Preis wurde dann im Dezember von den potentiellen Käufern auch notariell beglaubigt hinterlegt. Trotzdem forderte die Treuhand wöchentlich immer neue Unterlagen an, darunter teils auch ältere noch einmal, da die dort nicht mehr auffindbar gewesen seien. Mit ständig neu erforderlichen Gutachten und notariellen Beglaubigungen mussten die Kaufwilligen ein kleines Vermögen aufbieten, waren jedoch immer noch nicht im Besitz der Immobilie. Es entwickelte sich zu einer unendlichen Geschichte. 

Außenansicht vom „Club in Schöneweide” im Jahr 2016
Außenansicht vom „Club in Schöneweide” im Jahr 2016

Die Treuhand redete sich zwischenzeitlich heraus, dass weitere Gesichtspunkte aufgetreten seien, weshalb „neue Überlegungen und Verhandlungen notwendig“ wären. Trotz des letztendlich stocken gebliebenen Verkauf des Hauses, womit auch größere Investitionen in die bauliche Substanz ausblieben, erfüllten Fischer und Frei lange als Pächter das alte Haus mit Leben. Über einen Großteil der 90er Jahre hinweg diente das alte Kulturhaus „Ernst Schneller“ als „Club in Schöneweide“ (CiSch). Im großen Festsaal, der „gutbürgerliche Küche“ und „kalte Buffets“ bot, fanden

fortan „Großveranstaltungen, wie Hochzeiten, Konferenzen, Konzerte und  Tanzveranstaltungen“ statt. Dabei blieben in Erinnerung vor allem die „Depeche Mode-Parties“, in deren Umfeld auch eine Reihe neuer Synthesizer-Bands live auftraten. And One, DeVision und Oomph! zählen dazu. Der CiSch-Club war ein beliebter Treffpunkt für EBM-, Synthipop-, Dark Wave-, Gothic- und Industrial-Fans, die hier zumeist ganz in schwarz gekleidet ein- und ausgingen. Irgendwann war es dann mit dem Pachtvertrag vorbei. Das Haus wurde geschlossen und fiel immer mehr dem Vandalismus zum Opfer, bis es 2018 abgerissen wurde. Bereits Ende 1991 wurde im Bezirk beschlossen, für das gesamte Areal der Berliner Metallhütten und Halbzeugwerke einen Bebauungsplan aufzustellen, nachdem die BMHW-GmbH unterdessen bis auf kleinere ausgegliederte Betriebsteile wie die ADMOS Gleitlager GmbH die Produktion eingestellt hatte und ein Großteil der Gebäude auf den Betriebsteilen Fließstraße und Schnellerstraße leerstanden. Allerdings zeigten sich in den folgenden Jahren und Jahrzehnten nicht wirklich Investoren, die etwas dort in die Hand nehmen wollten. Das Areal lag einfach brach und verfiel. Über ein Vierteljahrhundert musste vergehen, bis die starke Nachfrage nach Wohnraum dafür sorgte, dass auch dieses Grundstück in Spreenähe neu bebaut werden konnte. Die Buwog erwarb es 2016. Übersät war es von Ruinen, Schrott und Wildwuchs, vor allem enthielt es aber jede Menge Altlasten. Es war eine umfangreiche Tiefenenttrümmerung vorzunehmen. Bis zu drei Meter unter Straßenniveau wurde alles entfernt. Das gesamte Betriebsgelände war versiegelt. Es mussten Betonflächen abgetragen und ein alter Luftschutzbunker entfernt werden. In jedem Fall wird ein kleines Stück Geschichte der BMHW für die Zukunft bewahrt bleiben. Vor dem Abriss des einstigen Kulturhauses „Ernst Schneller“ wurden seitens der Buwog zwei mehrere Quadratmeter große Schmuckmosaiken geborgen und aufbewahrt, die im neuen Wohngebiet wieder an einer Wand Verwendung finden.

(Text wurde vom Dörferblick von Joachim Schmidt zur Verfügung gestellt.)


Als die Russen kamen – 75 Jahre Kriegsende

Besatzer in der Werderstraße (Bild: BVA)
Besatzer in der Werderstraße (Bild: BVA)

Am 8. Mai jährt sich zum 75. Male mit der Unterzeichnung der bedingungslosen Kapitulation durch die Oberbefehlshaber der Wehrmacht im Hauptquartier der sowjetischen Streitkräfte in Berlin-Karlshorst das Ende des Zweiten Weltkrieges in Europa. Mehr als 65 Millionen Menschen kamen weltweit in den sechs Jahren andauernden Kampfhandlungen ums Leben, darunter den größten Aderlass hatte die Sowjetunion mit 27 Millionen zu beklagen. In Deutschland, von wo aus am 1. September 1939 die Nationalsozialisten den mörderischen Krieg mit dem Einmarsch in Polen begannen, starben 6,5 Millionen Menschen, darunter 1,2 Millionen Zivilisten. Die Befreiung Deutschlands von der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft durch die Alliierten vor einem Dreivierteljahrhundert wird in diesem Jahr in Berlin am 8. Mai mit einem einmaligen arbeitsfreien Feiertag begangen. Gerade jetzt, wo die Erlebnisgeneration des letzten Weltkrieges immer mehr verschwindet, ist Erinnerungskultur an jene Zeit bedeutsam. Eigentlich war dazu auch eine Vielzahl von Veranstaltungen geplant, wie ein Fest der Begegnung auf der Straße des 17. Juni, doch machte die Corona-Pandemie dem einen Strich durch die Rechnung. Daher muss man sich vor allem mit Online-Angeboten begnügen, wie etwa auf der Seite www.75jahrekriegsende.berlin. Wie verliefen die letzten Kriegstage in unserer Region? Wagen wir eine Rekonstruktion. Eine entscheidende Wendung bei dem alliierten Vormarsch auf Berlin fand bereits am 31. Januar 1945 statt, als die 1. Belorussische Front bei Kienitz erstmals die Oder überquerte. Es folgten einige Wochen später unerbitterliche Kämpfe in den Seelower Höhen, in denen auf beiden Seiten 113.000 Menschen starben. Als sich die Rote Armee schließlich auch Berlin näherte, begann in der Stadt Hektik auszubrechen, unterbrochen von gehäuft stattfindenden Luftangriffen. Der 20. April, Hitlers letzter Geburtstag vor seinem Suizid zehn Tage später, war wohl der letzte Tag, an dem noch einmal auf den Straßen einige Hakenkreuzflaggen wehten. Danach versuchte fast jeder sich dieses Stück Stoff zu entledigen. Es stellte sich für viele Berliner die Frage, ob man bleibt oder versucht irgendwohin zu entfliehen, wo man ein Stück weiter weg von Kampfhandlungen war, was sich aber schwierig gestaltete. Wer einen Garten hatte, versuchte eilig seine Wohnung zu säubern. Wertvolles wie Porzellan und Schmuck wurde vergraben wie auch Verdächtiges, etwa Orden und Abzeichen, was in Richtung einer nationalsozialistischen Gesinnung hindeuten konnte. Geschäfte bemühten sich vor den anstehenden Kampfhandlungen und dem drohenden Einmarsch der Roten Armee ihre letzten Waren zu verkaufen. Zwei Heeresgruppen der 1. Belorussischen Front unter Marschall Georgi Schukow und die 1. Ukrainische Front unter dem Marschall der Panzertruppen Iwan Konew erhielten von Stalin den Befehl, beginnend vom 16. April an Berlin einzunehmen. Als Truppenteile von den Sowjets für den Süden unseres Bezirkes auserkoren wurden aus der Belorussischen Front die 8. Gardearmee unter General Wassili Tschuikow und die 1. Gardepanzerarmee unter General Michail Katukow. Nachdem zunächst Erkner eingenommen war, stieß die 66. Division der 8. Gardearmee unter Generalleutnant Pankow nach Berlin über die Ortsteile Rahnsdorf und Müggelheim vor, welche am 22. April endgültig eingenommen waren.

Es folgte Wendenschloß. Nachdem noch am Vortag in Grünau Wehrmachtssoldaten an der Dahme Stellung bezogen hatten, rückten die Truppenteile am Nachmittag des 22. April zur Verwunderung der Zivilbevölkerung eilig in Richtung Stadtmitte ab. Viele hatten zu diesem Zeitpunkt bereits ihre Wohnungen verlassen und sich auf mehrere Tage in den Luftschutzbunkern einquartiert. Dort fühlte man sich in Gemeinschaft nicht nur vor den Bombenangriffen sicherer, sondern auch vor dem Ungewissen, was kommen sollte. In den frühen Morgenstunden des 23. April gegen 5 Uhr überquerte die Rote Armee unter dem 2. Schützenbataillon des Gardehauptmanns Semakin die Dahme und rückte so auf Grünauer Gebiet vor.

Dafür wurde eilig eine hölzerne Pontonbrücke von Wendenschloss über die Dahme zur Wassersportallee gezimmert, mit der die schweren motorisierten Fahrzeuge über die Dahme übersetzen konnten. Allzu viele Kämpfe soll es nicht mehr gegeben haben, nur an einzelnen Stellen an der Regattastraße gab es noch Schießereien mit Toten. Danach durchkämmten die Rotarmisten Haus für Haus, auch um zu schauen, ob sich in den Wohnungen noch Soldaten verschanzt hatten. In der Regattastraße 103 richtete die Rote Armee unter Major Porschnikow eine Kommandantur ein. Im Keller wurden verhaftete Nationalsozialisten eingesperrt, bis sich Truppenteile in Richtung Bahnhof weiterbewegten. Die in Grünau verbliebenen Rotarmisten beräumten die nachfolgenden Tage die Häuser im Bereich Schlierseestraße, Königsseestraße, Dahmestraße, Walchenseestraße und Teile der Kochelseestraße, um dort im Rahmen eines Sperrgebietes Offiziere unterzubringen. 

1945 gesprengte Altglienicker Brücke (Bild: BVA)
1945 gesprengte Altglienicker Brücke (Bild: BVA)

Die weiterziehenden Soldaten nahmen hingegen zuerst den Falkenberg ein sowie den nördlichen Teil Bohnsdorfs und rückten weiter westlich auf Altglienicke vor. In den Morgenstunden des 24. April näherte sich von Schönefeld her die 3. Gardepanzerarmee unter Panzer-kommandeur Pawel Rybalko von Schönefeld her dem Westen Bohnsdorfs. Um 10.30 Uhr wurde dem Befehlsstand der Roten Armee vermeldet, dass auch Bohnsdorf befreit ist. Berichtet wird, dass nachdem der letzte Widerstand von Volkssturmangehörigen gebrochen war, einige die Rotarmisten mit weißen Fahnen als Befreier begrüßten, eine Mehrheit der Bohnsdorfer hielt sich aber zurück, auch aus Angst dass die sowjetischen Soldaten nach verlustreichen Schlachten Rachehandlungen begehen könnten. Das sollte erstmal ausbleiben, weil diese Einheiten den Befehl bekamen, sich weiter ins Berliner Stadtzentrum vorzukämpfen. Anders sah es dann aus mit den Truppenteilen, die als Ablösung nachfolgten. Es gab dann vermehrt auch Plünderungen und Vergewaltigungen. Als Major Karpow die Geschicke als Militärkommandant für Bohnsdorf übernahm, dazu am Dorfplatz 11 im Haus von Bauer Krüger eine Kommandantur einrichtete, soll sich die Situation für die Zivilbevölkerung wieder gebessert haben. Am 28. April 1945 setzte Karpov den Kommunisten und Widerstandskämpfer Alfred Ihlau als Bohnsdorfer Bürgermeister ein. Dazu wurde eine Bürgermeisterei in der Polkwitzer Straße 1-5 eingerichtet. Hier wurden weitere Aufgaben verteilt, wie ein Wohnungsamt, ein Amt für Ernährung, ein Bauamt, ein Amt für Erfassung und eine Dolmetscherei. Es ging darum Sicherheit und Ordnung sowie die allgemeine Versorgung wiederherzustellen. Trümmer und Kriegsschäden waren zu beseitigen. Darüber hinaus wurden Wohnungen von Nationalsozialisten oder die durch Kriegswirren leerstanden beschlagnahmt und wohnungslosen Menschen zur Verfügung gestellt. Ebenso wurde festgestellt, wo sich in mehr als ausreichend großen Wohnungen weitere Personen unterbringen lassen. Ab dem 5. Mai standen Lebensmittelkarten zur Verfügung, mit denen man täglich z.B. als Arbeiter 500g Brot, 65g Fleisch, 60g Nährmittel, 20g Zucker, 200g Kartoffeln und 15g Fett bekam. Unterdessen hatte am 24. April die Rote Armee aber auch Altglienicke eingenommen, nachdem es noch letzte Kampfhandlungen im Ortskern gab. Dabei brannte auch die Medicinal-Drogerie Dörfler, das sogenannte Dörfler-Eck Rudower Ecke Köpenicker Straße ab, wo sich heute ein Parkplatz befindet. Berichtet wird ebenso davon, dass der evangelische Pfarrer Erich Müller, der 1935 als überzeugter Nationalsozialist die Pfarrstelle übernommen hatte, beim Eintreffen der Roten Armee erst seine Familie tötete und sich schließlich selber erschoss. Fälle davon soll es in der Region etliche gegeben haben, wo sich Anhänger Hitlers wie er selber umbrachten, um sich den Konsequenzen ihres Handelns zu entziehen. In Altglienicke richteten die Sowjets ihre Kommandantur in der Semmelweisstraße im Gutshof der Familie Hannemann ein, bis diese ein Dreivierteljahr später in die Werderstraße umzog. Hier wurde ein Fritz Hanwig als Bürgermeister eingesetzt. Größere Auswirkungen gab es in der Ortslage Falkenberg, wo in Rose-, Schirner- und Falkenbrunnstraße die Wohnhäuser beräumt wurden. Auch hier wurden in einem abgeriegelten Sperrgebiet sowjetische Offiziere untergebracht. Betroffen davon war auch das Gemeindeheim der evangelischen Kirche in

der Rosestraße, welches zeitweise als Pferdestall diente, bis 1950 die Rückgabe erfolgte. Im Laufe des 24. Aprils übernahm die Rote Armee weitere Ortsteile des Bezirks. So konnte bereits am 28. April von den Sowjets eine neue provisorische Bezirksverwaltung in den Rathäusern Treptow und Köpenick eingesetzt werden. Nachdem am 30. April Hitler seinem Leben im Bunker der Reichskanzlei ein Ende setzte, war der Krieg in Berlin am 2. Mai 1945 beendet, indem in der Hauptstadt die letzten Einheiten kapitulierten. Eine letzte Reichsregierung unter Großadmiral Karl Dönitz setzte sich noch nach Flensburg ab, bis am 8. Mai der Krieg mit der Kapitulation auch der letzten Teile Deutschlands endlich ein Ende hatte. Nun können wir dieser Tage in Berlin und Deutschland mit dem Ende der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft 1945 auf 75 Jahre Frieden zurückschauen.

(Text wurde vom Dörferblick von Joachim Schmidt zur Verfügung gestellt.)


Die Kunst und die Katastrophe - Kunstausstellung im Bürgerhaus Altglienicke und der WaMa

Werner Domke - "Hecht beim Jagen"
Werner Domke - "Hecht beim Jagen"

Zwei Künstler – zwei Humanisten. Werner Domke und Mirko Gabris. Der eine Volksschullehrer, 1911 geboren, der andere Konditor, geboren 1965. Beide entdeckten in jungen Jahren ihre Liebe zur Kunst. Dem Rixdorfer Werner Domke, wurde der Berufswunsch, Gewerbelehrer für Malerei und Graphik 1933 abgelehnt, da er Schüler der Karl-Marx-Schule in Kreuzberg war, welche 1933 von den Nazis geschlossen wurde. Ab 1935, nach einer Malerausbildung, wurde er zum Studium an der Hochschule für Lehrerbildung in Frankfurt/Oder zugelassen. Im Juni 1945 durch den sowjetischen Ortskommandanten als Leiter der 13. Schule in Altglienicke eingesetzt. Mirko Gabris, gebürtig in Rodalben, eine Stadt im rheinland-pfälzischen Landkreis Südwestpfalz, verlebte seine Schulzeit in Saarbrücken, nach welcher er sich zum Konditor ausbilden ließ. Nach Leitung verschiedener Konditoreien, zeitweise Inhaber des Cafe`s „Tortenwerkstatt“ in Berlin, heute Pflege- und Betreuungsassistent. Ein Beruf, dem hoffentlich endlich die gerechte Wertschätzung, sowie eine gerechte Bezahlung zuteil werden wird! Seit fünf Jahren in Altglienicke lebend und von seinem neuen Heimatort begeistert!Als Autodidakten, nur bei Wikipedia in der schönsten, wohl auch überzeugensten Beschreibung zu finden, `die sich selbstständig Wissen und Fertigkeiten angeeignet beziehungsweise durch Beobachtung, Versuche, Übung oder Lektüre eigenständig erworben hat`, haben sie große Kunstfertigkeit entwickelt, welche wir nun in unserer Ausstellung zeigen dürfen.Zwei Beispiele zum Neugierigmachen, „Hecht beim Jagen“ von Werner Domke und „Kriegstraumata“ (Ausschnitt) von Mirko Gabris. Sowie der Termin für Ausstellungseröffnung festgelegt werden kann, werden wir diese großartige Kunst sehr gern dem (nicht nur) Altglienicker Publikum präsentieren!Seien Sie neugierig! Die „Katastrophe – Toilettenpapierprohibition“ hat bald ein Ende!

(Ronald Seiffert-Bürgerverein Altglienicke & Holger Wiegandt-WaMa)


Wo deutsche Filmgeschichte geschrieben wurde: 100 Jahre Johannisthaler Filmanstalten (Jofa)

Der am 10. Januar 1920 in Kraft getretenen Versailler Vertrag bedeutete für viele der am Rande des Flugplatz Johannisthal ansässigen Flugzeugwerke das Aus, denn dieser verpflichtete im Artikel 198 das Deutsche Reich zur Demontage aller Militärflugzeuge und verbot den Wiederaufbau von Luftstreitkräften. Daher stellte sich die Frage, was mit den erst wenige Jahre zuvor entstandenen Montagehallen passieren soll. Dies galt auch für den Gründer und Eigentümer der 1909 entstandenen Albatros-Flugzeugwerke, Dr. Enno Walther Huth. Seine Firma baute nicht nur 1910 als Lizenznachbau eines französischen Farman-Doppeldeckers das erste militärisch genutzte Flugzeug in Deutschland, sondern stattete nachfolgend die junge Fliegertruppe des Deutschen Heeres aus. Damit war jäh vorbei. Anders als andere Fabrikanten hatte Walther Huth eine sehr schnelle Antwort parat, seine unternehmerische Existenz zu sichern. Der Film erlebte in Deutschland gerade eine Blüte. Das wurde auch dadurch verstärkt, dass durch den Weltkrieg der Import beliebter Stummfilme etwa aus den USA ausfiel. Erst vor etwas mehr als zwei Jahren war mit Unterstützung der Reichsregierung als neuer großer Filmkonzern die Ufa entstanden. Zehn Tage nach dem Inkrafttreten des Versailler Vertrages gründete Huth als Tochterunternehmen seiner Albatros die Johannisthaler Filmanstalten (Jofa), um darüber seine Montagehallen einer neuen Nutzung zuzuführen. Die technische Leitung für den Umbau in das –so die Vorankündigung- »größte Filmatelier der Welt« übernahm der Ingenieur Hackenberger. Eine nachfolgende Beschreibung verlautete: „Die Johannisthaler Filmanstalten bestehen eigentlich aus zwei feuerfesten glasverdachten Hallen von 137 x 21 m Nutzfläche, die als Doppelhalle durch große eiserne Schiebetore verbunden sind. Die Halle A dient nur als Aufnahme-Atelier und ist durch verstellbare Sperrholzwände in drei Ateliers von je 45 x 21 m eingeteilt. Eine Arbeitsgalerie in 10 m Höhe führt durch die ganze Halle (...) In der unmittelbar neben der eigentlichen Atelierhalle liegenden Halle B sind die Betriebsräume jeder Art untergebracht.“Am 19. Mai 1920 starteten in den neuen Studios die ersten Dreharbeiten. Der aus Wien stammende Regisseur Arthur Günsburg drehte mit der Österreicherin Maria Zelenka in der Hauptrolle das Stummfilm-Drama „Verkommen“, der zunächst den Arbeitstitel „Zu den Höhen der Menschheit“ hatte. Das Johannisthaler Erstwerk wurde auch im Herbst gleichen Jahres auch in den Filmtheatern uraufgeführt.Die Jofa trat nicht nur als eine für Deutschland einmalige Atelier-Vermietungsgesellschaft in Erscheinung, sondern war seinerzeit in der Tat das größte Kunstlichtatelier der Welt, wo verschiedene Filmproduzenten modernste Arbeitsbedingungen vorfanden. Von daher hatte Hut den richtigen Riecher. Letztlich wurden um die vierhundert Stummfilme in den Jofa-Studios in der Straße am Flugplatz, neben der heutigen Walther-Huth-Straße, gedreht. Unter den Werken waren bis heute gefeierte Klassiker wie „Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens“ (1922) von Friedrich Wilhelm Murnau und „Dr. Mabuse, der Spieler“ (1923) von Fritz Lang. Weitere große Werke der Stummfilm-Ära waren „Danton“ (1921), „Fridericus Rex“ (1923), „Alraune“ (1928) und „Schinderhannes“ (1928). Der letzte Stummfilm aus Johannisthal war 1929 „Mutter Krausens Fahrt ins Glück“ von Regisseur Phil Jutzi nach einer Idee des Zeichners Heinrich Zille mit der Musik von Paul Dessau. Mit dem Aufkommen des Tonfilms ab 1927 gerieten große Teile der Filmbranche zunächst einmal in Turbulenzen. Das Jofa-Atelier wurde 1929 auf Tonfilm umgestellt und 1931 von der Jofa Tonfilm-Atelier GmbH, an der die Albatros-Werke und die 1927 gegründete Tonbild-Syndikat AG (Tobis) gemeinsam beteiligt waren, übernommen. 1933 übernahm die Tobis Atelier GmbH (ab 1938 Tobis Filmkunst GmbH) vollständig das Gelände. Nahezu die gesamte Elite des deutschen Films vor den Kameras in den Johannisthaler Ateliers. Es gab hier den ersten weiblichen Stummfilmstar Asta Nielsen in ihrem einzigen Tonfilm „Unmögliche Liebe“, Hans Albers in seinem ersten Tonfilm „Die Nacht gehört uns“, der große Tenor Joseph Schmidt schmetterte hier 1933 kurz vor seiner Flucht vor den Nazis aus Deutschland „Ein Lied geht um die Welt“. Auch mit Gustaf Gründgens, Johannes Heesters, Marianne Hoppe, Theo Lingen und Heinz Rühmann wurde in Johannisthal gedreht. Die großen Stars ließen sich tagtäglich aufs Studiogelände an der Straße am Flugplatz chauffieren und anschließend zurück in ihre Villen im Grunewald oder am Wannsee. 

Filmscheinwerfer der Johannisthaler Filmateliers
Filmscheinwerfer der Johannisthaler Filmateliers
Jofa-Film-Atelier in Berlin-Johannisthal im Jahr 1920 (Foto: Bundesarchiv)
Jofa-Film-Atelier in Berlin-Johannisthal im Jahr 1920 (Foto: Bundesarchiv)

Die Nazis verdrängten ab 1933 jüdische Filmschaffende aus dem Gewerbe und verstaatlichten die Tobis wie auch viele anderen Filmfirmen, um sie für Propagandafilme zu nutzen. In dieser Zeit entstanden dort Filme wie „Der große König“ (Regie: Veit Harlan) über Friedrich den Großen oder eben „Titanic“ (Regie: Herbert Selpin), jener propagandistischen Verfilmung von 1943, wo ein deutscher Offizier den Untergang des Schiffes zu verhindern versucht, aber dessen Warnungen von britischen Kollegen aus Rekordsucht ignoriert werden. Dafür wurde in Johannisthal ein riesiges Wasserbecken für Unterwasseraufnahmen aufgebaut, um möglichst realistische Innenaufnahmen des untergehenden Luxusliners zu drehen. Die Kameras standen trocken hinter Fenstern, die man in die Beckenwände eingelassen hatte. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die große Halle mit den Ateliers 1, 3 und 5 durch Bombentreffer zerstört. Auch Plünderungen fanden statt. Trotzdem wurden ab Juni 1945 im Hauptgebäude sowjetische Dokumentar- und Spielfilme synchronisiert, wie etwa „Iwan der Schreckliche“. Aus diesen Anfängen heraus entwickelte sich das DEFA-Studio für Synchronisation. Dieses bearbeitete alle ausländischen Spielfilme für die Kinos und das Fernsehen der DDR. Als ein ganz großer Nachkriegsfilm entstand hier aber auch noch Wolfgang Staudtes „Die Mörder sind unter uns“ mit Hildegard Knef. Von 1946 bis 1961 drehte die DEFA in Johannisthal knapp fünfzig Spielfilme, ehe 1962 der Deutsche Fernsehfunk in die Ateliers einzog. Fortan wurden dort Fernsehfilme von Reihen wie „Der Staatsanwalt hat das Wort“ und „Polizeiruf 110“ produziert. Ab dem 1. Juli 1990 stand das DEFA-Studio für Synchronisation unter Obhut der Treuhandanstalt, die das Unternehmen in die DEFA Synchron GmbH überführte. Zum 1. Juli 1992 erfolgte die Übernahme durch die Kirch-Gruppe und die Umbenennung in JohannisthalSynchron GmbH. Ab 1995 erfolgte ein Abriss eines Großteils der Gebäude. Heute erinnert lediglich das ehemalige Hauptgebäude der Jofa inder Straße am Flugplatz an die Johannisthaler Filmgeschichte. Am 4. März wurde bereits eine Ausstellung zur Jofa im Bürgerbüro des Bundestagsabgeordneten Gregor Gysi, Brückenstraße 28 in Schöneweide, eröffnet.

Am 28. April 2020 erscheint zum 100. Geburtstag der Jofa das Buch „Berlins vergessene Traumfabrik – Johannisthaler Filmgeschichte(n)“. Geschrieben wurde es von Wolfgang May, der sich über viele Jahre intensiv mit der Geschichte des Areals beschäftigte. Dazu soll oder sollte es am gleichen Abend eine Geburtstagsfeier im Forum Adlershof (Rudower Chaussee 24) selbstredend mit einem Film aus der Jofa geben: „Der Tiger von Eschnapur“. Dieser ist ein Monumentalfilm von Regisseur Joe May aus dem Jahre 1921. Geplant war das abenteuerliche Geschehen auf der Leinwand von Deutschlands bekanntestem Stummfilmkomponisten und -pianisten, Stephan Graf von Bothmer (48), am Klavier begleiten zu lassen. Da die Ausgangsbeschränkungen in Berlin aufgrund der Corona-Epidemie verlängert wurden, wird diese Veranstaltung eine Woche darauf vermutlich wie schon so vieles nicht stattfinden. Unklar bleibt in diesem Fall, wie und wann die Feier nachgeholt wird.

(Text und Bilder wurden vom Dörferblick von Joachim Schmidt zur Verfügung gestellt.)