Es bewegt sich was im Kosmosviertel
Seit einigen Wochen wird die alte Ruine im Kosmosviertel abgerissen. Hier sehen Sie einige Fotos vom Abriss (Stand: 04.10.2011 und 08.12.2011).
Des Weiteren können Sie hier einen aktuellen Artikel von der Zeitschrift "Der Altglienicker" über den Abriss der Ruine lesen.
Ein kleines Berliner Wohngebiet, das in seiner Randlage an der ehemaligen Staats- und heutigen Bezirksgrenze zwischen Treptow und Neukölln nur Wenigen bekannt sein dürfte:
Das "Kosmosviertel" in Altglienicke.
Das noch zu DDR-Zeiten zwischen 1987 und 1990 in Plattenbauweise errichtete Gebiet an der Schönefelder Chaussee wird als Kosmos-Viertel bezeichnet.
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| | Einkaufsläden mit Kaiser,s | | |
Auf den ersten Blick ist das so genannte Kosmos-Viertel in Altglienicke - benannt nach Straßen, die Venus-, Pegasus- oder Siriusstraße heißen - ein Wohnviertel wie viele andere in dieser Stadt. Seine Straßennamen künden von fernen Planeten, Sternen und Sternbildern und sollten vielleicht das kosmonautische Fernweh seiner reisebeschränkten Bewohner in der nach oben offenen Hauptstadt der DDR stillen, zumal sie die Berliner Mauer von den Hochhäusern an der Schönefelder Chaussee aus stets vor Augen hatten. Kosmosviertel klang einfach besser als Wohngebiet 2, und da die zugezogenen Bewohner, die von weither kamen, sich nicht sonderlich integrationsfreudig zeigten und eher großstädtische Anonymität bevorzugten, nannten die Altglienicker sie bald die Außerirdischen.
In den Elf-, Fünf- und Dreigeschossern leben rund 6000 Menschen. Fast alle Häuser wurden zwischen 1989 und 1991 erbaut, die wenigen, die später errichtet wurden, fallen nicht weiter ins Gewicht.
Wenn man mit der S-Bahn in diesen Teil von Altglienicke reist, merkt man gleich, dass man am Stadtrand ist. Endlos weit ziehen sich die Einfamilienhäuser hin, und nur die etwas breiteren Hauptstraßen, auf die man manchmal trifft, helfen bei der Orientierung. Auf einmal aber weitet sich der Weg, und an die Stelle der Eigenheime tritt eine Plattenbauzeile, die sich stufenweise von drei auf sechs Geschosse erhebt, um den Wechsel der Bebauung dem Auge sanfter zu machen. Die Variation der Bauhöhe setzt sich im Laufe des Wohngebiets, das seine Bezeichnung von den nach Himmelskörpern benannten Straßen hat, immer weiter fort bis zu den elfgeschossigen Scheibenbauten, die die Höhendominanten des Viertels bilden. Unglaublich eigentlich, dass zu einer Zeit, als die Großsiedlung Berlin-Hellersdorf mit fast durchgängig fünfgeschossiger Bebauung errichtet wurde, in diesem kleinen Wohngebiet noch immer solche Hochhäuser emporschossen.
Die aus hellgrauen und braunen, mit Klinkermustern verzierten Betonplatten bestehenden Fassaden sind glücklicherweise auch noch zu großen Teilen nicht saniert worden und haben das augenscheinlich auch gar nicht nötig. Im Wohngebietszentrum sind in die Erdgeschosse Ladenzeilen eingebaut, so dass eine kleine Flaniermeile entsteht, die einzige wirklich urbane Zone inmitten der weitgestreckten, ausschließlich dem Wohnen vorbehaltenen Fläche von Altglienicke - der Ort wird sozusagen vom Rande her urbanisiert.
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Häuser entlang der Venusstraße | | Ladenzeile | | das neue Anne-Frank-Gymnasium |
Gewiss haben inzwischen Kindergärten, Schulen, Jugendtreffs, ein Kinderzirkus, das Bürgerhaus mit seinen sozialen, kulturellen und kirchlichen Angeboten oder der neue Landschaftspark ein wenig zum Wurzelschlagen beigetragen und bei den Sesshaften auch ein Heimatgefühl entwickeln können. Ob die oft wechselnden Einzelhändler und Restaurantinhaber, die Senioren und Pflegeheime oder die Supermärkte auch daran teilhaben, bleibt offen. Da müssten wir die zwischen den Bauwagen spielenden Kinder von damals oder deren Kinder befragen, die heute vielleicht Hundekot und Invest-Ruine, Zigarettnamesen und Neonazis stinknormal finden.
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Eingang Bürgerhaus und Bibliothek | | Bürgerhaus Altglienicke | | Geschäfte und Läden |
Das Zentrum dieser Altglienicker Satellitenstadt hatten die DDR- Stadtplaner 1988 mit einer Kaufhalle, einer HO-Großgaststätte, einer Stadtteilbibliothek und einer Schwimmhalle an der Siriusstraße vorgesehen. Dazu ein Grünzug als Park an der Venusstraße, der an Spielplätzen vorbei in eine als Fußgängerzone angelegte Ladenstraße übergeht und über die Siriusstraße hinaus das gesamte Neubaugebiet durchzieht und an der Uranusstraße endet. Neben den Park ein Altenheim und eine zweite Kaufhalle, Schulen und Kindertagesstätten in geschützten Bereichen. Die Wohnbauten wurden rechtwinklig zu einander gestellt, denn der Kran und der vorgegebende Bauetat diktierten die Gestaltung des umfangreichen Bauvorhabens. Der Großplattenbaukasten ließ wenig Spielraum für Varianten.
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Brunnen und Momperruine | | Geschäfte und kleine Läden | | Wohnhaus |
Einige Bauten an der Schönefelder Chaussee sind noch im ursprünglichen DDR Design erhalten. Wilder Wein schmückt ihre Fassaden und erklimmt inzwischen das achte Stockwerk. Mit hellblauem oder hellgrünem Fassadenanstrich heben sich die abgestuften Wohnquartiere an der Venusstraße deutlich davon ab. Sie wurden in der Obhut der Wohnungsbau-Genossenschaft Altglienicke e.G. komfortabel modernisiert und erhielten verglaste Loggien und überdachte Eingänge. Auch zur Siriusstraße hin hat sich das Bild durch neue Fassadengestaltung wesentlich verändert und verbessert.
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Gedenktafel an Lutz Schmidt |
Die zur Wendezeit fertiggestellte Kaufhalle wurde in einen Kaiser,s Verbrauchermarkt verwandelt. Die günstige Zufahrt an der Schönefelder Chaussee nutzten inzwischen weitere Supermärkte.
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Entstehung der Wohnhäuser an der Venusstraße | | Entstehung desWohnhäuser an der Ortolfstraße |
Diese beiden Bilder wurden von Herrn Lenz zur Verfügung gestellt. Vielen Dank (Auf dem ersten Bild sehen sie den 11-Geschosser in der Venustr. mit ehemaligem Konsum (heute Edeka) und auch noch ohne Grünanlage mit der Kugel in der Mitte)
An der Ecke Rheingoldstraße, die den Namen eines bei einem Fluchtversuch an der Berliner Mauer Erschossenen erhielt und seit 2009 Lutz-Schmidt-Straße heißt enden die Altglienicker Siedlungen an der Schönefelder Chaussee. Dann folgt der neue Landschaftspark Rudow-Altglienicke und die Autobahn. An der Uranusstraße ist die Ortsgrenze und damit die Berliner Stadtgrenze erreicht. Einige Meter weiter an Wehrmathen vorbei befindet sich die Autobahn. Dort an dieser Stelle überspannt eine mehrspurige von mächtigen Säulen getragene Brückenkontruktion unseren einstigen alten Schönefelder Weg mit den Autobahnauf- und -abfahrten Schönefeld Nord als imposantes "Tor nach Altglienicke".
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Blick auf den Landschaftspark | | Blick Richtung Wehrmathen | | Schule am Pegasuseck |
Nach 1990 entstanden als weitere Neubaugebiete das Kölner Viertel, das Ärztinnenviertel und das Anne-Frank-Carée. Die Namen nehmen Bezug auf die in den Vierteln vorherrschenden Straßennamen.
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(Erstellt 12.12.09 aktualisiert am 03.09.2010)